Den Namen „Dieter Baumann“ werden einige überzeugte Läuferkollegen sicher kennen. Er war einer der wenigen deutschen Olympiasieger auf der Bahn und ist Rekordhalter über 5000 und 10000 m. Eben jener wurde einst gefragt, was er vom Dehnen vor oder nach dem Lauf halte. Seine zugegebenermaßen leicht zynische Antwort war: „Haben Sie etwa schon mal ein Rennpferd stretchen sehen?“

Diese Antwort kommt mir immer in den Sinn, wenn mich die Kinder meiner Leichtathletikgruppe fragen, weshalb wir uns vor dem Training immer dehnen würden (sie finden nämlich Dehnen schrecklich langweilig, was ich ihnen nicht einmal verdenken kann). Obwohl ich sogar eine C-Trainerlizenz vorweisen kann, hegte ich nur einen vagen Verdacht und nahm mir vor, mich im Rahmen dieser Kolumne direkt mal auf die Recherche zu begeben, um einen eventuellen Mythos aufzudecken.

Baumann wollte wohl implizit ausdrücken, dass Rennpferde dies natürlich nicht tun, also brauchen wir Läufer es auch nicht zu tun. Tatsächlich war ich als Kind mehrmals bei der Galopprennstrecke der Rennpferde in Daglfing und konnte mich tatsächlich nicht erinnern, ein Pferd stretchen gesehen zu haben. Übrigens lief, soweit ich mich erinnere, auch kein Pferd mit Pulsgurt, extravaganter Laufuhr oder überdimensionalem Nasenpflaster, was vielleicht manchen Läufer an der Startlinie seine diversen Laufgadgets noch einmal überdenken lassen sollte (braucht es dies alles wirklich?). Aber diesem Thema widmen wir uns an anderer Stelle.

Zurück zum Stretching: Für euch habe ich recherchiert und tatsächlich herausgefunden, dass sich Pferde zum Beispiel morgens nach einer langen Nacht im Stall dehnen. Auch Hunde und Katzen recken sich nach dem Ausruhen und zum Beispiel auch ein Löwe stretcht sich, bevor er sich auf die Jagd macht. Auch mein Hund reckt die Pfoten nach vorne und macht den Rücken lang, sobald ich mit der Hundeleine vor seiner Nase herumwedele. Ein Biologe würde zum Dehnen vor dem Lauf also durchaus raten.

Es existieren allerdings heutzutage ebenfalls Studien zum Thema „Dehnen“, die bestätigen, dass Dehnen keine Nachteile, allerdings auch keine nennenswerten Vorteile bezüglich der Leistungssteigerung mit sich bringt. Der Olympiasieger äußert sich heute zu seiner Aussage von damals, dass dies wohl jeder für sich entscheiden müsse – manche Athleten finden Dehnen durchaus gut.

Da ich wie meine Leichtathletikkinder kein besonderer Freund des Dehnens bin und zudem nicht sonderlich beweglich, dehne ich mich im Moment ab und an a bisserl vor dem Fernseher. Auch wenn es mich vielleicht nicht unbedingt schneller macht, trägt es mit Sicherheit zu mehr Mobilität und zur Prophylaxe von Verletzungen bei. Getreu dem Motto: Schaden kann es ja auch nicht!

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Dehnen und schöne Läufe! Eine schöne Woche!

erstellt von
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Marina Rappold

Grundschullehrerin von München

Altersklasse: 23
Verein: LG Telis Finanz Regensburg
Trainer: Markus Guetzlaff

Meine Disziplinen
Halbmarathon 10 Kilometer

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