Wettkampfbericht vom Sieg beim Wiesbadener Marathon

Ursprünglich hatte ich gar nicht vor in Wiesbaden einen Marathon zu laufen, geschweige denn gedacht, nicht mal 5 Monate nach der Geburt meiner kleinen Tochter Emma überhaupt wieder so weit laufen zu können. Aber nach der Absage vom Frankfurt Marathon und Köln Marathon, die mir als Qualifikation für Boston Marathon 2022 dienen sollten, musste ich eine Lösung finden.



Das Problem war allerdings, dass ich bis dato nur 3-mal 20 bis max. 22 km als längste Einheit gemacht hatte und es an dem Tag 28 Grad haben sollte. Kurz gesagt: ich hatte mega Respekt davor.

Aber dann dachte ich mir: Probier es aus - es ist ne Chance, wenn nicht, hast du halt einen Longrun gemacht.

Eine Woche vorher hatte ich dann als Test bzw. endgültige Entscheidung einen 30 km Lauf mit Coco gemacht. 4:45er Schnitt wollten wir laufen, 4:35er Schnitt wurde es. Nur der gab mir auch nicht wirklich die Sicherheit, dass ich es schaffen könnte, denn am Ende war ich mir nicht sicher, ob ich das noch 12 km durchlaufen könnte. Aber Anna Starostzik machte mir zudem Mut, indem sie mit anbot, mich die ersten 30km zu begleiten.



Ein weiteres Problem war, dass Boston nur zertifizierte Marathons anerkennt. Auf der DLV-Seite war Wiesbaden nicht aufgeführt als bestenlistenfähig und auf dem DLV-Siegel auf der Seite von Wiesbaden stand "Zertifiziert für Walken und Wandern".

Also musste auch das noch abgeklärt werden. Am Mittwoch hatte ich dann endlich die Bestätigung, dass die Strecke vermessen war und bestenlistenfähig ist. Also habe ich dann sofort für Anna und mich gemeldet.

Freitags bin ich dann mit Emma zu meinen Eltern nach Frankfurt gefahren. Die haben dann auch Emma in der Nacht vorher gehabt, damit ich ausschlafen konnte. Das tat mega gut (wobei Emma wirklich nachts auch sehr gut schläft).



Mittags ging es dann ab nach Wiesbaden, da wir die Startunterlagen bis mindestens 15 Uhr abholen mussten - Start war 17.00 Uhr. Leider stand Anna da noch ein bisschen im Stau,  was dann kurzzeitig alles etwas spannend machte. Aber dank der lieben Caro, die mich überrascht hatte, und Anna, die alles zusammen klärten, klappte alles.

Caro und mein Papa sind dann die Strecke mit den Rädern abgefahren, um zu schauen, wo sie mir am Besten die Eigenverpflegung geben könnte. Als sie zurück kamen, fragte ich sie wie die Strecke sei. Beide schauten mich etwas verlegen an und meinten: du schaffst das ;-)

Da war mir dann bewusst, dass die Strecke nicht einfach sein kann.



Als Anna und ich dann am Start standen, war das ein mega komisches Gefühl. So lange war es her, dass man sowas machen konnte. Und dann sagte der Sprecher: wir haben soeben die 30 Grad erreicht. Danke aber diese Info hätte ich wirklich nicht gebraucht :-)

Dann ging es los. Die ersten Meter mit Maske und dann den Rest ohne. Plan war jeden Kilometer in 4:45min/km abzuspulen, damit ich sicher die Qualifikation in 3:20:00h habe. Was passierte: 1 km im 4:08 min. War ja klar. Aber wer kennt das nicht, dass wenn da so viele Läufer sind, man Hummeln im Hintern hat und dann einfach mit rennen will?

Der nächste Kilometer wurde schon absichtlich langsamer, aber halt auch nie in einer 4:45min/km Pace. Nach der ersten Runde von 6, hatten wir keinen einzigen Kilometer in einer 4:45 getroffen und das obwohl es eigentlich nur bergauf und bergab ging. Jetzt wusste ich warum die beiden mir nichts sagen wollten. Die Strecke war wirklich nicht einfach, aber wir waren dennoch zu schnell, was zugegeben an mir lag. Anna, der ich gesagt hatte, sie soll mich bitte bremsen, tat auch alles dafür. Aber ich war dann irgendwie in so einem Schritt drin, dass ich es so probieren wollte.



Zum Glück stand alle 2 km jemand von meinem Team mit meiner Eigenverpflegung da, die ich auch tatsächlich jedes Mal genommen habe.

Nach den ersten 2 Runden dachte ich, das wird heute mein Tag, ich schaffe es. Mein Papa aber war etwas besorgt, da wir nie die angepeilte Zeit liefen, denn keiner wusste ja wie fit ich sein würde.

Nach 3 Runden bekam ich dann doch plötzlich etwas Angst, dass ich es falsch angegangen sei. Es waren ja noch schließlich 3 weitere Runden und die letzten beiden musste ich ohne Anna rennen. Es tat so unfassbar gut mit Anna gemeinsam zu starten und sie an meiner Seite zu haben. Es gab mir Sicherheit. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft.



Aber nach 4 Runden sagte Anna zu mir, dass ich ein Puffer von 5 min hätte. Irgendwie beruhigte mich das. Zumal ich mich auch noch echt gut fühlte. In der letzten Runde holte ich dann noch die führende Frau ein. Zugegeben ich wusste gar nicht an wie vielter Position ich war und mir war es in dem Moment auch egal. Aber als Papa dann sagte, dass ich nun führe, dachte ich mir: Geil und das bringst du jetzt auch so ins Ziel Anna. Selbst wenn sie noch mal kommt, dann kannst du auf jeden Fall mitgehen. So viel Selbstbewusstsein habe ich eigentlich nie:) Aber in der letzten Runde war ich so happy, dass es aufgehen wird.

Auf den letzten Metern stand dann noch meine Emma auf dem Arm meiner Mama. Das war wirklich ein tolles Gefühl.



Im Ziel angekommen war ich einfach nur glücklich und dankbar, dass ich so tolle Freunde und Familie habe ohne die das nie möglich gewesen wäre. Tja, und mit 15 min schneller als geplant und 25 min unter der geforderten Qualifikationszeit kann Boston nun kommen.

erstellt von
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Anna Plinke

Steuerberaterin von Regensburg

Altersklasse: 1988
Verein: LG Telis Finanz Regensburg
Trainer: Ich selbst

Meine Disziplinen
Halbmarathon Marathon 10 Kilometer

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