Es ist kurz vor Weihnachten. Bald werden wieder viele Truthähne, Schweine und Enten auf den Weihnachtstischen liegen. Darum möchte ich dir heute kurz erzählen wieso es bei mir auch Weihnachten kein Fleisch gibt und vielleicht, ja vielleicht entscheidest du dich ja dieses Jahr auch für ein Weihnachten ohne Tierleid. Viel Spaß beim Lesen!

Ernährung ist mittlerweile sehr individuell geworden. Von vegan über glutenfrei bis hin zu histaminarm erstreckt sich die Bandbreite der Kochbücher in seiner Diversität. Auch über Ländergrenzen hinweg ernährt man sich verschieden. Von der deftigen ungarischen Küche mit Gulasch über die mediterrane Mittelmeerküche bis hin zur persisch-orientalisch angehauchten Küche mit Taboulé, Falafel und Hummus. Ich glaube was alle Menschen verbindet ist, dass man sich mit der jeweiligen Ernährung gesund, glücklich und zufrieden fühlen möchte. Natürlich kommen auch kulturelle und soziale Faktoren hinzu, welche die Ernährung maßgeblich beeinflussen. Trotzdem sollte es meiner Meinung nach das Wichtigste sein, sich so zu ernähren, dass der Körper alle lebensnotwendigen Nährstoffe bekommt, sodass es einem an nichts mangelt und man bis ins hohe Alter ein gesundes und vitales Leben führen kann.

Ich weiß nicht ob es die pauschal „richtige“ Ernährung für jeden geben kann. Dies kann und möchte ich nicht beurteilen. Aber ich glaube ich habe für mich einen sehr guten Weg gefunden und weil ich weiß, dass auch andere Sichtweisen und Geschichten inspirieren können möchte ich an dieser Stelle ein paar Einblicke in meine Ernährung gewähren. Für mich ist es so perfekt. Muss es aber nicht für jeden sein und ich möchte keinen missionarisch motivierten Text verfassen. Vielleicht kann ich dir aber einen Denkanstoß geben oder du kannst einfach mal neue, kreative Ideen in der Küche verwirklichen.

Ganz zu Anfang: Ich ernähre mich seit mehr als 2 Jahren zu einem großen Teil pflanzlich. Dabei möchte ich „Teil“ ganz besonders betonen, denn es bedeutet nicht, dass ich 7 Tage die Woche 100% pflanzlich esse. Gerne esse ich sonntags mal ein Ei und Honig ist mein Süßungsmittel erster Wahl. Dazu aber später Konkretes. Vegetarisch lebe ich bereits seit 8 Jahren und habe seitdem nicht mehr wissentlich Fleisch gegessen. Wie alles anfing?

Ich bin in einem sehr sehr kleinen Ort aufgewachsen, in der Nähe von München. Man braucht zwar nur 25 Minuten mit dem Auto in die Stadt, aber trotzdem bin ich unglaublich ländlich groß geworden, was mich, so weiß ich es heute, in meinem Denken sehr stark geprägt hat. Ich liebte es schon als Kind, die Tiere auf den umliegenden Bauernhöfen zu besuchen, die warmen Schnauzen der Kühe zu streicheln oder den Schweinen ein paar Äpfel vorbeizubringen. Wenn ich morgens aufwachte, hörte ich den Hahn nebenan krähen und die Hühner gackern. Ich selbst hatte 17 Jahre lang eine Katze, danach einen Hund und meine Nachbarn hatten einen Hasen. Als ich im vergangenen Jahr mit einer meiner Klassen einen Wildpark besuchte verstärkte sich in mir die Annahme, dass besonders Kinder ein sehr empathisches Verhältnis zu Tieren haben. Besonders die lauten, schwierigen Kinder meiner Klasse streichelten mit großer Hingabe die Rehe oder gaben den Pferden begeistert mit flacher Hand ein Stück Brot.

