Es war ganz schön dünn mit den Wettkämpfen in diesem Frühjahr. Genauer gesagt, null Komma nix! Das war für jeden gleich. Jedoch hat sich ASICS zusammen mit der Runnkeeper-App hier etwas ganz Besonderes einfallen gelassen. Ein virtueller Wettkampf über die Distanz unserer Wahl, 5km,10km, Halbmarathon oder Marathon. Das Ganze frei wählbar über das Pfingstwochenende. Klar, dass ich hier mit am Start bin. Natürlich auf der Längsten, der Marathondistanz.


Viele fragen mich, was ich eigentlich für eine Marathon-PB habe. Seit Oktober 2019 kann ich auch mit 2:36:36h darauf antworten. Das war beim Frankfurtmarathon und es lief keineswegs ideal. Die Vorbereitung nahm ich ziemlich locker und somit auch deutlich unprofessionell. Auch dieses Mal hatte ich durch die eigentliche Vorbereitung auf die bergigen Ultratrails, die dann doch ins Spätjahr verschoben wurden, keine richtig spezifische Vorbereitung. Doch allgemein gesehen war meine Form doch sehr gut. Die vielen längeren Läufe mit Tien-Fung für seine Tokyo-Quali, der Ein oder Andere Trainingslauf in zügigem Tempo weit jenseits der 30km und die schnelleren, flachen Intervalle, die es doch ab und zu mal gab, müssen es richten. Sicherlich findet alles nur virtuell, gesteuert über die App statt. Also ist es doch noch ein Stück entfernt von einem echten Wettkampf mit der Konkurrenz in unmittelbarer Nähe. Aber, ich darf es vorwegnehmen, es ist die beste Aktion überhaupt in diesem Frühjahr.

Ziel war es also unter meine PB zu laufen und das mit Hilfe des pfeilschnellen ASICS #METASPEEDSKY, eine komplette Neuentwicklung mit Carbonplatte, kompromisslos auf Speed getrimmt.

Es bleibt also nur wenig Zeit etwas zu organisieren. Es soll so unkompliziert wie möglich ablaufen. Die Streckenwahl fällt somit auf das Lautertal. Start am Bahnhof in Otterbach, ein Stück Richtung Kaiserslautern mit Wende am Engelshof. Dann durch das komplette Lautertal bis kurz vor Wolfstein und wieder zurück. In Hirschorn ein kurzer Abstecher Richtung Peifermühle, auf halber Höhe wieder Wende und dann das Ganze wieder zurück zum Bahnhof. Wenn ich hier bei meiner Pi mal Daumen-Kalkulation nicht vollkommen falsch liege dürfte es hier mit der Distanz ungefähr passen. Ich muss mich ohnehin danach richten, was die App bzw. das GPS anzeigen.

Kurzerhand finde ich auch noch einige Radbegleiter*innen, welche gern dabei sein würden. Das ist auch extrem wichtig, denn die Versorgung mit Getränken und Gels muss auf jeden Fall gewährleistet sein. Ich plane also für den Pfingstsonntag, hier ist mit dem wenigsten Verkehr zu rechnen. Da das Projekt überwiegend auf einer Bundesstraße stattfindet und ich häufig vom Radweg auf die Straße wechseln muss, ist die Begleitung ebenfalls sehr wichtig, um mir den Rücken frei zu halten.

Sonntagmorgen 8h, Bahnhof Otterbach:

Alle sind da, die Begleitung steht, inclusive meiner Familie mit dem kleinen Auto und der zweiten Flasche. Nach dem Warm Up auf dem Weg geht es pünktlich los. Die Straße ist frei und die drei Radbegleiter bilden eine sichere Abschirmung um mich. Alles ist flüssig. Penibel achte ich auf meine Herzfrequenz. Zu Beginn ist sie noch ziemlich niedrig, das ist sehr gut so. Jedoch ist die Pace deutlich höher als angedacht. Nach 3km ist auch schon die erste Wende an der Verkehrsinsel erreicht, sauber kurve ich herum und jage wieder nach Otterbach. Nun ist es an der Zeit, das erst Mal Getränke zu fassen. Vom Rad aus funktioniert das einwanfrei! (Danke Bea! ;-)). Tendenziell ist es nun leicht abschüssig und ich werde bis zum nächsten Wendepunkt vor Wolfstein noch gute 40hm verlieren. Darauf muss ich mich einstellen. Bloß nicht überziehen. Die Geschwindigkeit ist hoch, aber die körperliche Belastung absolut im Rahmen. Die 10km Marke in Katzweiler passiere ich bei 34:50min. Doch zum Zeitpunkt des Rennens habe ich keinerlei Blick für Zwischenzeiten. Mein Körper muss funktionieren. Der Rest ist Schicksal…

