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It's not always about time. Sometimes it more than that!

Paris Marathon. Wenn du nichts erwartest und alles bekommst.

Es gibt schon einige Läufe, welche ich noch unbedingt machen möchte. Der Paris Marathon war allerdings so gar nicht in meinem Fokus und somit nicht auf meiner „To-Run-Liste“.

Genauer gesagt stand derzeit überhaupt kein Marathon irgendwo auf irgendeiner Liste.

Warum Paris dann doch so bedeutend für mich geworden ist, dazu muss ich kurz ausholen, damit ihr das Warum nachvollziehen könnt. Wer nicht so viel lesen mag, steigt einfach drei Absätze weiter unten wieder ein :-)

Also wie gesagt, Marathon zu laufen war gerade ganz weit weg.

Aufgrund meiner seit September 2017 dauernden Wehwehchen ist ein regelmäßiges Lauftraining undenkbar. Zuerst Knie, welches sich nach 2 Monaten wieder beruhigt hatte. Ein Unglück kommt ja selten allein und seit Jänner 2018 quälen mich ziemlich üble Ischias Beschwerden. Lange Zeit nur einmal und später vielleicht zweimal pro Woche ein paar Kilometer traben. Nie schmerzfrei. Immer mit einem ziehen im Bein. Beziehungsweise war das Sitzen die Tage danach eine reine Odyssee. Autofahren generell - mehr als eine 1/2 Stunde - Fehlanzeige! Dennoch, ich hab nicht aufgegeben, mich weiter täglich mit Mobilisation, Beweglichkeit und Dehnen beschäftig, viele Termine beim Physiotherapeut wahrgenommen. Auch sonst ziemlich viel zwischen Arzt und „Handauflegung“ probiert ;-). Nichts half so richtig.

Meine täglichen Begleiter & dehnen, dehnen, dehnen!

Irgendwann habe ich wieder Wettkämpfe bestritten. Ein paar Triathlons und gegen Jahresende 2018 ein paar Läufe. Ständiger Begleiter – das Ziehen im Bein und die Bewegungseinschränkung danach.

Lange konnte ich das wenige Lauftraining mit einer damals sehr guten Form kompensieren. Aber irgendwann klappte dies nicht mehr, und es geht mit der (Lauf)Leistung steil bergab. Alles konnte ich einfach mit Radfahren und Schwimmen nicht wettmachen. Und ich wollte es auch nicht, ich wollte laufen!! Ich war demotiviert weil nichts mehr ging. Ich verglich mich ständig mit meiner früheren Performance – und ihr könnt euch vorstellen – nicht gerade motivierend wenn man bei genau diesen Gedanken wie eine Schnecke durch die Gegend läuft.

Nach ein sehr langen Durststrecke ging es dann Mitte Februar 2019 doch etwas bergauf. Die ganzen Therapien schienen etwas Wirkung zu zeigen. Mein Ischias Nerv, bzw die Muskeln die diesen immer wieder festklemmten, entspannten sich. Ganz vorsichtig konnte ich meine Laufumfänge steigern. Es war schon genial mal wieder 10km zu laufen und nächsten Tag trotzdem sitzen und gehen zu können.

---> hier bitte weiterlesen wer das Zwischenstück ausgelassen hat <---

Nun zurück zu Paris :-) Wieso dann doch Marathon, also von Null auf Hundert?

Mitte Jänner kam die Info von unserm Community Manager Österreich, dass das 3.Internationale ASICS Frontrunner Meeting im April in Paris stattfinden würde. Natürlich, an dem Wochenende an dem in der Stadt der Liebe der Marathon über die Bühne ging.

Paris & Laufen & Eiffelturm :-) Foto by Nicolas Jacquemin

Da ich noch so wundervolle Erinnerungen an das 1. Internationale Meeting hatte bewarb ich mich kurzerhand für die Teilnahme in Paris und bekam tatsächlich einen Platz. Aber wie einen Marathon dort laufen? Keine Ahnung. Einfach zu der Zeit nicht vorstellbar.

Über den Marathon dachte ich gar nicht nach. Versuchte einfach wieder in den Tritt zu kommen und Ende März war dann sogar schon mal ein Lauf mit 24km drin. Eine Woche vor Paris lief ich dann in Wien den Halbmarathon. Das war es dann auch an Vorbereitung hinsichtlich langer Läufe. Definitiv nicht marathontauglich.

Aber ich freute mich auf Paris. Auf das Wochenende mit rund 130 ASICS Frontrunner - bunt gemischt aus ´zig Nationen. Es würde wieder ein Fest werden.

Ein Teil der Paris Truppe! Yes, we are ASICS Frontrunner! Foto by Teddy Morellec

Um von der Stadt schon einiges zu sehen, ging es bereits Mitte der Woche nach Paris. Schon am Morgen des Hinfluges merkte ich leichte Halsschmerzen. Oh, nein. Bitte nicht krank werden.

