New York Marathon

Wie alles anfing:

Vor 1 ½ Jahren kamen mein Bruder und mein Verlobter auf die Idee den New York Marathon zu rennen. Mein Verlobter war der Ansicht, wenn er einmal einen Marathon rennen würde, dann nur New York. Als ehemaliger Zehnkämpfer war das eine Ansage. Ich hatte aber eigentlich nie vor einen Marathon zu rennen. Im Gegenteil ich, ich war mir sogar sicher, ich würde nie einen rennenJ . Aber nachdem mein Bruder und mein Verlobter meine Eltern als Sponsoren für dieses Event gewonnen hatten, begann auch deren Überredungstaktik:-). Alle wussten auf ihre eigene Art wie sie mich dazu überreden konnten. Also entschied ich mich dieses Abenteuer mit zu machen. Aber um nicht völlig blank dort zu stehen, rannte ich also den Frankfurt Marathon mit und überraschenderweise machte das richtig Spaß so einen Marathon zu rennen.

Also stand dann New York auf meiner Rennplanung für 2018. Doch so richtig überzeugt war ich dennoch nicht, denn ich wusste wir mussten sehr früh aufstehen, es gab keine Möglichkeit seine Eigenverpflegung abzugeben, außerdem gab es keine Unterstellmöglichkeit bei schlechtem Wetter und diese vielen Höhemeter von ca. 390 m machten mir Angst.

Als um 4.30 an dem Tag der Wecker klingelte, fragte ich mich schon was ich hier eigentlich mache. Aber viel Zeit zum Nachdenken hatte ich nicht. Ab unter die Dusche damit ich wach wurde. Dann frühstückte ich etwas und zog mich an. Da es für uns Hobbyläufer keine Möglichkeit gibt, sich unterzustellen, war ich auch auf das bestens vorbereitet. Mit Winterjacke, Skihose, zwei Pullis und Mütze machte ich mich auf den Weg zum Taxi. Wir drei sahen alle sehr merkwürdig aus, aber keiner von uns wollte frieren und  somit lohnte es sich zum ersten Mal, dass meine Mama so viele alte Sachen noch aufgehoben hatteJ .

Wir fuhren mit dem Taxi zum Hotel des Reiseveranstalters, über den wir uns einen Startplatz gebucht hatten. Dort warteten wir dann in einem Bus bis es um 6.00 Uhr losging. Gespannt schaute ich raus aus dem Fenster. Es war jetzt schon Stau. Dabei mussten wir um 6.45 über der berühmten Verrazano-Narrows-Brücke sein, wo sich der Start befand. Doch um 6.45 waren wir leider noch nicht drüber. Jetzt bekam ich schon ein wenig Muffesausen, denn jetzt wollte ich den Marathon schon rennen. Aber man ließ alle Busse unten durchfahren, was sich aber erneut sehr staute.

Als wir dann endlich ankamen und aussteigen konnten, empfingen uns unzählige Polizisten, die uns viel Glück wünschten und uns da schon anfeuerten. Ich dachte mir nur: Ja, Glück kann ich heute wirklich gebrauchen. Aber ich hatte bereits sehr viel Glück, da wir traumhaftes Laufwetter hatten. Die Sonne kam raus und es war kein Regen mehr vom Vortag zu sehen.

Nachdem wir eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen passiert hatten, kamen wir auf einen riesigen Platz. Dort wurde man in unterschiedliche Bereiche eingeteilt. Hier  hatte ich mich mit Anna Starostzik verabredet, aber als ich auf dem Platz ankam, dachte ich mir: „Das wird ein Ding der Unmöglichkeit.“ So viele Menschen lagen dort und schliefen teilweise oder suchten auch andere Menschen oder frühstückten. Doch auch hier hatte ich Glück, denn plötzlich kam Anna auf mich zu gerannt. Ich war soooo erleichtert- jetzt war ich nicht alleine. Die Jungs also mein Bruder und mein Verlobter waren in einem anderen Bereich eingeteilt und verabschiedetet sich von uns.

 

Anna und ich hatten mal darüber gesprochen zusammen zu laufen. Erst war es nur vage, doch am Vortag wurde es konkreter. Ich muss zugeben, ich hatte etwas Angst davor, dass ich Anna zu sehr bremsen würde und ihr nur ein Klotz am Bein sein würde. Aber sie hatte auch nur ein Ziel: Unter 3 Stunden zu rennen, genau wie ich.

