Was? Ich? Wirklich? New York Marathon? New York, ich komme!!

Ein gutes Jahr ist es nun her, dass ich den Entschluss gefasst habe meinen Traum vom New York Marathon wahr werden zu lassen. Schon jahrelang habe ich gesagt: „Einmal den New York Marathon laufen…das wäre ein Traum!“ Aber es war eben ein Traum…in weiter Ferne bis dahin…

Eine Woche nach meinen nicht ganz so erfolgreichen Marathon in Frankfurt lag ich ziemlich erkältet auf der Couch und schaute mir den New York Marathon im TV an…neben Shalane Flanagans Sieg beeindruckte mich die Stimmung an der Strecke und die vielen, vielen Teilnehmer, die sich ihren Weg durch die Schluchten New Yorks bahnten.

Und da war das Feuer wieder in mir entflammt: „Warum länger warten? Warum nicht nächstes Jahr auch dabei sein und Teil dieses Spektakels werden ?“ Nun nur noch schnell anmelden? So einfach war es leider nicht…die Anmeldung war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geöffnet. Also erstmal registrieren und sich für die Erinnerungsmail eintragen.

Als ich den Termin im Januar schon fast vergessen hatte, erinnerte mich die Mail im Posteingang daran, dass ich mich nun anmelden könne. Neben den allgemeinen Angaben zur Person, war der Beleg für die Qualifikationszeiten gefragt. Einmal alles zusammen gesucht, war die „Bewerbung“ schnell abgeschickt…und dann hiess es warten, warten, warten…Würde ich einen Startplatz bekommen?

Und dann, Anfang März, war sie plötzlich da, die lang ersehnte Mail: Congrats, Anna! You are officially in the New York City Marathon!

Was? Ich? Wirklich? New York Marathon?

New York, ich komme!!

Bald waren die Flüge und das Hotel gebucht und die Vorfreude, aber auch der Respekt stieg. Ich hatte mir zwar von Anfang an vorgenommen nicht auf Zeit zu laufen, sondern den Marathon und die Atmosphäre so gut wie möglich zu genießen, aber ein Marathon hat doch immer seine eigenen Gesetze und ich kannte New York auch noch nicht. Ich zweifelte etwas daran, ob ich mich dort zurecht finden würde.

Ende Oktober ging die Reise endlich los. Gleich am ersten Tag liefen mein Mann und ich eine Runde durch den Central Park…als ich den bereits aufgebauten Zielbereich und die vielen, vielen Läufer sah, die sich den letzten Streckenabschnitt anschauten, stieg meine Aufregung mehr und mehr.

Und dann trafen wir Anna Plinkes Familie – einige Monate zuvor hatten wir beim Asics Treffen herausgefunden, dass wir beide in New York laufen würden. Bisher war es nur eine Idee gewesen zusammen zu laufen...Wir beide waren schon richtig nervös und einigten uns darauf uns am Morgen im „Starterdorf“ zu treffen.

So konnte ich dann am Abend doch etwas beruhigter einschlafen – ich freute mich schon Anna vor dem Start zu treffen und dieses Erlebnis zumindest gemeinsam zu beginnen:-)

Die Nacht endete dann aber auch um 4.30 ziemlich früh. Mit meinem Frühstück und dicken Klamotten, machte ich mich schnell auf den Weg in Richtung 42th Street. Je näher ich dem Busbahnhof kam, desto mehr Läufer traf man mitten in der Nacht auf den New Yorker Straßen. Das war irgendwie schon ein ganz besonderes Gefühl…als würde New York an diesem Tag den Läufern gehören:-)

