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In der Februar Ausgabe der Runners World bin ich über einen Bericht gestolpert, der ein klein wenig mein Leben verändert hat. Es ging in diesem Artikel darum, dass der Autor Henning Lenertz seit Jahren nicht frühstückt. Er ist ein guter Läufer und ist überzeugt vom Effekt dieser speziellen Form des Intervallfastens.

Morgens wie ein Kaiser!

Im ersten Moment dachte ich „Das funktioniert doch nicht, das ist doch total ungesund!“. Wie heisst dieser Spruch noch mal? „Morgens soll man wie ein Kaiser essen, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann.“ Naja, die meisten von uns essen wahrscheinlich eher abends wie ein Kaiser. 

Ich brauchte schon immer sehr regelmäßige Mahlzeiten, sonst gerate ich in einen körperlichen und geistigen Zustand der Unterzuckerung. Das bedeutet, ich werde total unruhig, ich bekomme sogar ein leichtes Zittern, und ich kann an nichts anderes mehr denken als an essen. Ganz, ganz schnell was essen! In so einem Zustand habe ich vor vielen Jahren tatsächlich mal einen Blutzucker Test gemacht. Ich bin mit einer Freundin gelaufen, die Diabetikerin ist und alle Testutensilien dabei hatte. Fazit war, dass ein „normaler Diabetiker“ bei so einem Wert bereits im Koma liegen würde. Ich frühstückte also morgens immer, sogar recht üppig, bevor ich das Haus verließ. Bei mir gab es meist ein großes selbst gemachtes Müsli. Spätestens um 12 Uhr war ich dann aber bereits wieder total hungrig. Wenn ich erst um 12:30 Uhr mittagessen konnte, war ich fast einem Ohnmachtsanfall nahe, so ausgehungert, dass ich richtig viel zu Mittag verputzte. Und auch abends haute ich noch mal so richtig rein, kleine Mahlzeiten sind nicht so meins. Ich kann auch überhaupt nicht verstehen, wie man eine Fastenkur machen kann, die Vorstellung ist für mich extrem verrückt!

Nicht frühstücken? Ich? Unvorstellbar!

Am Anfang konnte ich mir nicht vorstellen, das Haus mit leerem Magen zu verlassen!

Im Februar habe ich nun also diesen Artikel in der Laufzeitschrift gelesen und dachte „Völliger Wahnsinn!“. Irgendwie gab es aber zufälligerweise ein paar Tage später einen Vormittag, an dem ich aus Zeitmangel nicht frühstücken konnte. Um das noch mal zu betonen, sowas gab es bei mir eigentlich nicht, ich ging NIE ohne Frühstück aus dem Haus. An diesem Tag nahm ich mir also erstmal drei Müsliriegel mit und erwartete die Hungerattacke und den zwangsläufig einsetzenden Schwächeanfall. Aber nichts geschah. Ganz im Gegenteil, ich kam ohne viel Hunger und ohne körperliche Ausfälle bis zum Mittag. Ich wiederholte diesen mutigen Selbstversuch ein paar Tage später noch einmal,  wieder mit mehreren Riegeln in der Tasche, damit kein Unglück geschieht. Und das Verrückte wiederholte sich. Ich hatte den ganzen Vormittag kaum Hunger, vielleicht etwas Appetit. Von Schwäche keine Spur. Und das total Verblüffende war, ich konnte sogar deutlich später Mittag essen. Wäre noch vor kurzer Zeit eine Mittagspause nach 12 Uhr für mich unvorstellbar gewesen, so kam ich jetzt locker bis 13 Uhr durch und hatte dann noch deutlich weniger Hunger als mit Frühstück. 

Meine Mittagsportion war außerdem deutlich kleiner. Der Effekt, dass ich mittags weniger und später Hunger habe, ist für mich wirklich befreiend. Ich war sehr darauf angewiesen, mittags pünktlich zu essen. Dass dieser Druck weg ist, ist für mich super toll. Warum das durch das fehlende Frühstück so ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Es fühlt sich so an, als ob „der Motor noch nicht angeschmissen wurde“ und daher der Verbrauch noch gar nicht da ist. Als ob der Körper gar nicht gemerkt hat, daß er schon arbeitet.