Was mir bis heute noch in Erinnerung bleibt, ist die Tatsache, dass ich es als Kind schon immer ziemlich belastend fand, wenn nach dem Sommer, in dem die Kälbchen auf der Weide jeden Tag merklich ein Stück größer geworden waren, auf einmal verschwunden waren. „Bestimmt sind sie im Stall“ hoffte ich. Zwei Schweine hatten es mir besonders angetan, von einem weiß ich bis heute den Namen. Ich besuchte sie jeden Tag, bis der Bauer des Hofes mir mitteilte, dass sie nur noch 2 Monate zu leben hätten. Das fand ich so schlimm, dass ich nachts weinte und sie nie wieder besuchte. Was mich schon als Kind beschäftigte, war der Fakt, weshalb unsere Katze, der Hase von den Nachbarn oder die Esel auf dem Bauernhof nebenan ihr hoffentlich glückliches Dasein fristen durften, während das Leben der Schweine, Hühner oder Kühe jäh beendet wurde. Wer bestimmte sowas? „So ist es schon immer gewesen“ sagte meine Oma, als ich sie danach fragte. Aber ist das, was schon immer so gewesen ist, immer richtig? Obwohl ich damals natürlich ganz „normal“ weiter Fleisch und tierische Produkte aß, weiß ich noch, dass ich schon als kleines Mädchen ein beklemmendes Gefühl bekam, wenn wir auf der Autobahn einen Tiertransporter überholten und es sich ein bisschen wie unterlassene Hilfeleistung anfühlte. Heute weiß ich, dass dieses Phänomen „Speziesismus“ heißt und laut dem Duden die „Anschauung ist, nach der der Mensch allen anderen Arten überlegen und daher berechtigt sei, deren Vertreter nach seinem Gutdünken zu behandeln“. Diese zugegebenermaßen etwas sperrige Definition erklärt die Tatsache, dass wir Schweine essen und Hunde streicheln. Natürlich möchte ich an dieser Stelle nicht pauschalisieren, ich meine, in Indien ist die Kuh auch heilig und ich möchte meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass nicht irgendwo auf der Welt Hunde verspeist werden. Trotzdem ist es eben überall so, dass wir mit manchen Tieren „zusammen“ leben, sie füttern, sie streicheln oder uns einfach um sie kümmern und sie liebhaben. Ich kann schlecht schlafen, wenn ich meinem Hund nicht „Schlaf gut“ ins wuschelige Ohr geflüstert habe und wenn er dann seine feuchte Schnauze gegen meine Hand presst, bekommt mich ein ganz besonderes Gefühl. Und andere Lebewesen sind ganz einfach „Nutz“-Tiere, wir halten sie wegen ihrem Fleisch, ihren tierischen Erzeugnissen wie Milch, Wolle oder ihrem Pelz.

Natürlich hinterfragt man als Kind Dinge nicht so, wie man es als Erwachsener tut. Man nimmt sie als gegeben hin und ich muss auch sagen, dass mir Fleisch ausgezeichnet schmeckte und wahrscheinlich würde es dies auch noch heute tun. Kennt ihr noch diese Freundebücher, die man als Kind immer ausfüllen durfte? Bei „Mein Lieblingsessen“ schrieb ich immer „Schweinebraten mit Knödeln“ rein und ich vertilgte mit keiner Spur von schlechtem Gewissen Weißwurst, Leberkäse und Salami. Ich muss auch sagen, dass ich das Fleisch überhaupt nicht mit den Tieren assoziierte, die nebenan auf der Weide ihr Gras fraßen. Natürlich wusste ich woher das Fleisch kam und dass dafür Tiere ihr Leben lassen mussten, aber bei den fertig vorfiletierten Medaillons in der Pfanne meiner Mama konnte ich mich relativ gut davon distanzieren. Trotzdem schaute ich immer weg, wenn im Fernsehen etwas von Schlachthöfen zu sehen war und ich finde alleine das Wort schon ziemlich grauenvoll. Über dieses „Wegsehen“ habe ich viel nachgedacht. Ich denke „Wegsehen“ erleichtert vieles, so auch im Alltag: Möchte zum Beispiel eine behinderte, alte oder blinde Person eine Treppe hinauf, so bieten verhältnismäßig wenige Menschen ihre Hand zum Helfen an. Obwohl es vielleicht nur fünf Minuten ihrer Zeit in Anspruch nehmen würde, wenn überhaupt. Wenn man in diesem Moment ganz bewusst wegsieht, zieht man sich aus der Affäre, man hat ja „nichts gesehen“. Sind es Berührungsängste oder die Angst vor den Blicken der Anderen? Ich bin noch nicht ganz dahintergekommen, aber man nennt diesen eintretenden Effekt in der Psychologie „Zuschauereffekt“. Eine andere Bezeichnung ist „Bystander-Effekt“ oder auch „Pluristische Ignoranz“. Darunter versteht man das Phänomen, dass einzelne Augenzeugen eines Unfalls mit nachlassender Wahrscheinlichkeit eingreifen oder Hilfe leisten, wenn weitere Zuschauer anwesend sind oder hinzukommen. Bedeutet: Helfen verhältnismäßig wenige Personen bzw. überhaupt keiner der Person mit besonderen Bedürfnissen die Treppe hoch, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass du oder ich helfen. Wieso ausgerechnet ich? Wenn keiner von den Anderen hilft, vielleicht ist es dann überhaupt nicht so schlimm? Vielleicht braucht sie gar keine Hilfe?