Nach mehreren Kontrollen saß ich schon bald im Bus nach Staten Island, wo sich der Start befand. Schneller als gedacht war ich im Starterdorf und ging zum vereinbarten Treffpunkt. Anna war aber nicht zu sehen, also suchte ich mir ein gemütliches Plätzchen und wartete auf sie. Langsam ging die Sonne auf, es waren kaum Wolken am Himmel, es schien perfektes Laufwetter zu geben. Allerdings machte ich mir etwas Sorgen, da Anna auch nach einer Stunde noch nicht zu sehen war. Hatte ich den Treffpunkt nicht richtig verstanden? Oder war Anna noch nicht da? Gar nicht so einfach ohne Handy;-) Also hieß es weiter warten und Ausschau halten, Menschen über Menschen strömten auf den Platz. Ohne dass sich die Leute untereinander kannten, schienen alle eine Gemeinschaft zu sein. Und irgendwann entdeckte ich sie dann! „Anna, Anna, hallo Anna“, rief ich und lief schnell zu ihr.Da waren wir beide erleichtert!:-) Annas Bus hatte im Stau gestanden und war daher zuerst nicht über die Brücke nach Staten Island gekommen.

Aber nun konnte es losgehen! Zwar nicht wirklich eingelaufen, aber dafür gemeinsam, ging es auf die Verrazano-Narrows-Brücke. Wir schoben uns mit den anderen Läufer weiter und weiter in Richtung Start. Auch ein Mann mit Snowboard war unterwegs…auch wenn wir nicht genau wussten, wie man mit einem Snowboard einen Marathon läuft;-)

Plötzlich erklang die Nationalhymne, also wussten wir: Gleich geht es los! Wir hatten keinen schlechten Startplatz und konnten schon nach wenigen Sekunden loslaufen…aber erstmal ging es hoch und hoch, bis wir dann auf dem höchsten Punkt der Brücke mit einem einmaligen Blick auf die Stadt belohnt wurden. Aber da hatten wir gerade mal einen Kilometer geschafft! Es ging also die Brücke in Richtung Brooklyn wieder hinunter, dort wurden wir von Tausenden Menschen an den Straßenrändern begrüßt. So etwas hatte ich wirklich noch nie erlebt…wir beide, Anna und ich, waren ziemlich sprachlos. Trotzdem oder vllt gerade deshalb fanden wir unseren Rhythmus und liefen Kilometer für Kilometer Seite an Seite. Immer wieder spielten Bands, die Menschen jubelten uns zu und riefen sogar: „Go Frontrunners, go girls, you are very strong!“ Ich versuchte alles um mich herum aufzunehmen, denn die Stimmung war wirklich einzigartig!

Anna und ich fanden schnell eine Aufgabenteilung: Anna gab mir Gel ab, ich war für das Getränke holen zuständig. Da die Becher meist eher weniger als mehr gefüllt waren, nahm ich an jeder Getränkestation so viele Becher wie möglich, was sicher ziemlich komisch ausgesehen haben muss…aber immerhin waren wir versorgt;-)

Nach einer der zahlreichen Brücken, die zu laufen waren, fragten wir uns gegenseitig: „Willst du schneller laufen?“ „Nein!“ – Da waren wir uns sofort einig,.Wir wollten den Lauf geniessen und nun auch gemeinsam ins Ziel bringen.

Dann kam der letzte lange Berg hinauf zum Central Park (der kann schon richtig weh tun). Oben angekommen, ging es noch 5km durch den Central Park bis zum Ziel. Die Stimmung dort war wieder gigantisch. Die Begeisterung der Zuschauer zu spüren, sorgte wahrscheinlich bei uns beiden für Gänsehaut. Auf den letzten Metern ins Ziel ließen wir uns dann feiern. Mal eine La-Ola-Welle zu starten, war schon ganz cool;-)

Und da waren wir, wir zwei zusammen im Ziel! Und das in 2:54!:-)

Das war ein unglaubliches Erlebnis, ich habe das Gefühl, ich hab die ganzen nächsten Tage nur noch gegrinst.

Danke an meinen lieben Mann für die tolle Unterstützung, vor und nach dem Lauf.

Und DANKE Anna für dieses unvergessliche, einmalige Erlebnis:-) Wir haben New York gemeinsam gerockt, das war unglaublich:-)

erstellt von
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Anna Starostzik

Logistik VW von Baunatal (Kassel)

Altersklasse: W30
Verein: Spiridon Frankfurt
Trainer: Udo Engelbrecht

Meine Disziplinen
Traillaufen Marathon 10 Kilometer Halbmarathon