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Ist es nicht komisch, dass wir am wenigsten darüber reden, worüber wir eigentlich am meisten nachdenken?

Ich habe ehrlichgesagt lange darüber nachgedacht, ob ich den Beitrag in dieser Art und Weise überhaupt schreiben soll. Das gezeigte Videomaterial zeigt zum Teil erschreckende Aufnehmen die verdeutlichen in welchem Zustand ich mich damals befand. Ich erhoffe mir mit diesem Beitrag Menschen helfen zu können, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Genau dieser Grund hat mich auch dazu bewegt diesen Beitrag nun zu veröffentlichen. 

Fünf Jahre sind eine lange Zeit, in der ich oft zurückblickte und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Nachfolgendes ist mir genau in dieser Art wiederfahren und es sind meine persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen. Ich versuche dabei niemanden persönlich anzugreifen oder meine Eindrücke zu pauschalisieren.

Wie alles begann...

In den Wochen vor dem 16.08.2014 bemerkte ich erstmals, dass mein Körper zunehmend verrückt spielte. Ich fing an alles was mir nicht „normal“ vorkam in einer Art Tagebuch festzuhalten. Leichte, pulsierende Zuckungen in den Armen und im Nacken die völlig ohne erkennbares Muster kamen und gingen. Mein rechter Arm hing während des Gehens zeitweise ohne jegliche Bewegung an mir herunter, fast so als würde er nicht zu mir gehören. Hinzu kamen Symptome wie leichter Schwindel, Kopfschmerzen, schlagartige Müdigkeit und zum späteren Zeitpunkt eine leichte Sehunschärfe. Das beunruhigte mich zunehmend. Keine Ahnung warum, aber ich fing an meine Symptome zu „googlen“ statt den Weg zum Arzt zu nehmen. Dummer Fehler!! Wenn du bei Google nach Symptomen suchst, stehst du ja quasi schon mit einem Bein im Grab und die Unsicherheit verstärkt sich um ein vielfaches.

Am besagten Tag fuhr ich mit meinem Vater nach Dortmund. Er wollte sich dort ein Auto kaufen und ich sollte als Unterstützung mitfahren. Schon während der Fahrt dort hin überkamen mich wieder leichte Zuckungen im Nacken und im rechten Arm. Durch einen kurzen Schlaf versuchte ich etwas Ablenkung zu finden. Als wir dort ankamen, schien erst mal alles wieder normal zu sein. Doch als wir nach einer kurzen Probefahrt wieder im Büro des Verkäufers saßen überkam mich plötzlich ein merkwürdiges Gefühl (Aura). Ich stand auf, entschuldigte mich, und verlies dass Büro um mich draußen im Wartebereich hinzusetzen. Dort fingen die Zuckungen erneut an, nur eben stärker wie bislang. Jeglicher Versuch diese zu unterdrücken misslang. Ich stand auf um etwas zu gehen, doch genau das viel mir extrem schwer. Ich hatte keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit und so schlich ich eher als zu gehen. Ich ging raus an die frische Luft und wurde immer nervöser, hatte Angst. - Was passiert mit mir?? - Mein Vater hatte in der Zwischenzeit den Kaufvertrag unterschrieben und es sollte endlich wieder zurück Richtung Heimat gehen. Während er noch eine letzte Einweisung bekam, nahm ich schon mal unbemerkt im neuen Auto platz. Unweigerlich bemerkte mein Vater, dass mit mir etwas nicht stimmte. Ich sagte er solle sich keine Sorgen machen und einfach losfahren, dass habe ich öfter schon gehabt. Das dieser Anfall aber stärker wie bislang war sagte ich ihm anfangs nicht. Er haderte damit loszufahren und als die Zuckungen stärker wurden, überkam ihn die Panik und er rannte gerade Wegs zurück ins Autohaus um Hilfe zu holen. Ich kann mich ab diesem Zeitpunkt nur noch daran erinnern, dass irgendwann ein Rettungswagen eintraf und ich dem behandelten Notarzt mein Handy in die Hand drückte und ihm nahelegte meine Notizen durchzulesen,, diese könnten ihm vielleicht helfen. Danach bekam ich eine Spritze und ich wachte erst wieder im Krankenhaus auf. 

Auf der Intensivstation machte ich kurz meine Augen auf. Trotz starker Beruhigungsmittel fing mein Körper immer wieder an zu zucken. Ich wechselte mit dem behandelnden Arzt ein paar wenige Worte bevor ich völlig erschöpft wieder einschlief. In den nachfolgenden Tagen wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, allesamt ohne Befund. Ein MRT konnte aufgrund meiner anhaltenden Zuckungen nicht gemacht werden. Am Tag meiner Entlassung kam dann der erste positive Hoffnungsschimmer. Ich fand heraus, dass wenn ich meine Fingerspitzen aneinander reibe, die Zuckungen schlagartig unterdrückt wurden. Bei Übergabe meiner Entlassungspapiere teilte ich dem Arzt meine neue Erkenntnis mit. Dieser schien aber völlig unbeeindruckt und konnte sich das nicht erklären. Er entließ mich mit dem Satz „Herr Laake wir konnten bei den Untersuchungen nichts feststellen. Sie sind nach derzeitigem Stand gesund und ich lege ihnen nah eine psychosomatische Behandlung in Angriff zu nehmen.“ Einen MRT-Termin sollte ich zu gegebener Zeit nachholen, wenn meine Zuckungen nachgelassen haben. Ich war baff. Ich lag vor ihm, zappelte mir einen ab, konnte nicht wirklich gut laufen und er sagt mir ernsthaft ins Gesicht ich sei gesund. Das musste ich erst mal verdauen. Die Videos zeigen mich im Krankenhaus und kurz nach der Entlassung auf dem Weg zum Auto.