Pech gehabt. Es kamen noch Schnupfen, Erschöpfung und Husten dazu. So wurden die 3 Tage Sightseeing teils schon recht anstrengend. Um immer im Hinterkopf - Frontrunner-Weekend mit unzähligen tollen Aktivitäten und Laufen am Sonntag! Ich hielt mich über Wasser. Etwas schaumgebremst, aber es ging. Ich versuchte mir die Energie einzuteilen, schluckte verschiedene pflanzliche Tabletten und Tropfen. Samstagabend war ich mir dann nicht sicher, ob ich Sonntag laufen kann und soll! Und die Frage aller Fragen: War es wirklich sinnvoll? Ich hatte nichts trainiert, war kränklich, komme aus einer langen Verletzungszeit! Klares NEIN, es war nicht sinnvoll!! Der Kopf sagte NEIN, das Herz wollte laufen. Ich konnte es nicht ganz abhaken. Ich ließ es mir offen und vertagte die Entscheidung auf Sonntag früh.

Die Startunterlagen holte ich mir sicherheitshalber doch ab - ergab sich gut mit dem Sightseeing durch Paris.

Marathonexpo!

 RACEDAY:

Should I stay or should I run now??? Die Frage aller Fragen!

5:30 Uhr: Die Entscheidung viel auf, "ok ich werde starten“. Ich konnte und wollte mir die Atmosphäre vom größten Marathon in Europa (ca 60.000 Starter) nicht entgehen lassen. Und nicht nur das, auch weil so viele meiner ASICS Frontrunnerkollegen/innen ebenfalls am Start waren. Viele unterschiedliche Motivationen für diesen Tag. Soviel unterschiedliche Mentalitäten, Länder, Leistungslevels soviel Teamspirit. Nein ich konnte nicht im Bett bleiben. Ich werde starten. Genauso klar war mir aber auch, durch all den oben erwähnten Vorzeichen, den Marathon sicher nicht zu beenden. Sondern irgendwo bei 8-10km aussteigen, dort wo es geschickt ist um in die nächste Metro zu springen und retour zum Start zu fahren.

Guten Morgen Paris! Der Blick Richtung Start!

Bei knackigen 1 Grad machten wir uns um 6 Uhr morgens gemeinsam auf den Weg zum Start. Durch die perfekte Organisation des französischen Teams mussten wir uns um nichts kümmern. Wir wurden mit den Öffi´s zum Startbereich und direkt bis zum ASICS VIP Zelt im Eventgelände geguided. Also viel auch die sonst übliche Nervosität diesbezüglich (wie komme ich hin, wie lange dauert es, etc) weg.

Ich war noch immer unsicher. War ich nicht doch zu krank? Leistungsmässig gesehen ja sowieso kein Highlight. Wenn ich überhaupt laufe, dann nur sehr langsam! Bringt es das? Ich würde never ever auch nur annähernd auf Tempo und auf bisher erreichte Zeiten laufen können.

Dennoch machte ich’s mir im Zelt mal gemütlich und stärkte mich mit Snacks und warmen Getränken.

Pre-Marathon-Snaks im ASICS Vip Zelt

Es wurde getratscht, gelacht, getaped, mit Sticker beklebt und immer mehr Frontrunner schmiedeten Wettkampfpläne für Kleingruppen. Wer paced wen, wer schließt sich wo an und wer macht sein ganz eigenes Ding. So fand auch ich meine - wie sich später rausstelle - perfekte Marathoncrew. Sandra, Juliane, Inga und Sebi hatten rund 4 Stunden angepeilt. Sandra und Juliane waren auch etwas verletzt, Inga lief ihren ersten Marathon und ebenso Sebi. Zumindest auf der Straße. Er läuft sonst Trails. Weil keiner von uns wirklich fit war und sich nicht vorstellen konnte 42,195km zu laufen, war für jeden von uns der Ausstieg eine Option.

Perfekte Marathoncrew: Sebi, Inga, Juliane und Sandra. #oneteam

Es war zwar kalt, aber die Sonne schien. Es würden wohl recht gute Bedingungen werden. Gut gelaunt machten wir fünf uns auf den relativ weiten Weg zum Start. Vorbei am Triumphbogen direkt auf die Champs de Elysee. Die ganze Prachtstraße war voller Läufer/innen und daneben Massen an Zusehern. Der Wahnsinn. Wir reihten uns in unseren Block ein, der sich dann auch schon allmählich Richtung Start in Bewegung setzte.

Welch Kulisse!

Im ganzen Gewusel haben wir Sebi verloren. So mussten wir mal alleine starten, waren uns aber sicher, dass er vor uns sein musste. Also war es gleich mal nichts mit der gemütlichen Pace - nein, mal etwas auf´s Gas drücken um Sebi einholen. Nach 3km und 2x telefonieren wussten wir, dass Sebi hinter uns war. Also runter vom Gas, locker rollen lassen, bis Sebi da war. Von da an war dann wirklich eine solide Pace , welche für jeden von uns gut passte - angesagt. Als wir bei den ersten U-Bahnstationen vorbeikamen war der Gedanke aufzuhören nicht mal ansatzweise da. Uns ging es allen richtig gut. Immer wieder hörte ich aber in mich hinein, um zu prüfen ob es meinem Körper aufgrund der Erkältung eh nicht zu anstrengend war! Die Gesundheit war wertvoller als jedes zu erreichende Ziel. Aber es passte alles! Wir unterhielten uns über 1000 Dinge, lachen und auch kollektive Dixi-Stops waren ein Muss.