Mir ist schon bewusst, dass die Situation nicht 1:1 übertragbar ist, aber ich muss sagen, mir ist in den Jahren noch keiner untergekommen, der sich Schlachthofszenen in den Tagesthemen oder Dokumentarfilmen mit großer Begeisterung ansieht. Mich eingeschlossen, meist flüchte ich aus dem Raum, halte Augen und Ohren zu oder schalte schnell um, wenn auf Großbild Kühen ein Bolzen in den Kopf geschossen wird. Fleischesser sind mir dagegen einige untergekommen. Grillen ist ja wohl männlicher denn je und ja, nur mit Fleisch und dessen Protein werden Muskeln aufgebaut. Was können wir zu Weihnachten essen, wenn nicht die Weihnachtsgans und wir lieben das zarte Fleisch vom Lamm beim Inder. Außerdem, wir brauchen doch Fleisch in einer ausgewogenen Ernährung. Preis für diesen Genuss ist, so manifestierte es sich in den Jahren immer mehr in meinem Denken, ein totes Lebewesen. Ich verband die Steaks und Würste auf meinen Tellern zunehmend mit den Tieren, die ich eigentlich sehr gerne mochte und ich muss sagen, vielleicht schmeckte es mir da schon nicht mehr ganz so gut. Aber immer noch. Ich redete mir dann immer ein, dass ich das Tier ja nicht „gekannt“ hatte und es keinen Namen gehabt hatte und dass es das Tier ja nicht anders kannte. Dass sein Tod bestimmt sehr schnell verlaufen war und es nichts gemerkt hatte. Dass das Fleisch „bio“ war und das Tier bestimmt ein schönes, artgerechtes Leben gehabt hatte und das Fleischessen eben „normal“ sei. Heute denke ich darüber ganz anders, aber das ist wie wohl alles im Leben ein Prozess und ja, nur weil du schon 60 Jahre lang Fleisch gegessen hast, kannst du immer noch die restlichen Jahre kein Fleisch mehr essen.

So konnte ich es mir – vor ziemlich genau 8 Jahren – tatsächlich nicht vorstellen, mein Leben lang kein Fleisch mehr zu essen. Ich dachte auch, mein Körper benötigt 1-2 Mal die Woche Fleisch, um alle lebensnotwendigen Nährstoffe zu bekommen und gesunde Ernährung war mir schon immer wichtig. Ich wusste, dass nur ein gesunder Körper gute Leistungen erbringen kann und ich lief damals schon super viel. Außerdem gehörte für mich Fleisch an den Weihnachtsfeiertagen mit meiner Familie so dazu, wie Schnee in der Adventszeit (den ich im Übrigen in den letzten Jahren auch schmerzlich vermisst habe). Deshalb beschloss ich, erst nach Weihnachten mit zwei vegetarischen Monaten einzusteigen und noch das Weihnachtsessen mitzunehmen. Und spätestens an Ostern wieder mit dem vegetarischen Sperenzchen aufzuhören. Damals war ich sehr erbost darüber – heute betrachte ich es als glückliche Fügung – denn ich bestellte am 2. Weihnachtsfeiertag, welchen wir immer mit der Großfamilie feiern, einen Hirsch. Was soll ich sagen – der Hirsch war nicht gut. Mir war richtig übel und das Hirschtier lag noch 2 Tage in Schieflage in meinem Bauch. Mein Startschuss in ein vegetarisches Leben ohne Fleisch!!