Die nachfolgenden fünf Monate verbrachte ich damit von Arzt zu Arzt zu fahren. Alle Untersuchungen die in diesem Zeitraum durchgeführt wurden, blieben ohne jegliche Erkenntnis darüber was mir fehlte. Arbeiten konnte ich in dieser Zeit nicht wirklich und somit stieg der existenzielle Druck immer mehr an. Schließlich hatte ich eine Familie mit drei kleinen Kindern zu versorgen. Die Arbeit in der gemeinsamen Firma blieb an meinem Bruder hängen, der das Geld für uns beide verdienen musste. Eine enorme Belastung für beide Seiten, die unter diesen Umständen auch nicht mehr lang standhalten konnte. Und ganz nebenbei bauten wir gerade ein Haus. Alle Ärzte waren sich einig, ich habe zu viel Stress und solle etwas kürzer treten. Ein Neurologe deklarierte mich sogar als Simulant und meinte ich hätte mir das alles aus irgendwelchen Filmen abgeschaut und würde ihm etwas vorspielen. Ein weiterer Arzt pumpe mich mit starken Beruhigungsmitteln zu, die zwar die Auswirkungen eindämmten, aber nicht die Ursache löste. Auf der einen Seite war ich zwar froh darüber, dass die Zuckungen endlich aufhörten, auf der anderen Seite hatte ich das Problem das der Wirkstoff meinem Körper nach kurzer Behandlung nicht mehr ausreichte. In diesem Zusammenhang tauchte auch erstmals der Begriff „Myoklonie“ auf. Als Myoklonie bezeichnet man eine spontan auftretende Muskelzuckung. Die Behandlung brach ich aus eigenem Interesse an meiner Gesundheit ab, da ich durch die Einnahme der Medikamente ein aggressives und energiegeladenes Verhalten aufwies. Das war ein Zustand, den ich meinem Umfeld nicht zumuten wollte. Circa eine Woche hat mein Körper benötigt um wieder auf einem „normalen“ Level zu stehen! Ich zog mich immer mehr zurück. Nach außen täuschte ich immer die Zuversicht vor, dass alles gut werden würde und nutze die Momente in denen ich allein war um mich auf gut deutsch „auszuheulen“. Langsam fing ich an das Geschwafel der Ärzte zu glauben und nahm erste Kontakte mit diversen psychosomatischen Kliniken auf, bei denen ich mich auch persönlich vorstellte. Hatte ich wirklich zu viel Stress?? So ganz wollte ich es nicht war haben. Am 16.12.2014 kam der Schock. Ich spürte, dass sich etwas anbahnte. Da war sie wieder diese Aura. Ich schaffte es gerade noch mich auf die Couch zu legen, bevor ich einen schweren Anfall bekam, der dem einer Epilepsie ähnelte (siehe nachfolgendes Video).

