Zwischen Ungewissheit und tollen Highlights

Mein Laufjahr 2021 hat, wie vielleicht bei den meisten, eher zäh begonnen. Durch Corona waren keine Ziele in Aussicht und weitestgehend kein gemeinsames Training möglich.                                                   

Meine Hoffnung bestand noch darin, dass vielleicht doch die Deutschen Marathonmeisterschaften stattfinden könnten. So hab ich mich dann den einen oder anderen trüben, kalten und verschneiten Nachmittag/Abend doch zum Training aufgerafft und versucht das beste aus der Situation zu machen. Außerdem ist der Winter ja für die Grundlagen da, vielleicht würde es sich ja doch später im Jahr noch auszahlen.

Schon bald war klar, dass es mit den Deutschen Meisterschaften erstmal nichts werden würde. Dafür kam die Nachricht von Laufszene Sachsen, dass es in Dresden ein Event geben sollte. Mit unserer kleinen Trainingsgruppe klammerten wir uns an diesen „Strohhalm“ und begannen mit der Vorbereitung für den Halbmarathon bzw. 10km. Ich kann mich noch daran erinnern wie wir dann einige Wochen später auf dem Weg nach Dresden waren und immer noch nicht glauben konnten, dass wir am Sonntag an einer Startlinie stehen würden. Der Sonntag selbst war kalt und windig. Aber egal, wir waren froh und dankbar über die Möglichkeiten laufen zu dürfen. Mit meinem Ergebnis von 1:18:25 war ich dann auch super zufrieden, auch wenn ich das Ziel „Bestzeit“ knapp verpasst hatte.

Nach einer kurzen Pause ging das Training weiter. Zuerst eher unstrukturiert, da kein weiteres Ziel in Sicht war. Irgendwann fiel uns die Citynight in Berlin ins Auge. Das wäre ein echtes Highlight. Ich war bei der Citynight bereits zweimal Bestzeit gelaufen, daher war meine Motivation für dieses Event besonders hoch. Dementsprechend schnell war ich angemeldet ;-)

Etwas kurzfristiger ergab sich die Möglichkeit für mich bei einem kleinen Event von Laufszene Sachsen in Chemnitz zu starten. Auch darüber war ich sehr dankbar und nahm den Lauf gerne als Zwischenstopp und Startortbestimmung für Berlin wahr.

Und dann endlich stand die Citynight in Berlin an. Es sollten endlich wieder über 3000 Menschen an der Startlinie stehen. Für mich war die Stimmung in Berlin schon etwas ganz besonderes. Mit vielen Menschen durch die Straßen Berlins laufen, das hatte ich vermisst. Umso motivierter war ich wohl…und das ging auf: Mit 35:00 konnte ich meine Bestzeit um 20 Sekunden verbessern. Damit hatte ich nicht gerechnet. Und die Runde Cocktails ging am Abend sehr gerne auf mich ;-)

Und was nun? Im Herbst einen Marathon angehen? Oder wäre das zu viel? Ich wusste erstmal nicht genau, was ich mir als Ziel vornehmen sollte…ein bisschen hoffte ich auf den Frankfurt Marathon. Dieser wurde dann aber schon Anfang August abgesagt. Einerseits gut, da es Klarheit für alle gibt, die Veranstalter wie auch die Läufer. Auf der anderen Seite war ich schon erstmal enttäuscht…der Frankfurt Marathon ist immer ein ganz besonderes Event. Nach diesen Nachrichten war es mir irgendwie zu unsicher eine Marathonvorbereitung zu starten. Was, wenn alles umsonst wäre? Wie 2020 schon mal als ich eigentlich in Boston starten wollte. Aus diesen Gründen und vllt auch Zweifeln entschied ich mich für den Halbmarathon. Für Mitte Oktober waren die deutschen Halbmarathonmeisterschaften in Hamburg angesetzt.

Also begannen wir mit der Vorbereitung für diesen Lauf. In den ersten Wochen lief es auch ganz gut, das Training in unserer kleinen Gruppe machte Spaß und wir motivierten uns gegenseitig. Aber einige Wochen vor dem Halbmarathon begann mein Rücken zu schmerzen. Es begann eine Zeit zwischen Behandlung, Aquajogging, Training, doch wieder Pause…Hoffnung und Enttäuschung…bis kurz vor dem Halbmarathon zitterte ich, ob ich starten könnte. Vielleicht war auch das der Grund, warum ich den Lauf vom Kopf her so „locker“ anging.

Ich hatte keine bestimmte Zielzeit mehr und lief einfach drauf los. Ich hatte das große Glück in der zweiten Hälfte eine tolle Mädelsgruppe zu finden, in der wir uns weiter nach vorne pushten. Und dann war da das Ziel: 1:16:14… wie kann das sein? Meine Bestzeit um knapp 2 Minuten unterboten und 9. bei den deutschen Meisterschaften. Ich war einfach nur glücklich und kann bis jetzt nicht richtig glauben, dass ich das geschafft habe.

Heute, 6 Wochen später, hat sich die Corona Lage schon wieder massiv verändert und die Wettkämpfe werden unsicherer. So habe ich aktuell kein wirkliches Ziel vor Augen…aber mit dem Rückenwind aus den letzten Monaten wird es mir hoffentlich etwas leichter fallen eine größere Saisonpause und danach das Wintertraining zu meistern :-)

erstellt von
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Anna Starostzik

Logistik VW von Baunatal (Kassel)

Altersklasse: W30
Verein: Spiridon Frankfurt
Trainer: Udo Engelbrecht

Meine Disziplinen
10 Kilometer Halbmarathon Marathon Traillaufen