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Es ist nie zu spät. Auch nicht dafür, einen Plan zu haben - zum Beispiel für einen Marathon.

Seit Oktober 2017 bin ich vergeben, zum ersten Mal in meinem Leben - an einen Plan für das Marathontraining. Wie das kam, lest ihr im ersten Teil des Blogs.

Seit etwa fünf Wochen spitzt sich das Training zu, besonders was die Intensitäten angeht. Mein nun fast 38-jähriger Körper mag das nicht immer. Und der Kadaver wartet auch sehnsüchtig darauf, dass der Trainingseffekt einschlägt. Daran japst übrigens auch der Kopf, denn ausschalten kann ich den erstaunlicher Weise sehr viel schlechter bei diesen intensiven Einheiten. Und das war auch mal anders.

Gut ist: ich bin noch dabei! Auch gut: ich schaffe den Plan. Manchmal zwar nur irgendwie, aber egal.

Eingestellt haben sich auch bereits einige Lerneffekte. Nummer 1: nicht prokrastinieren! Mache die harten Einheiten möglichst NICHT nach 10 Stunden im Büro! Schiebe den 35er am Wochenende NICHT auf den Sonntag, nicht einmal auf Samstagnachmittag! Nummer 2: ausruhen! Schlafe ein wenig mehr! Beispiel Nummer 3: Tempoangaben einhalten! Das passt gut zu Punkt 2, denn hier geht es inbesondere um die ruhigen Einheiten, bei denen man sich unbedingt bremsen sollte - der Körper wird es einem danken bzw. sich rächen, wenn man statt Kompensation lieber "Wohlfühltempo" joggt.

Besonders aufgefallen sind mir in den letzten Wochen aber nicht diese Lerneffekte sondern zwei beherrschende Gefühle, die mich zuverlässig während und sogar zwischen den Trainings begleiten: 1. Lampenfieber. Und 2.: Wut. Lasst mich zunächst letzteres beschreiben. Normalerweise dient mir die Lauferei als Ventil. Stress auf Arbeit: Laufen! Stress mit Menschen: Laufen! Wut auf die Welt im Allgemeinen: Laufen! Doch seit es diese Tempodauerläufe und - vor allem auch - diese wachsenden Kilometer Endbeschleunigung gibt in meinem Leben, schlägt das Laufen zurück. Denn manchmal werde ich so wütend bei diesen Einheiten, dass ich am liebsten (und wenn ich noch die Energie hätte) mit der Axt durch den Wald oder für mindestens zehn Runden in einen Vollkontakt-Boxring steigen würde. Wütend werde ich ganz besonders bei Gegenwind. Oder, wenn GENAU BEI BEGINN DER EB ein Hügel anfängt. Oder wenn es exakt mit Beginn des langen Laufes zu hageln beginnt. Oder die Beine nicht wollen. Oder mir das Gel zu allem Überfluss den Hals runterläuft und ich 20 km verklebt rumlaufe. Zuletzt war ich am vergangenen Wochenende wütend, beim Berliner Habmarathon - da war es auf EINMAL SEHR WARM. Und wenn es mal nicht warm war zum Beispiel in den hohen Häuserschatten meiner Hausstrecke, dann kam der Wind in steifen Böen von vorn, grrrrrrrrr. Das Tempogefühl war also dahin. Aber ich schlage zurück. Meine Ventile gegen die Lauf-Wut. Laut fluchen, sehr laut! Und: K.O. sein. Auch beliebt: Den Coach aka Freund anjammern. Was auch immer hilft: An Julia denken, für Julia laufen. Und weitermachen.

Kommen wir noch kurz zum Lampenfieber. Wettkampfaufgeregt bin ich, seit ich laufe. Sehr sogar manchmal. Aber was ich bisher nicht kannte, war Trainingslampenfieber. Aber das hängt wahrscheinlich mit der Wut zusammen. Oder damit, dass es aktuell oft so anstrengend ist. Vergleichbar ist das Lampenfieber mit einem "esistschonwiedermontagundichwillnichtzurarbeit"-Gefühl (das ich gar nicht so kenne, mir aber oft davon berichtet wird). Ein wenig aufgeregt also, ein wenig widerwillig. Und wenn man dann dabei ist, geht es dann meistens doch ganz gut. Oder die Wut kommt zumindest und verscheucht die fiesen Schmetterlinge im Bauch.

Alles in allem frage ich mich oft, warum Leute dieses Marathontraining Jahr nach Jahr nach Jahr immer wieder durchziehen. Leute, es gibt Ultras! Trail! Ironman! Bubbleball! Doch irgendwie - und das kam mir in den Sinn nachdem ich dann beim Halbmarathontest neue Bestzeit lief aus dem vollen Training heraus - stelle ich mir vor, dass die ganzen Greif-Jünger davon fasziniert sind, zu sehen, was man so alles aus Kadaver und Kopf rauskitzeln kann. Und das gelingt sicher auch noch besser, wenn man den ersten Marathonplan-Schock überwunden hat. Und fatalerweise und mit diesem ganzen Post-Sauerstoffmangel-Hirn denkt: Mensch, irgendwie war das doch geil. In der Phase bin ich noch nicht. Im Moment beobachte ich gespannt, ob er mich 'macht' oder 'bricht', dieser Plan. Noch dreieinhalb Wochen bis zum Salzburg Marathon.

#fürjulia


erstellt von
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Joyce Moewius

Pressesprecherin aus Berlin

Altersklasse: W35

Verein: A3K-Berlin

Trainer: Me, Myself and I

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