Ich sagte meiner damals 9-jährigen Tochter sie solle sich mein Handy schnappen und das ganze auf Video aufnehmen. Circa zwei Minuten dauerte dieser Anfall an, bei dem ich bei vollem Bewusstsein war. Mein Körper machte sich eigenständig und jeglicher Versuch dagegen anzukämpfen blieb erfolglos. Schmerzen hatte ich dabei nicht. Was blieb waren die Gedanken wie es weitergehen soll. Werde ich je wieder ein geregeltes Leben führen können. Kann ich irgendwann wieder bedenkenlos mit meinen Kindern spielen? Was wird aus unserer Firma und dem Haus? In den nächsten Tagen folgten 2 weitere Anfälle dieser Art (24.12. und 26.12.) was dazu führte, dass ich für weitere Untersuchungen erneut in ein Krankenhaus musste. Eine Woche wurde ich von oben bis unten untersucht und ich war mir sicher dieses mal würden sie etwas finden. Doch erneut hieß es „Herr Laake, sie sind gesund!“ Und wieder dieses psychosomatische Gelaber. Ich konnte es nicht mehr hören und ich wollte es auch nicht mehr hören!! Auf der Heimfahrt entschloss ich einen anderen Versuch zu starten. Ich hatte von einem Bekannten den Tipp bekommen, mich mal bei seiner Heilpraktikerin vorzustellen. Sie praktiziert "Wirbeltherpie nach Dieter Dorn" und hatte ihm auch schon bei Dingen helfen können, bei denen die Ärzte meinten es sei nur durch eine Operation zu behandeln. Noch im Auto rief ich sie an und schilderte mein Problem. Sie war sehr optimistisch mir helfen zu können und ich bekam auf Grund der schwere meines Krankheitsverlaufes sofort am nächsten Tag einen Termin bei ihr. Da ich laut meinem behandelnden Arzt nach dem Anfall vom 16.12., kein Auto mehr fahren durfte, fuhr mich meine Mutter am 12.01.2015 zu Frau Van de Loo nach Hergershausen. Ich schreibe bewusst das Datum dazu, da sich diese Ereignisse so in meinen Kopf gebrannt haben, dass ich sie nicht wieder vergessen werde. Wir fingen mit einem Ausführlichen Gespräch an. Ich erzähle ihr alles was ich auch schon den vielen Ärzten erzählte und zeigte ihr diverses Videomaterial. Sie war geschockt. So etwas habe sie noch nicht gesehen. Und so starteten wir langsam mit der Behandlung. Sie hatte bereits im Vorfeld eine Vermutung. Als erstes kontrollierte sie die Beinlängen und das Becken bevor sie sich im Anschluss daran die Wirbelsäule vornahm. Vorsichtig tastete Sie alles ab und zeigte mir durch leichten Druck wo etwas verschoben sei. Und das war nicht gerade wenig. Die Behandlung war für mich sehr kräftezehrend. Und mir wurde schlecht. Sie beschloss nach Behandlung der Halswirbel eine Pause einzulegen und die Behandlung in einer Folgesitzung weiterzuführen. Und ihr werdet es jetzt wahrscheinlich nicht glauben, aber die Zuckungen waren bereits nach der ersten Behandlung schlagartig weg. Als Übeltäter erwies sich insbesondere der 1. Halswirbel (Atlaswirbel). Ich konnte es nicht fassen. Fast ein halbes Jahr litt ich an Myoklonien die sich keiner meiner behandelnden Ärzte erklären konnte und nun war ich bereits nach 75 Minuten von alldem befreit. Ich stelle mir noch immer die Frage warum war keiner der Ärzte in der Lage so etwas derart Simples festzustellen. Zumal jeder wusste, dass ich mir in der Vergangenheit auf dem Trampolin bereits ein paar Halswirbel gestaucht habe und auch nach einem Autounfall nie wirklich genauer untersucht wurde. Alles Informationen die den Ärzten vorlagen. Man nimmt mir es hoffentlich nicht übel, das sich bei mir durch dieses Ereignis ein gestörtes Verhältnis zu Ärzten aufgebaut hat. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich Ärzte teilweise, entschuldigt meine Wortwahl, einen Scheiß um deine Gesundheit kümmern. Lieber wird durch teure Untersuchungsmethoden satt abkassiert statt durch einfache Methoden an der Basis des Patienten zu arbeiten, oder sich vielmehr mit dem Patienten genauer zu befassen statt immer nur ein Standardschema abzuarbeiten das man irgendwo zu Studentenzeiten vermittelt bekommen hat. Ist es nur mein Eindruck, oder läuft an dem System etwas gewaltig schief? Ich möchte mir gar nicht ausmahlen wie viele Menschen dort draußen vielleicht sogar mit gleichen oder ähnlichen Symptomen falsch behandelt werden. Ist es nicht langsam an der Zeit miteinander statt gegeneinander zu arbeiten? Wir alle können gegenseitig von einander lernen wenn wir es schaffen über unseren Tellerrand hinauszuschauen, neue Informationen/Kenntnisse anzunehmen und Fehler einzugestehen!

So merkwürdig es klingt, letztendlich bin ich froh darüber diese Erfahrung gemacht zu haben, auch wenn ich fünf Jahre danach, noch immer schweißgebadet aufwache, weil mich die Vergangenheit nicht loslässt. Ich habe dadurch eine völlig andere Sicht aufs Leben erhalten und dafür bin ich dankbar. Ich versuche mit allem bewusster umzugehen und genieße die wenige Zeit die einem im Leben bleibt. Ich habe dadurch den Laufsport für mich entdeckt und nutze ihn mittlerweile als perfekten Ausgleich zum Beruf. Einfach die Schuhe anziehen, raus gehen, abschalten und die Natur genießen. Ich bin dadurch selbstbewusster geworden und seit 2017 ein Teil der ASICS-Frontrunner Familie. Gemeinsam teilen wir unsere Erfahrungen mit der ganzen Welt und bewegen nicht nur uns, sondern motivieren auch unser Umfeld sich zu bewegen und ein gesünderes Leben zu führen. Ich bin wieder vollkommen gesund, achte nun mehr auf meinen Körper und lasse mich regelmäßig durchchecken bzw. richten. Mit der "Wirbeltherapie nach Dieter Dorn" habe ich eine Behandlungsmethode gefunden der ich aus eigener Erfahrung voll und ganz vertrauen kann.

Ich hoffe, dass ich mit diesen Zeilen die richtigen Menschen erreichen konnte. Bitte teilt diesen Beitrag und schreibt mir eure Erfahrungen als Kommentar unter den Bericht.

erstellt von
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Stefan Laake

Fliesenleger von Lützelbach

Altersklasse: M-35

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