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Trailrookie,Trailazubi oder Straßenläufer !?!?

Vom Trailrookie zum Trailazubi oder wieder auf die Straße?

Nun ist der Garda Trentino Trail schon eine Woche Geschichte und ich denke immer noch nach. Er hat mich ganzschön beeindruckt. Wenn man sich als Läufer am Liebsten überwiegend auf der Straße bewegt und die Wettkämpfe von 10km bis Halbmarathon liegen, ist so ein Trailrun schon eine komplett neue Herausforderung. Sicher war ich in der Vergangenheit schon mal irgendwo 35km gelaufen und war dafür 3h:15min unterwegs aber das es auf einem Trail komplett anders zugeht war mir klar. Für mich gab es zwei entscheidende Fragen. Wie reagiert mein Körper wenn ich mehrere Stunden unterwegs bin und wird der nicht gesunde Rücken die 4 Monate komplett anderes Training mitmachen? Ich habe viel gezweifelt aber der Einzige der sich wiedermal sicher war, dass ich das kann, war mein Trainer Marco. In den letzten Jahren war das schon immer so, was seine Laufprognosen für mich angeht und so habe ich seiner Sorglosigkeit vertraut und mich von Januar bis April ganzschön viele Kilometer und Höhenmeter gequält. Halloooo, ich kannte Trailrunning nur aus den Netzwerken. Die paar Kilometer der letzten Jahre im Wald, sind kein Trailrunning ;-). Bei winterlichen Bedingungen hoch laufen, runter laufen, im „Dreck“ laufen, mit Gepäck laufen, navigieren und sich anfangs ständig verlaufen, nicht enden wollender Muskelkater, Uhr aus, Kopf aus, harte Muskeln, zickender Rücken, Dauergast bei Johanna, der besten Physio der Welt und immer wieder die Suche nach einer härteren Trainingsstrecke, die der Spessart zu bieten hat. Am Anfang der vier Monate habe ich manchmal echt geflucht aber plötzlich, ein paar Wochen vor dem Trailrun musste ich selber über mich lachen, weil das Training tatsächlich Spaß gemacht hat und ich den 5.Mai regelrecht herbeigesehnt habe. Denn jetzt wollte ich es wissen, weil es mir nicht mehr unvorstellbar schien, am Gardasee 28km mit 1800hm zu laufen.

