Wie wichtig mentale Gesundheit ist und wie ich mein Leben darauf aufbaue

Mentale Gesundheit hat viele Facetten. Heutzutage versteht man unter mentaler Gesundheit nicht nur das Fehlen psychischer Beeinträchtigungen, sondern auch den Zustand des völligen Wohlbefindens. Es bedeutet nicht, rund um die Uhr glücklich zu sein. Aber es bedeutet, emotional ausgeglichen zu leben und mit belastenden Emotionen besser umzugehen. Feindseligkeit, Aggressivität und sozialer Rückzug sind häufig Folge von psychischen Belastungen.

Und hier fängt das ganze schon an. Wer mich kennt, nimmt mich eigentlich als ziemlich glücklich und stark wahr. Nur wer mich richtig kennt weiß, dass dem bei weitem nicht so ist. Mein Leben ist seit meiner Diagnose der Multiplen Sklerose alles andere als einfach. Nach außen hin "schaffe ich alles". Kinder, Haushalt, Ehe, Weiterbildung, Sport. Aber wisst ihr was? 

Innerlich kämpfe ich jeden Tag. Mit meiner Vergesslichkeit, meinen Launen. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt gehen Hand in Hand mehrmals täglich an mir vorüber. Weder für mich noch mein Umfeld eine angenehme Situation. So oft geschieht es, dass ich schon von kleinsten Aufgaben, die nicht gleich funktionieren so dermaßen überfordert bin, dass ich mich am liebsten irgendwo verstecken würde. Mentales Chaos in meinem Kopf ist wohl die Untertreibung des Jahrhunderts.  Schlimm wird es erst recht, wenn manchmal alltägliche Dinge in mir eine Panik hervorrufen,  die ich nicht verstehen kann.

Was also tun? 

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass dieser Blog auf keinen Fall eine Allgemeinlösung darstellen soll. Lediglich wie ICH mit diesen Situationen umgehe wird hier beschrieben. Vielleicht inspiriert es ja einige, sich Hilfe zu suchen oder überhaupt zu versuchen an sich zu arbeiten.

Ich für meinen Fall habe in erster Linie das Glück, einen starken Mann hinter mir zu haben. Einer der mich bis zu einem gewissen Maß meine Launen leben lässt aber auch wieder auffängt, bevor ich komplett aus den Fugen gerate.
Das wäre einmal das Erste. Zum zweiten bin ich mit Freunden gesegnet, die sich auch nicht scheuen, einfach einmal Klartext zu sprechen aber auch die sind es, die mich dann einfach mal übers Wochenende entführen, damit ich abschalten kann. 

Aber was mich immer, und damit meine ich IMMER, zurück zu mir selbst bringt, ist der Sport. Erst wenn ich die frische Morgenluft oder die kühle Abendbrise nach den ersten Schritten so richtig inhaliere, fühle ich mich angekommen. Hier gilt durch und durch das Motto "Kopf aus, Beine an". Jeder Ballast wird während des Laufens einfach abgeschüttelt. Aber auch fordernde Einheiten wie Intervalle haben nebst dem Trainingseffekt durchaus ihre positiven Eigenschaften. So richtig ausgepowert ins "runners-high" driften hat für mich so diesen Neugeboren-Touch.

Und so versuche ich so gut es geht, täglich wenn auch nur kleinste Einheiten in meinen Alltag zu integrieren. Ich merke richtig wie unrund ich werde, wenn ich dann einmal nicht zum Auspowern oder "reaktivieren" komme. Hier kommt es mir zugute, dass selbst schon meine Kinder sehr sportbegeistert sind, und meine Tochter mit ihren 5 Jahren mich schon bis zu 14km am Fahrrad begleiten kann und auch will. Diese Zeit wird dann besonders genossen, bekomme ich hier doch umso mehr einen Einblick in die Eindrücke meines Kindes. Nach solchen Läufen ist Glück  das Einzige das sich in mir breit macht.

Ich kann nur jedem raten, geht raus, lauft, geht, walkt, nehmt die Umgebung bewusst wahr, inhaliert noch den leisesten Vogelgesang und lernt, eurem Körper für das Geschenk der Bewegung zu danken. 
erstellt von
portrait

Kerstin Gobold-Valls

aus Villach

Altersklasse: W 30
Verein: Carinthian Runners
Trainer: Rubén Gobold - Valls / WFV Finkenstein

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Disziplinen
10 Kilometer Halbmarathon