Der Spaß stand eindeutig im Vordergrund! Foto: Quentin Mahéas

Die Strecke war einfach schön und schon waren wir bei KM 15, dem vom Start am weitesten entfernten Punkt. Also von nun an ging es quasi schon wieder Richtung Ziel. Wir passierten die Halbmarathonmarke, wow, wir hatten tatsächlich schon die Hälfte geschafft und waren alle noch fit. Mein Fuß verhielt sich total ruhig. Kein Ziehen an der Oberschenkelrückseite! Yeah. Hatte ich die ganze Thematik nun wirklich hinter mir? Dieser Lichtblick zauberte mir ständig ein Lächeln ins Gesicht. Ab KM 23 wurde die Strecke so richtig toll, der Zeitpunkt ab dem man lange der Seine entlang und an Notre Dame, Museum d´Orsay und am Eiffelturm vorbei läuft. Eiffelturm = wir waren bei KM 30. Unglaublich.

Woran merkt man eigentlich, dass man mit Ultraläufer/innen unterwegs ist. Genau, es wird an jeder Verpflegungsstelle „halt" gemacht. Nein, nicht nur schnell für ein paar Schluck Wasser. Nein es musste immer Essbares sein. Trockenfrüchte, Bananen, Salzbrezeln, Kuchen, etc .

Ich sag’s euch, es war mein aller erster Wettbewerb überhaupt, an dem ich etwas gegessen habe. Aber da es bei diesem Marathon kein Iso oder Cola gab (ja richtig gelesen, nur Wasser und Berge an Zuckerwürfel), blieb mir auch nichts anderes übrig als mich mit fester Nahrung zu versorgen. Die ersten 5 VP´s war das auch kein Problem. Danach zeigte mir mein Magen schon, dass dies etwas ist, was er nicht gewohnt war! Also doch wieder nur Wasser.  

KM 35: langsam stellte sich schon etwas Müdigkeit ein und auch die Tatsache, das auch schöne Dinge im Leben mal zu Ende sein dürfen. :-) Aber hey, es waren nur noch 7km.

Sollte ich tatsächlich in etwas mehr als einer halben Stunde einen Marathon beenden können. Einfach unglaublich. Nach so langer Zeit ohne viel Training und komplett ohne KM-Umfänge.

Weit war es also nicht mehr bis ins Ziel, und bis zu einem totalen Highlight bei KM 41 - die große ASICS Cheeringzone. Dort wurde auch kurz getanzt und auf die etwas zurückgefallene Juliane & Sebi gewartet.

ASICS Cheeringzone! Stimmung pur!

Nur noch ein paar Schritte, und dann war sie tatsächlich da - die Finish Line des Paris Marathon. Meine Freude war einfach unglaublich groß. Wobei, eigentlich konnte ich noch gar nicht fassen, was hier gerade - bzw. in den letzten 4 Stunden passiert ist.

Bin ich tatsächlich einen Marathon gelaufen? Ja das bin ich! Und zwar den Langsamsten überhaupt seitdem ich Marathon laufe (4:03:xx Std). Aber eines weiß ich gewiss, so wie mein Bestzeitenmarathon Berlin 2016 (3:08:43 Std), gehört dieser Marathon definitiv zu den schönsten Erlebnissen überhaupt.

Finishline :-) We did it! Foto by Quentin Mahéas

Alleine hätte ich Paris sicherlich nicht beendet, wahrscheinlich sogar nicht mal gestartet. Aber mit meiner kleinen Marathoncrew und dem ganzen ASICS Event und ASICS Frontrunnern rundherum wurde Paris zu einem richtigen Höhenflug. Nein, nicht was die Laufzeit angeht, sondern zu fühlen, dass nicht nur schnelle Zeiten eine wundervolle Bereicherung sein können. Auch das gemeinsame Erlebnis als Team, den Genuss einer Sonntags-Longrun-Sightseeingtour mit ganz vielen Gleichgesinnten.

Habe mir früher nicht vorstellen können, dass ich trotz Startnummer am Bauch mal gemütlich und frei von jedem Zeitdruck einen Wettkampf bestreiten kann. Tja, scheint, als ob auch Verletzungen ihre positiven Seiten haben.

It is not always about time! Somtimes it is more than that.

#oneteam #winthelongrun #soundmindsoundbody #lovewhatido #marathonparis #asicsinternationalmeeting #paris #ASICSFrontRunnerAustria #loverunning

erstellt von
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Silvia Wührer

Büroangestellte von Zwettl

Altersklasse: W40

Verein: SC Zwickl Zwettl, RC Raiba Kosmopiloten Zwettl

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