Die Halbmarathonmarke ist nach ca. 1:11h erreicht. Alles läuft Perfekt, Versorgung, Beine, Organismus…

Noch geht es tendenziell Bergab, doch das wird sich gleich ändern. Nach der nächsten Wende bei 23,2km muss ich nicht nur die ganzen Wellen wieder hoch, sondern mir drückt auch noch der Wind ins Gesicht. Mit diesem doch deutlichen Gegenwind hatte ich so nicht geplant. Meine Pace bleibt aber konstant. Nur die Herzfrequenz erhöht sich um wenige Schläge, doch damit habe ich absolut kalkuliert. Zwischen km28 und 32 schleicht sich ein leichtes Tief ein, auch das ist obligatorisch über diese Distanz. Meine Nahrungsaufnahme läuft weiterhin tadellos. Im Vorfeld machte ich mir doch einige Gedanken aufgrund meines doch empfindlichen Magens. In diesen Gedanken schlage ich mich von Welle zu Welle, von Radweg zu Straße und wieder zurück. Das hält mich mental Stabil: „Leicht hoch, dann wieder leicht runter!“, versuche ich mich über jede noch so kleine Abwechslung zu freuen.

Km32 ist erreicht! Wieder ein mentaler Wendepunkt: „Nur noch ein typischer Stadtlauf“, 10km bis zum Ziel. In Hrischhorn biegen wir nach Westen in Richtung Pfeifermühle ab. Oh, jetzt wird es hart, strammer, kontanter Westwind bläst mir entgegen. Das ist nun nochmals die Steigerung der Wiederstände. Erstmals fällt auch meine Pace deutlich unter die 3:35er Marke! Doch ehrlich gesagt, interessiert mich das nicht großartig, das war abzusehen. Gefühlt ist mein Polster auf meine bisherige PB sehr groß. Die HF ist weiterhin konstant im sicheren Bereich. Der nächste Wendepunkt ist endlich erreicht. Nun steht mir der Wind im Rücken. Das kann ich gut gebrauchen, Der Herzschlag sinkt wieder etwas. Zurück im Ort, 90 Grad rechts und wieder Wind von vorne, nicht so heftig, wie vor der Wende, aber deutlich. Nun ist es nur noch ein schlapper fünfer, das geht immer. Eingangs Katzweiler steht nun ein weiterer Scharfrichter an. Normalerweise, als bergfesten Läufer wie mich kein Problem, aber nach 39km am Anschlag kommen doch Zweifel. Logischerweise drossele ich hier das Tempo um nicht zu überziehen und die Belastung konstant zu halten. Das funktioniert so! Über die Kuppe läuft es flüssig in den Ort hinein. Durch meine konstante und ausgeklügelte Energieversorgung bleibe ich ohne jegliches Leistungsloch. Das dritte und letzte Gel nehme ich bei km39, zur Sicherheit. Nun schaue ich nicht mehr großartig auf die Uhr. Es folgen noch zwei kleinere Kuppen, die ich mit voller Konzentration überlaufe. Jetzt bin ich mir absolut sicher, dass es funktioniert. Um wirklich nochmals alles rauszuholen, fehlt mir jetzt ein direkter Gegner, aber lassen wir das mal so stehen. Ich ziehe das Handy hervor, auf dem die Runkeeper-App alles aufzeichnet. Hier sind bereits die 42,2km erreicht. Doch um sicher zu gehen, dass wirklich alles passt, halte ich das Tempo noch bis zum Ausgangspunkt am Bahnhof. Ziel erreicht!!! Zack, boom, Ende!!!

Nun habe ich drei GPS-Daten:

Strava: 42,49km, 2:27,24h Polar:42,65km, 2:27,23h Runkeeper: 43,00km 2:26,59h

Daten hin und her…

Die ganze Sache war inofiziell!

Jetzt ab nach Hause, Kaffee und Kuchen (und Bier) warten schon.

Aller besten Dank allen Helfern, Radbegleitern, Autobegleitern, Versorgungsfachleute, Wasserträgern, Gelspeichern…

Ein Besonderer Dank geht an alle Autofahrer, die stets sauber überholt haben und absolute Toleranz zeigten, was so nicht unbedingt zu erwarten war!

Nun wird es Zeit für losen Untergrund, Trails und Höhenmeter…

…und etwas Radeln.

Das war genial!!!

erstellt von
portrait

Max Kirschbaum

Kfz-Technikermeister/ Serviceberater von Otterbach (Kaiserslautern)

Altersklasse: M 30
Verein: LG Ohmbachsee
Trainer: http://schork.sports-diagnostic.de/

Meine Disziplinen
Ultratrail