Die Zeit bis zum Start verbrachten wir eigentlich damit auf die Toilette zu gehen, denn bei so vielen Menschen steht man ewig an. Leider kann man sich auch nicht einlaufen, so dass wir - bis auf ein paar Mal ca. 7 m Joggen - recht unvorbereitet am Start standen. Nachdem dann die Nationalhymne gespielt wurde, ging es los. Ich war super nervös: Hoffentlich schaffe ich es unter 3 Stunden. Dann kam der Startschuss und wir liefen los. Der Blick auf diese Massen von Menschen auf der Brücke war grandios und als man dann von der Brücke auf der anderen Seite ankam, wurden wir überwältigt von den vielen Menschen, die uns anfeuerten. Das war unglaublich genial. Ich bekam sofort Gänsehaut.

Anna und ich spulten die Kilometer ab. Es lief zusammen wie am Schnürchen. Einfach perfekt. Ich fühlte mich extrem motiviert neben Anna zu laufen und so angefeuert zu werden. Oft riefen die Leute : Go Girls, Go Frontrunners. Und wenn man dann zurück gewunken hat, sind sie noch mehr ausgeflippt. Ich wollte alles genießen, jede Anfeuerung mitbekommen und das tat ich auch. Ich lächelte und winkte und hatte mega viel Spaß. Teilweise bekam ich Gänsehaut von der Stimmung, die auf uns Läufer übertragen wurde. Wenn ich jetzt zurück denke, kann ich mich gar nicht mehr an alles so genau erinnern, da es einem so unwirklich vorkam.

An den Brücken wurde es dann ganz ruhig, aber das dauerte nicht lange an. Sobald man runter kam, wurde man wieder lautstark empfangen. Teilweise war es auch so laut, dass Anna und ich uns nicht verstanden, wenn eine was sagte.

Als wir die Halbmarathonmarke passierten, wusste ich dass wir es unter 3 Stunden schaffen würden. Also beschlossen Anna und ich, dass wir nicht mehr Druck aufbauen würden, sondern so weiter machten wie bisher. Anna war die perfekte Partnerin dafür- es passte einfach alles.

Auf der zweiten Hälfte hatten wir beide überraschenderweise unglaublich viel Durst. Anna sammelte immer perfekt die Wasserbecher ein, teilweise 4 bis 6 Stück, da diese sehr wenig Inhalt hatten. Es war purer Luxus, die Becher immer von Anna gereicht zu bekommen, denn ich bin bei sowas völlig unfähig. Dafür gab ich ihr etwas von meinen Gels ab, die ich mit mir herumschleppte. Wenn ich ganz ehrlich bin: ich bin froh normalerwiese meine Flasche abgeben zu können. Ich hatte 8 Gels, also für alle 5 km eines, an meinem Körper verteiltJ

Als wir dem Central Park näher kamen, wurde es teilweise etwas ruhiger: Es waren dennoch sehr viele Menschen an der Strecke, teilweise sogar mehrere Reihen hinter einander, aber die Anfeuerung war auf der ersten Hälfte dennoch krasser, fand ich . Und ich kann euch sagen, der Weg zum und vor allem durch den Central Park, der verlangt einem noch mal alles ab. Diese kleinen Hügel noch am Ende können richtig weh tun.

Als wir dann auf die 400m lange Zielgerade kamen, genossen wir beide es noch mal überschwänglich. Mit Laola Welle ließen wir uns feiern, was hier in Deutschland unmöglich wäre. Aber dort kann man das machen, es gehört dazu, auch wenn du kein Eliteläufer bist.

Wir liefen also Hand in Hand ein. Die Uhr stoppte 2:54,15. Ich hatte selten solche Glücksgefühle. Wir zwei hatten es geschafft. Wir sind und waren ein super Team. Danke Anna für diese unglaublich tolle Erfahrung. Es gibt nicht viele Läuferinnen, mit denen ich das Renne hätte so bestreiten können, aber an deiner Seite war es ein unvergessliches Lauferlebnis. Für solche perfekten Tage schnüre ich mich meine Turnschuhe. Diese sind einfach unbezahlbar.

Demnach kann ich nur jedem raten den New York Marathon zu rennen.

erstellt von
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Anna Plinke

Steuerberaterin von Regensburg

Altersklasse: 1988
Verein: LG Telis Finanz Regensburg
Trainer: Ich selbst

Meine Disziplinen
Halbmarathon Marathon 10 Kilometer

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