Da ich noch nie besonders viel und in extremer Menge Fleisch verzehrt habe, fiel mir die Umstellung nicht besonders schwer. Mein Potpourri an vegetarischen Rezepten war groß, denn meine Mama kochte schon immer gut und gerne vegetarisch. Somit „vermisste“ ich an und für sich nichts, es störte mich nicht, wenn ich statt Spaghetti Bolognese nun Spaghetti Napoli aß. Da sich mittlerweile rund 6,5 Millionen Deutsche, also jeder zehnte (2020 laut Statista) vegetarisch ernähren, gab es auch in Hotels oder Gaststätten nie Probleme etwas auf der Speisekarte zu finden. Und selbst im Biergarten bekommt man, fragt man freundlich (!), immer Knödel mit Soße oder Bratkartoffeln.

Doch wieso gleich alle tierischen Produkte vermeiden? Vegetarisch wird von vielen akzeptiert, vegan geht dann doch zu weit und wird als extrem deklariert. Anders als bei vielen Anderen, fand meine Umstellung hin zu einer mehr pflanzlichen Ernährung eher „step by step“ statt. Es begann damit, dass mir auffiel, dass ich Milchprodukte nicht mehr so gut vertrug. Hatte ich als Kind den Rest Milch in der Müslischale noch ausgetrunken, weil es so gut nach Zimt und Hafer schmeckte (wer nicht?), bereiteten mir bereits kleine Mengen Milch Probleme. Um diese zu spezifizieren: Blähungen, Durchfall und Bauchweh. Deshalb ging ich zum Arzt und machte einen Laktoseintoleranz-Test, welcher tatsächlich bestätigte, dass ich keine Kuhmilchprodukte mehr vertrug. Menschen mit einer Laktoseintoleranz fehlt das Enzym Laktase. Dieses Enzym spaltet die Laktose der Milch im Dünndarm. Da die Laktose eine starke osmotische Wirkung hat (bedeutet sie bindet Wasser) führt sie zu Durchfällen. Gelangt sie in den Dickdarm, wird Laktose von Darmbakterien gespalten, wodurch Gase entstehen und es kommt zu Flatulenzen – auf gut Deutsch den Pups. Weltweit vertragen 70% der Weltbevölkerung keine Milch – eine ganz schöne Menge oder? Die Ärztin empfahl mir vor dem Verzehr von Milchprodukten eine Laktase Tablette einzunehmen und ich könne alle Milchprodukte beschwerdefrei genießen. Dies ließ mich aber nicht wirklich glücklich zurück. Einmal nehme ich keine Tabletten in jeglicher Form zu mir und ich war schon immer strikt gegen die meisten Supplements und andere Formen der Ergänzungen der Ernährung. Außerdem stellte sich mir die Frage wie etwas gut und wichtig für den Körper sein könne, wenn man davor eine Tablette einnehmen musste, um es überhaupt zu essen. Allerdings hatte ich noch aus der Schule im Kopf, dass Milch für einen gesunden Knochenbau wichtig sei und generell das Kalzium der Milch unverzichtbar. Also die Tablette alternativlos? Eine Zeit lang trank ich entweder laktosefreie Milch oder nahm eine Tablette zu mir, bis ich im Edeka meines Vertrauens eine Hafermilch entdeckte. Da ich sowieso ein gefundenes Fressen für Artikel bin, welche mit „bio“, „pflanzlich“ oder „aus hofeigener Herstellung“ versehen sind, kaufte ich auch die Hafermilch, die sich angeblich auch „toll aufschäumen“ ließ für satte 3€. Da mich Soja-, Mandel- und Kokosmilch bisher so gar nicht begeistern konnten, war ich dementsprechend skeptisch und machte erst mal halb halb in meinen Cappuccino, also halb Kuh- und halb Hafermilch. Es war okay. Ich bin ganz ehrlich – es schmeckte schon anders als Kuhmilch. Ich sage aber an dieser Stelle bewusst „anders“ und nicht schlechter. Eine Umstellung wert? Ich glaube man gewöhnt sich an vieles. Statt 4 Löffel Zucker nur noch 2 in den Tee? Schmeckt vielleicht die erste Woche nicht ganz so gut, aber ganz ehrlich, nach 2 Wochen ist man daran gewöhnt. So dachte ich es mir auch bei meiner Hafermilch und wollte ihr eine ehrliche Chance geben. Mittlerweile trinke ich seit drei Jahren keine Milch mehr und meinem Darm und mir geht es blendend. Wieso ich die Kuhmilch dann doch trotz guten Gewissens und ach ja – dem wichtigen Kalzium – aufgegeben habe?

