...warum, wieso, weshalb...

4:00h am Handgelenk vibriert der Wecker. Der Tag startet! Doch Moment! Erst muss ich mich wohl ordentlich rechtfertigen. Die allgegenwärtigen Kommentare dazu:

-4:00h, du bist bescheuert!

-ich weiß ja, dass du sie nicht mehr alle hast, aber sowas…

-ähh, das könnte ich nicht!

-da ist´s doch noch dunkel?!

-da hast du doch noch gar nichts gegessen!

Ja, so steht man dann nun mal da, Dieses und Ähnliches hat man dann anhängen. Aber ich würde sagen, wir kommen besser zum Sachlichen Teil. In der Tat, es ist verdammt früh, auch wenn man so seinen Rhythmus hat, es ist und bleibt früh! Jedoch hätte ich ohne die Fähigkeit, mich so früh aus dem Bett schälen zu können niemals die Möglichkeit auch nur halbwegs anständige Leistung zu bringen. Aufgrund meines Berufes, weiß ich nicht, wann ich abends nach Hause komme. Auf jeden Fall hätte ich definitiv keine Lust abends nochmals strukturiert zu trainieren und auf ein Ziel hinzuarbeiten. Somit gilt der Grundsatz am Ende des Tages: Training abgeharkt! Das ist dann ambitioniert gesehen der größte Vorteil des Morningruns.

Aber es gibt noch sehr viele andere Gründe: Man geht raus, zieht die Haustür ran. Kurz vor fünf. Klar, es ist noch dunkel! Mittlerweile gibt es Stirnlampen von sämtlichen Herstellern, die das Argument der Dunkelheit absolut „wegleuchten“. Also Helligkeit ist auf der Laufstrecke garantiert. Kälte! Je nach Jahreszeit auch mal zweistellige Minusgrade. Auch hier gibt es keine Entschuldigung. Das wir mit super Kleidung ausgerüstet sind, welche Outdoorsport bei diesen Temperaturen ermöglicht, versteht sich von selbst. Gerade in meiner Heimat dem Lautertal, wo bis spät ins Frühjahr hinein sowie schon Mitte September unter Umständen Frost herrscht. Im Hochsommer besteht natürlich der große Vorteil, dass man garantiert der Hitze entgeht.

Beispiel Longrun:

Es ist Sonntagmorgen Anfang Mai, es geht ans Höhenmeter Sammeln für die bevorstehende DM, sowie Ultratrails in den Alpen. 4:45h setze ich mich ins Auto um ins 15km entfernte Roßbach an Fuß des Königsbergs zu Fahren. Kurz nach fünf setze ich mich in Bewegung um direkt die ersten vertikalen Meter zu sammeln. Nach 4,5km und 350hm befinde ich mich schon vor der Selberghütte. Noch ist es stockdunkel auf den Trails. Keine Menschenseele. Doch ich bin keineswegs alleine. Jede Menge Wild gibt es hier. Rehe, Füchse, Wildschweinrotten, ja sogar der ein oder andere Dachs kreuzen meinen Weg. Langsam wird es Hell und die Wärme kriecht über den Berg bis ins Tal. Stetig geht es Steil bergab und bergauf in einem Knappen Areal entlang des „Pfälzer Höhenwegs“. Am Ende des Trainings stehen 40km mit 3100hm auf der Uhr. Genug für heute, ab nach Hause. Noch schnell beim Bäcker vorbei. Der Ausflug soll sich ja schließlich noch lohnen. Kurz nach neun sitze ich mit der Familie am Frühstückstisch. Sie sind gerade erst aufgestanden. Der Sonntag kann kommen… Ob ich aber den Tatort heute Abend noch überstehe ist fraglich!

Was hat man nun davon? Kein Schlechtes Gewissen seiner Familie gegenüber, dass man sich mal wieder für seinen heißgeliebten Sport fast den kompletten Sonntag verabschieden muss! Denkt mal drüber nach! Das ist vielleicht für manche verdammt viel Wert! Mittlerweile sind wir sogar mit dem „Running-Team-Potzberg“ eine Gruppe, die sich diese frühe Uhrzeit an Sonn-bzw. Feiertagen antut.

Beispiel Intervalltraining:

Das ist ja so eine Sache mit dem Intervalltraining. Wenn es ansteht hasst man es gewaltig. Wenn es erledig ist und auch noch ziemlich gut gelaufen ist, dann ist es ein super Gefühl. Zugegeben, auch mir fällt dieses Intervalltraining um diese Uhrzeit mehr als einfach nur schwer. Selten schaffe ich es zufriedenstellend zu erledigen. Wochentag, selbe Uhrzeit ca.5h Morgens:

Heute stehen Bergintervalle auf dem Plan. Wieder raus aus der Tür. Mittlerweile ist der Herbst eingezogen, leichter, (wagerechter) Nieselregen prägt die Dunkelheit. Ich mache mich auf zu meinem „Haushügelchen“. Sieben mal 560m mit 65hm Bergintervalle stehen an. Nach 15 minütigem Warmup starte ich durch. Der erste Anstieg fühlt sich noch sehr frisch an. Doch es wird schwerer und schwerer. Ich finde meinen Rhythmus. Die Uhr bleibt jeweils genau zwischen 3,04min und 3,06min. stehen. Das ist eine absolute Punktlandung. Nach anschließendem Auslaufen über die Trails, stehe ich mach 1h15min wieder vor der Haustür. Die Lunge brennt noch nach, es hat sich gelohnt!

Nun bin ich auf der Arbeit, nichts ist von der morgentlichen Müdigkeit zu spüren. Die Konzentration ist voll da und mir fallen meine Tätigkeiten sehr leicht. Vorteil Morningrun! Wie gesagt, es hat sich gelohnt!

erstellt von
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Max Kirschbaum

Kfz-Technikermeister/ Serviceberater von Otterbach (Kaiserslautern)

Altersklasse: M 30
Verein: LG Ohmbachsee
Trainer: http://schork.sports-diagnostic.de/

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