Mittlerweile ziehe ich das „Nicht-Frühstücken“ seit über drei Monaten durch und habe die "Notfall Müsliriegel“ nicht ein einziges Mal gebraucht. Ich habe im Nachhinein festgestellt, dass ich morgens eigentlich nur noch aus Gewohnheit gefrühstückt habe, nicht aus Hunger. Das Gefühl des Unterzuckertsein ist nicht mehr aufgetreten, es scheint sich durch mein regelmäßiges Laufen (wahrscheinlich schon seit längerer Zeit) unbemerkt in Luft aufgelöst zu haben. Dazu muss ich erwähnen, dass ich seit mehr als 10 Jahren sehr regelmässig laufe und dieses Training scheinbar meinen Körper umerzogen hat. Er ist jetzt viel besser in der Lage, auf die körpereigenen Reserven zuzugreifen. Mir selbst ist diese Veränderung aber gar nicht aufgefallen, daher habe ich weiter gefrühstückt. Morgens wie ein Kaiser halt.

Warum macht es nun aber gerade auch als Läufer Sinn, morgens nicht zu frühstücken?

Auf das Frühstück zu verzichten hilft dabei, den Fettstoffwechsel zu trainieren. Wie geht das? Ich bin nun keine Medizinerin, aber ich habe nachgelesen, daß der Körper normalerweise auf Kohlenhydrate zugreift. Diese sind in Form von Glykogen in Muskeln und auch in der Leber enthalten. Dieser Speicher wird genutzt, ist allerdings begrenzt. Bei langen Ausdauerbelastungen wie beim Marathon geht dieser Speicher dann leider schnell zur Neige. Wird dann nichts nachgelegt droht der Mann mit dem Hammer. Man kann also Energie in Form von Gels o.ä. nachlegen, wobei die Verdauung bei intensiver Belastung machmal Probleme machen kann. Der Körper hat aber noch einen zweiten Energietank, er kann auch körpereigenes Fett verstoffwechseln. Durch das Intervallfasten, und nichts anderes ist das Nicht-Frühstücken, lernt der Körper auf die eigenen Fettreserven zuzugreifen. Nach rund 14 bis 16 Stunden ohne Nahrung kommt der Fettstoffwechsel so richtig in Schwung, bei Frauen und sportlichen Menschen sogar schon früher. Ist der Glykogenspeicher in Muskeln und der Leber nun also aufgebraucht, wird Fett aus den eigenen Fettzellen als Brennstoff genutzt. Diesen körpereigenen Prozess zu trainieren hilft dann wiederum bei langen Läufen. Der Körper bekommt diesen Vorgang dann viel besser hin, als wenn man immer nur von seinem Glykogenspeicher lebt und den Wechsel zu der anderen Energiequelle Fett nicht trainiert hat. Angeblich findet so sogar eine Reinigung des Körpers statt. Fettzellen sind das Endlager des Körpers für diverse Giftstoffe. Der verstärkte Fettstoffwechsel sorgt dafür, daß diese Zellen sauber gehalten werden. Das scheint auch eine Ursache dafür zu sein, dass Fasten gesund ist.

Als Läufer macht es Sinn, aufs Frühstück zu verzichten


Abnehmen durch den Verzicht auf´s Frühstück?

Ich glaube übrigens, durch das fehlende frühstücken auch ein wenig abgenommen zu haben. Allerdings war das gar nicht meine Motivation und wäre für mich kein Argument, sowas durchzuziehen. Es gibt aber wohl Untersuchungen, die zeigen, daß man bei gleicher Kalorienmenge im Intervallfasten schlanker ist als ohne. Bestätigen kann ich das allerdings nicht, da ich durch das Nicht-Frühstücken in Summe wohl weniger Kalorien den Tag über zu mir nehme.

Am Wochenende oder im Urlaub frühstücke ich übrigens meist dann doch. Allerdings deutlich später, es sei denn ich breche zu einem längeren Lauf auf. Dann frühstücke ich tatsächlich "wie in früheren Zeiten“, recht zeitig und ohne Hunger. Denn ich glaube, dass ein längerer Lauf auf nüchternen Magen nicht so gut für mich ist. Der sogenannte Nüchternlauf kann Teil des Fettstoffwechsel Trainings sein. Allerdings gibt es auch Studien die zeigen, daß das, gerade bei Frauen, nur bei kürzeren Läufen sinnvoll ist. Ab einer Laufzeit von ca. 60 min oder bei harten Einheiten wäre es eher ungesund, ohne Frühstück zu laufen. Hier fehlt mir aber bisher die Erfahrung, so daß ich dazu wenig berichten kann.

Leerer Bauch studiert nicht gern! - Mag sein, aber fürs Lauftraining ist es wirklich sinnvoll!

Mein Fazit ist, daß sich ein Selbstversuch wirklich lohnt. Ich bin mittlerweile sehr überzeugt von den vielen Vorteilen des Nicht-Frühstückens. Versucht es doch selbst einmal. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir Eure Erfahrungen mitteilt.

erstellt von
portrait

Sandra Ritter

Personaler am Airport von Hannover

Altersklasse: 50

Verein: Hannover Runners

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