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Oder: Warum Laufen Therapie für Körper und Geist ist!

Was hat der dicke Winston Churchill mit diesem Zitat wohl gemeint, das so viele als trendiges Wandtattoo in ihren Wohnzimmern haben? „Man muss dem Körper Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Vielleicht dachte er an gutes Essen oder eine ordentliche Cohiba. Ziemlich sicher aber nicht an sportliche Betätigung in Laufschuhen. Denn er soll angeblich auch gesagt haben: „No sports!“, als er gefragt wurde, wie er denn so alt geworden sei. Seine Fettleber und Tabaksucht sprechen eindeutig dagegen. Kaum jemand weiß, dass dieses Zitat schon viel älter ist und von einer Frau stammt. Und zwar von: Teresa von Ávila! Sie lebte bereits von 1515 bis 1582! Kennt kein Mensch, es sei denn er interessiert sich für katholische Heilige. Teresa dürfte ebenfalls eher weniger an Sport im heutigen Sinne gedacht haben. Und noch früher, nämlich vor fast 2000 Jahren, hat ein römischer Satiriker ziemlich schlau erkannt: „Mens sana in corpore sano.“ Was so viel heißt wie „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. Vielleicht war er ja sportlich, dieser antike Schreiberling, und wusste schon damals, wie positiv sich Bewegung auf das Wohlbefinden auswirkt?!

1977 hat sich dann eine uns allen bekannte Schuhmarke genau diese Überzeugung als Namen gegeben: ASICS ( AnimaSanaInCorporeSano). Ob man vor gut 40 Jahren schon geahnt hat, welche Bedeutung dieser Satz in unserer heutigen hektischen und von Bewegungsarmut dominierten Zeit haben würde, in der Menschen Bücher mit Titeln wie „Sitzen ist das neue Rauchen“ oder „Wer länger sitzt ist früher tot“ schreiben?! Oder dass wir im Durchschnitt 12 Stunden täglich sitzend verbringen (im Büro, im Auto, am Esstisch, vor der Glotze, auf dem Klo) und uns viel zu wenig bewegen??? 

Vermutlich nicht! Damals war Laufen den Männern, insbesondere den Profis vorbehalten. Als „Jogger“ wurde man als Spinner bezeichnet und nicht ernst genommen oder von der Polizei angehalten, weil sie einen für einen Kriminellen auf der Flucht hielt. Unvorstellbar aber wahr: In den 60ern war das Marathonlaufen für Frauen sogar noch verboten. Laufende Frauen galten als nicht schön anzusehen. 1967 wurde dann aber die Schweizerin Kathrine Switzer zur Ikone der laufenden Frauen, als sie den Boston Marathon einfach illegal mitlief. Und: Sie sah dabei ganz WUNDERBAR aus!!! Selbst als die Rennleitung versuchte, sie aufzuhalten und sie dabei fast stürzte, rannte Kathrine weiter. 

Erst in den 80er Jahren wurde aus dem Laufsport eine globale Trendsportart. 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles durften dann auch das erste Mal Frauen offiziell an einem Marathon-Wettkampf teilnehmen. Heute ist Laufen das Natürlichste der Welt. Ob Mann oder Frau, jung oder alt, dick oder dünn - jeder darf laufen und an Rennen teilnehmen. Und das tun die Deutschen auch sehr fleißig! 2018 haben fast 60.000 LäuferInnen bei 245 Marathons die Ziellinie überquert. 60.000 Menschen, die in Laufschuhen ihrem Körper Gutes tun wollen, damit ihr Geist gern darin wohnt. Studien zeigen tatsächlich: Läufer sind glücklicher und zufriedener als inaktive Menschen. Sie fühlen sich wohler in ihrem Körper und das pusht das Selbstbewusstsein. 

Für mich ist Laufen noch so viel MEHR. Als ich vor gut neun Jahren damit begann, hat es mich zuerst davor bewahrt, mein Knie operieren lassen zu müssen. Aus einer therapeutischen Maßnahme wurde dann mit der Zeit eine Leidenschaft und sogar kleine Sucht. Laufen - am liebsten täglich, im Winter oder Sommer, allein oder im Team - egal! Hauptsache Laufen... Und inzwischen ist es für mich besser als jede Therapie. Ich bin ehrlich: Der Alltag mit drei kleinen Kindern bringt mich doch des Öfteren an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Ich fühle mich dann leer, müde und kraftlos. Der Alltag frisst mich einfach auf. Sobald ich aber in meine Laufschuhe schlüpfe und los renne, kommen Lebensfreude und Energie schlagartig zurück. Laufen ist für mich Luxus, weil ich es kann und darf. Es ist wie Wellness und die beste Art, Zeit mit mir selbst zu verbringen. Meine Laufschuhe sind wie zwei kleine Therapeuten, die meinem Körper Gutes tun, so dass mein Geist gern darin wohnt. Und dafür bin ich unheimlich dankbar! 

Bei meinem nächsten Marathon, den ich hoffentlich noch dieses Jahr in Frankfurt laufe, werde ich bestimmt an Winston und Kathrine denken. Und bestimmt sehe ich beim überqueren der Ziellinie genau so glücklich aus wie nach meinem ersten Marathon. Denn Laufen macht GLÜCKLICH!

erstellt von
portrait

Eva Eigelshoven

teacher von Hamburg

Altersklasse: W35

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