Der Garda Trentino Trail ist eine Veranstaltung bei der 65km, 42km und 28km geboten werden. Die entscheidenden Orte sind Riva del Garda, Tenno und das Ziel in Arco. Für alle Distanzen ist die Strecke ab Tenno gleich und das macht es für alle interessant. Die Startzeit ist so gestaffelt, dass auf der Stecke zwischen Tenno und Arco z.B. die „28km-Anke“ auf den „65km-Lorenzo“ trifft und staunt, dass er nach fast 40km noch nicht mehr erschöpft aussieht, wie sie nach 18km bergauf :-). Das habe ich gelernt. Trailläufer haben Zeit für alles, zum Schauen, zum Essen, zum Trinken, zum Fotos machen, zum Schuhe binden und zum Reden, wenn sie mal nicht gerade auf der letzten Alveole pfeifen, weil es gerade bergauf ans „Steigen“ geht. Ich habe nach dem Start über eine Stunde gebraucht um im Kopf wenigstens etwas von dieser Ruhe zu finden und endlich diesen jahrelang antrainierten „Racemodus“ abzulegen. Die 18km bergauf waren spannend. Ich lief in einer Gruppe, die ich nicht verlassen habe, weil ich im Vorfeld immer wieder gesagt bekam „zügel Dich, Du hast Zeit, weißt nicht was kommt und genieße es“. Guuut, also dann… Das Wandern ging auch ziemlich schnell los, weil es so steil wurde und ich musste lachen, bei dem Gedanken, wieviel Zug eine Achillessehne wohl aushält, wenn die Ferse auf dem Boden bleibt? Zwischendurch fand ich es sogar etwas "langweilig" dieses "gewander" aber es ging ja eh nicht schneller. Ein paar wenige flache Passagen wurden mir dann doch beschert und da war ich glücklich über das was ich konnte, LAUFEN. Gegen Ende dieses 18km andauernden Anstieges habe ich dann oft meinen Augen nicht getraut, mal ging es rechts, mal links von mir den Hang so weit hinunter, dass ich mich gern wieder auf meine Füße konzentriert habe um dem Anblick der schwindelerregenden Tiefe zu entgehen. Habe ich erwähnt, dass ich Höhenangst habe? Um den Gipfel herum dachte ich "3km= 45min, das ist doch unglaublich, sowas gibt es doch garnicht"! Aber mal ehrlich und unter uns… Nein, auf dem ersten Trail genießt Du nicht fortwährend die belohnende Aussicht. Ich war damit beschäftigt den besten Platz für den linken oder rechten Fuß zu finden um nicht abzurutschen und der Bergwacht unnütze Arbeit zu bescheren, die hier und da ein Auge auf uns hatte. Die Gazellen-Läufer, die schon Stunden vor mir da hoch gehüpft sind wollte ich gar nicht sehen, ich wäre wahrscheinlich heulend nach Hause gewandert. Die erste Frau hatte diese Strecke in etwas mehr als 3h bewältigt. Wahnsinn und Respekt!!! Am Gipfelkreuz habe ich mir dann doch mal mehrere Minuten Pause gegönnt und mein Handy gezückt für ein Foto. Wow, war das ein toller Anblick, den Gardasee zu Füßen und die 3h, welche ich bis da hoch gebraucht habe, hatten sich tatsächlich gelohnt. Wenn ich bis dahin etwas ungeduldig und wenig erschöpft gelaufen bin, lag es daran, dass ich mir wirklich Mühe gegeben hatte in den letzten Monaten mit dem bergauf Training und mir das „Hochlaufen“ mehr Freude macht als das „Runterlaufen“. Nun ging es aber bis ins Ziel konsequent und steil bergab. Streckenweise aber sowas von, dass uns ein Seil gereicht wurde um besser rückwärts abzusteigen, als schlimmstenfalls kopfüber vorwärts zu stürzen. An technisch exponierten Stellen standen immer wieder Helfer, die uns Achtsamkeit geboten. Danke dafür! Ich hatte im Vorfeld geahnt, dass es abwärts sehr steil und technisch wird aber einige Teilstücke hatten es wirklich in sich und ich hangelte mich schon mal von Baum zu Baum oder landete auf dem Hinterteil um dann mal im Krebsgang ein bisschen so weiterzumachen, bis ich mich auf beiden Beinen wieder sicher fühlte. Dann gab es aber auch immer wieder laufbare Passagen abwärts die mich aufmunterten, weil ich LAUFEN durfte. So habe ich mich dann 2h irgendwie „da runter“ bewegt. Die letzten 2km waren emotional der Knaller. Ich konnte es nicht fassen, einem finish stand nichts mehr im Wege, ich war 5h unterwegs, mein Rücken, die Zitternummer des Unternehmens, hatte während der ganzen Zeit die Klappe gehalten, ich war erschöpft aber nicht am Ende wie beispielsweise nach einem Halbmarathon, wo ich am Ende nach jedem Sauerstoffmolekül jappse. Als ich schon das Tamtam im Ziel hörte, dachte ich immer wieder „hör auf zu heulen, nee hör auf zu lachen, nee zu heulen, nee zu lachen…

Ja es war schön, ja ich werde es wieder tun, ja ich will noch mehr dazu lernen und mein Straßenläuferherz wäre keins, wenn es nicht sagen würde „Anke das sollte aber beim nächsten Mal etwas schneller gehen“ :-). Ich denke mit der Zeit, kommt dann auch die Erfahrung und Sicherheit auf der Strecke und damit der vielbesprochene Genuss. Der Anfang war geprägt von Anspannung und Sorge, sich nicht zu verletzen und alles richtig zu machen, denn es war der Erste aber nicht der Einzige !!!

erstellt von
portrait

Anke Deckert

aus Aschaffenburg

Altersklasse: 1970

Verein: LuT Aschaffenburg

Trainer: Marco Schneider

MEINE DISZIPLINEN
Halb-Marathon Trail 10 Kilometer
MEINE DISZIPLINEN
half_marathon trail 10k

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