An dieser Stelle ein paar Kuhmilch-Facts:

  1. Eine Studie der Harvard Universität beobachtete 75.000 Frauen über einen Zeitraum von zwölf Jahren und zeigte, dass ein erhöhter Konsum von Milch nicht nur keine Schutzwirkung gegen Knochenbrüche hat, sondern sogar mit einem erhöhten Risiko für solche Verletzungen in Zusammenhang steht. Natürlich muss man bei egal welcher Studie immer bedenken, dass sicherlich auch Studien existieren, welche genau das Gegenteil belegen. Trotzdem habe ich erstaunlich viele Studien gefunden, welche Milch mit einem erhöhten Risiko für Osteoporose korrelieren.
  2. Kühe geben nicht einfach so Milch. Sondern genau wie Menschen, Hunde und alle anderen Säugetiere nur dann, wenn sie schwanger waren (weshalb sie „Säuge“-Tiere heißen). Damit das Kalb nichts wegtrinkt, wird es meist direkt nach der Geburt von seiner Mutter getrennt. Ein paar Wochen nach der Geburt ist die Kuh dann oft erneut schwanger. Durch die Überbeanspruchung von permanenter Schwangerschaft sind die meisten Kühe nach fünf Jahren so „verbraucht“, dass sie „wertlos“ geworden sind und in jungen Jahren geschlachtet werden. Die natürliche Lebenserwartung der Kuh liegt bei ungefähr 25 Jahren.
  3. Die »Herstellung« von Kuhmilch, also oftmals in Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft, schadet Umwelt und Klima enorm. Ein Großteil der klimaschädlichen Emissionen entsteht bereits im Verdauungsapparat der Kuh. Aber auch die Futtermittelproduktion hat einen bedeutenden Anteil. Die Herstellung von einem Liter Kuhmilch hat im globalen Durchschnitt eine Klimawirkung von rund 2,4kg Kohlendioxid, so viel entsteht etwa auch bei der Verbrennung von einem Liter Benzin. In Europa entspricht die Klimabelastung von einem Liter Kuhmilch etwa 1,3 kg Kohlendioxid. Die Emissionen, die Transport, Verarbeitung und Lagerung der Milch in Molkerei und Handel verursachen, sind hierbei noch unberücksichtigt. Milchalternativen, wie Hafer- oder Sojamilch, sind bei weitem umweltfreundlicher – wenn natürlich auch nicht klimaneutral

Egal ob aus ethischer, gesundheitlicher oder ökologischer Perspektive: Der Verzicht auf Kuhmilch kann auch ein „Ja“ sein zu besserer Tierhaltung, zu einem grüneren Planeten oder zu dir selbst. Für mich persönlich wiegt mittlerweile das ethische Argument am schwersten.

