…mein Heimrennen, dort wo alles begann. Mein erster Ultratrail überhaupt im Jahr 2012. Dann mein erster Sieg in 2014 und die Wiederholung in 2015. Das ist wohl doch ein ganz gutes Pflaster!

 Nach der schmerzhaften Absage beim HuBut sollte ich für hier wieder fit sein. Also, es steht außer Frage, da wird gestartet. Freitagabend nach der Arbeit bin ich noch schnell nach Hertlingshausen gefahren und habe die Startnummer abgeholt sowie die Dropbags abgegeben. Dann nach Hause und ordentlich gepennt. Ca. eine halbe Stunde  brauche ich mit dem Auto bis Hertlingshausen. Der Start erfolgt um 6:30h. es beginnt gerade hell zu werden, aber nicht im tiefen Unterholz, also Stirnlampe an. Es ist kühl, wenn nicht sogar besser gesagt arschkalt. Drei Grad hatte ich auf der Fahrt, hier sind es vielleicht 5-6. Dünne Jacke, Handschuhe und Mütze. Direkt nach dem Startschuss setze ich mich ab, könnt ihr von mir halten was ihr wollt, ich  hatte und habe was vor. Weg bin ich und alleine bin ich, in der Dunkelheit des nördlichen Pfälzerwaldes. Alles still, wie auch im Training, nichts Anderes. Im Verlauf des Morgens treffe ich auf zwei Wildschweinrotten. Irgendwie fühle ich mich zu Hause ;-). Mein Tempo ist hoch, sehr hoch, aber das habe ich mir so vorgenommen, so und nicht anders. Teilweise unter vier min/km. Bis zum ersten großen VP in Battenberg bei km 23,1 vergeht die Zeit ziemlich schnell. Direkt an den Dropbag, Handschuhe, Mütze, Jacke und vor allem die Stirnlampe werden gegen Sommercap und Sonnenbrille eingetauscht. Mit der Zeit ist es deutlich wärmer und die Sonne  kommt zum Vorschein.

 

 Die Hatz geht weiter,  aus der Burg und den Wirtschaftsweg hinaus aus Battenberg und wieder in den Wald. Dort erwarten mich die feinsten Flowtrails, rauf und runter, am Ungeheuersee vorbei geht es an den Anstieg zur Lindemannsruhe. Die nächste Große Verpflegung mit allem Drum und Dran erwartet mich dort oben. Zum ersten Mal fülle ich die Softflask mit Cola, nur zur Sicherheit! Mehr als 40km habe ich nun in den Beinen und es läuft sensationell gut. Ich fühle mich als wäre ich gerade erst losgelaufen. Nun geht es wieder stetig abwärts. Das Geläuf wird langsam schwerer, die Trails sind schmaler und technischer, etwas mehr Konzentration ist nun gefragt, was aber immer noch blendend funktioniert. Über den Schlagbaum erreiche ich das Klaustal (km56,7), der tiefste Punkt des Rennens. Nach der dortigen VP, steigt das Profil wieder deutlich an. Nun werden die Beine doch schwerer und ich kann die Pace nicht mehr voll und ganz gehen. Am längeren Anstieg zum Rahnfels kommen doch deutliche Zweifel auf. Verdammt! Bin ich nun doch zu schnell angegangen?! .

 Ich muss den gößten Teil des Rahnfelsanstiegs gehen, das hatte ich so nicht geplant. Unterwegs begegne  ich Streckenchef Claus Wagner und frage nach meinem Vorsprung. Er sagt mir, dass es vielleicht 10-15min. seien. Das schockiert mich doch etwas, wenn ich jetzt noch weiter einbreche, dann wird es wohl eng mit dem dritten Sieg. Okay, Schwäche kann ja mal vorkommen, immerhin habe ich schon fast 70km auf der Uhr. Nach der Kuppe am Aussichtspunkt geht es direkt  in den längeren Downhill. Es geht nun wieder besser vor, der Profilwechsel hat mir anscheinend gut getan. Berghoch muss ich nun doch oft gehen, aber es geht vorwärts. Die Wege werden wieder breiter und bis zum nächsten großen VP in Höningen kann ich wieder meine Pace von den ersten 45km gehen. An der VP erwartet mich meine Familie, das motiviert mich nochmals ungeheuerlich. Ich fülle nochmal sicherheitshalber etwas Cola auf und dann zügig weiter. Der Letzte „Buckel“ über den Leuchtberg –Hang fällt mir wieder leichter. Nun steht aber noch ein mental sehr schweres Stück an: Das Elend lang wirkende Eckbachtal. Es ist flach, bzw. minimal ansteigend, breit und nimmt kein Ende. Sieben übelste Kilometer. Hier bin ich schon böse geschlichen, doch nicht diesmal!

 Endlich ist der Rahnenhof erreicht, die letzte Kuppe und dann noch einmal durch Hertlingshausen. Das Ziel überquere ich zusammen mit meiner Tochter, das hatten wir schon lang mal vor. Bei genau 7:18:00h bleibt die Uhr stehen. 85,6km und 2440hm. Das war ein Ritt! Ich unterbiete meinen eigenen Streckenrekord um satte 14min. Über 30min. schneller als der zweitplatzierte Niels Riegel.

Der Pfalztrail ist mit eine der größten Veranstaltungen in Deutschland, das hat er an diesem Wochenende wieder bewiesen. 1333 Starter aus unterschiedlichen Nationen über alle Distanzen. Die Streckenmarkierungen waren über die gesamte Distanz mehr als Perfekt, was in diesem verwinkelten Gelände extrem schwer sein muss. Die VP´s boten alles und noch viel mehr. Auf diesem Weg nochmals herzlichen Dank an die Veranstalter von Laufszene Events GmbH.        

 

erstellt von
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Max Kirschbaum

Kfz-Technikermeister/ Serviceberater von Otterbach (Kaiserslautern)

Altersklasse: M 30
Verein: LG Ohmbachsee
Trainer: http://schork.sports-diagnostic.de/

Meine Disziplinen
Ultratrail