So weit so gut. Während ich Milchprodukte bis heute weitestgehend vermeide (klappt echt problemlos, ich esse zum Frühstück Kokosjoghurt, koche meine Soßen mit Hafercreme auf, lege auf meine Pizza Schmelzkäse auf Mandelbasis und sogar Eis gibt es mit Mandelmilch) hatte ich sonntags doch mal Lust auf ein weichgekochtes Ei. Ebenso probierte ich beim Backen viel mit Ei-Ersatz aus, zufrieden war ich nicht so richtig mit dem Ergebnis. Also habe ich mich ein wenig über das Eierlegen schlau gemacht: Fakt ist, ein Huhn legt so oder so Eier. In Mastbetrieben allerdings deutlich mehr als beim Bauern nebenan. Auch möchte ich die Tierhaltung in Mastbetrieben nicht unterstützen, ich möchte nicht daran schuld sein, dass ein fett gemästetes Huhn auf Gitterstäben sitzt und kein Tageslicht kennt. Deswegen ist mein Kompromiss: Gehe ich auswärts essen und kann nicht nachvollziehen woher das Ei kommt, esse ich es nicht. Kommt mein Ei vom Bauern nebenan, ist Ei für mich okay. Ich finde auch wichtig zu beobachten, wie du dich nach dem Essen fühlst. Dazu brauchst du keinen Arzt. Wann fühlst du dich voll, gebläht, müde? Welche Lebensmittel liefern dir Energie und du fühlst dich zufriedener? Ich habe eine Zeit lang bewusst auf Eier verzichtet und ich habe mich nicht besser gefühlt. Auch nicht schlechter. Aber wenn ich Lust auf ein Ei am Sonntag habe möchte ich mir eben nichts verbieten. Ich denke jeder muss für sich die perfekte Ernährung finden, eine Ernährung, welche Spaß macht, dich nicht einschränkt, dich gut fühlen lässt und auch nicht zur sozialen Vereinsamung führt, weil du alleine mit deiner Tupperdose am Schreibtisch sitzt und nicht mit deinen Kolleg: innen in die Kantine gehen kannst. Für mich persönlich sind meine Gesundheit, Tierwohl und ein grünerer Planet unglaublich wichtig und wenn ich all dies mit meiner Ernährung positiv unterstützen kann, fühlt es sich für mich überhaupt nicht an wie verzichten.

Wenn ich meiner Ernährung einen Namen geben müsste, würde ich wahrscheinlich irgendwo zwischen Vegetarierin, Vollwertköstlerin und Veganerin landen. Ich finde aber, zum „Vegansein“ gehört noch mehr dazu, als nur die Ernährung. Ich würde sagen, ich ernähre mich gerne saisonal und bunt. Ich ernähre mich so, dass es sich gut in das wirkliche Leben integrieren lässt. Ist mal ein tierisches Produkt dabei, bricht mir kein Zacken aus der Krone und ich esse einfach am Tag darauf wieder eine komplett pflanzliche Mahlzeit. Alles in Balance. Alles in Buddha!

Und hast du keinen B12 Mangel? B12 ist ein Vitamin, welches nur in tierischen Lebensmitteln enthalten ist. Menschen, die sich ausschließlich pflanzlich ernähren, müssen es durch qualitativ hochwertige Nahrungsergänzungsmittel substituieren. Allerdings bekommen viele der Tiere in Massentierhaltung ebenso B12 supplementiert, da sie zu wenig bzw. keinen Zugang zu natürlichen Mineralstoffen haben. B12 ist zum Beispiel wichtig für die Zellteilung, das Nervensystem oder die Blutbildung. Tatsächlich lasse ich mein Blut aber halbjährlich auf diverse Mängel überprüfen und mir hat es bisher noch nie an etwas gemangelt. Auch nicht an B12. Gott sei Dank – ich muss aber sagen ich koche wirklich superbunt, saisonal und aus den verschiedensten Kochbüchern. Ich denke diese breite Palette hat mich bisher vor schweren Mängeln bewahrt.

So findet dieser (zugegebenermaßen wirklich lange) Blog hier sein Ende. Ich freue mich, wenn ich dich inspirieren konnte oder du vielleicht nur ein tierisches Lebensmittel durch ein pflanzliches ersetzen wirst. Aber allein das Bewusstsein für Kleinigkeiten zu wecken finde ich schon schön und ich bedanke mich an dieser Stelle fürs Lesen.

Sei lieb zu dir, den Tieren und dem Planeten Erde!

Ich wünsche dir ein wundervolles Weihnachten!

erstellt von
portrait

Marina Rappold

Grundschullehrerin von München

Altersklasse: 23
Verein: LG Telis Finanz Regensburg
Trainer: Markus Guetzlaff

Meine Disziplinen
Halbmarathon 10 Kilometer

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