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Die Lieblingsausrede vieler Menschen, um keinen Sport zu machen, ist „Ich habe leider keine Zeit!“. Ich finde allerdings, dass „keine Zeit“ kein Argument ist, um nicht zu laufen. Man muss sich nur besser organisieren, dann schafft es wirklich jeder zu laufen. Hierfür möchte ich Euch ein paar Tipps geben, denn Zeitmangel ist meine Hauptdisziplin!

Erst einmal vorab gesagt: Neben den vielen anderen Vorteilen ist Laufen die perfekte Ausdauersportart für Personen mit wenig Zeit. Auch das macht das Laufen so wertvoll. Will man beispielsweise mit Radfahren den gleichen Effekt erzielen, muss man zwei bis drei Mal so viel Zeit investieren.

Vor ein paar Jahren hatte ich einen Bänderriss, daher dufte ich 8 Wochen nicht laufen. Nachdem die Schwellung aus dem Knöchel raus war, erlaubte mir der Sportmediziner aber, wieder auf ein Indoor-Fahrrad zu gehen. Dabei fiel mir besonders auf, wie viel mehr Zeit man auf dem Rad investieren muss. Ich verbrachte deutlich mehr Stunden auf dem Rad als sonst laufend und schaffte es trotzdem nicht annähernd, meinen Ausdauerlevel zu halten.

Ich bin im Management tätig und arbeite viel. Das führt dazu, dass ich, gerade in den Marathon Vorbereitungswochen, Schwierigkeiten habe, mein Laufpensum neben der Arbeit zeitlich hinzubekommen. Daher habe ich ein paar Erfahrungen in dem Thema „Zeitmanagement“ sammeln können, die ich Euch in Form von Tipps mitgeben möchte.

Ich hoffe, meine Tipps öffnen ein paar neue Wege.

„Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden“ - z.B. den Weg zur Arbeit laufend zurücklegen

Bestimmte Dinge müssen einfach gemacht werden, zum Beispiel zur Arbeit zu kommen (wenn man nicht im Homeoffice arbeiten kann). Warum also diese Zeit nicht nutzen und zur Arbeit laufen? Natürlich braucht man laufend länger als mit dem Auto, aber man spart sich die Zeit der Autofahrt, weil man ja abends sowieso laufen wollte.

Für den Lauf zur Arbeit ist natürlich eine Dusche bei der Arbeit wichtig. Falls Ihr dieses Glück nicht habt, kann man ja von der Arbeit nach Hause laufen. Hierzu muss man dann natürlich für die Hinfahrt eine Alternative zum Auto finden. Vielleicht eine nette Kollegin, die in der Nähe wohnt oder die öffentlichen Verkehrsmittel?

Da zwei Läufe am Tag, also hin und zurück zur Arbeit, manchmal etwas viel sind, habe ich einfach zwei Tage lauftechnisch verbunden. Am ersten Tag bin ich mit dem Auto zur Arbeit gefahren und nach der Arbeit dann wieder nach Hause gelaufen. Am nächsten Tag dann morgens Laufschuhe an und zur Arbeit gelaufen. Und abends hieß es dann mit dem Auto zurückfahren. Solche Aktionen erfordern natürlich etwas vorausschauende Planung, weil man seine Klamotten fürs Büro am ersten Tag schon im Auto für den zweiten Tag mitnehmen muss.

Sowas hat am Rande bemerkt auch den Vorteil, dass man nicht zweimal hintereinander die gleiche Strecke läuft, denn ich finde, der Hinweg ist immer irgendwie anders als der Rückweg.

Am Ende meiner Marathon Trainings bin ich teilweise wirklich täglich zur Arbeit und auch wieder zurück nach Hause gelaufen. Das führt dann aber leider dazu, daß man nette Kollegen braucht, die einem dann mal die Büroklamotten mit ins Büro nehmen, bzw. verschwitze Sachen nach Hause bringen.

Für Läufe zur Arbeit hilft mir ein kleiner Trainingsrucksack weiter, denn ein paar Dinge benötige ich schon. Bei mir befindet sich im Rucksack etwas Geld (für den Kantinenbesuch mittags oder für den Fall, dass ich doch eine Busfahrkarte kaufen muss), der Wohnungsschlüssel, mein Handy, meine Zugangskarte fürs Büro und Gele für den den Fall einer Unterzuckerung.

Ein Rucksack ist bei Läufen zur Arbeit sinnvoll.

Ich versuche, bei chronischer Zeitnot auch andere „notwendige Wege“ als Laufeinheit zu nutzen. Ein Paket muss von der Post abgeholt werden? Oder das Auto aus der Werkstatt geholt werden? Der Physiotherapeut am anderen Ende der Stadt wird aufgesucht? All diese Wege lassen sich auch laufend absolvieren. Besonders der Besuch des Physiotherapeuten hat Vorteile, denn man kommt dort gleich aufgewärmt an. Natürlich sollte man sowas vorher mit dem Therapeuten absprechen, denn einen verschwitzen Körper zu behandeln mag nicht jeder. Ich habe mir aber immer ein kleines Handtuch und eine Packung Feuchttücher in meinem Laufrucksack, das ist ideal zum „trockenlegen“ vor der Behandlung durch den Physiotherapeuten. Allerdings habe ich auch eine andere Erkenntnis gewonnen. Es ist auch empfehlenswert, Wechselwäsche dabei zu haben. Es ist nämlich schon ziemlich unangenehm in den durchgeschwitzten feuchten Sport-BH zu schlüpfen, wenn man von der warmen Liege aufsteht. ;-)

Den Trainingsplan dem (beruflichen) Kalender anpassen

Ja, ich weiß, nach einem harten Training macht man am nächsten Tag eher eine ruhigere Einheit. Aber ich habe für mich beschlossen, daß ich notfalls den Trainingsplan etwas „umbauen“ muss. Es ist wichtig, vorausschauend zu planen. Ich versuche, am Wochenende meine beruflichen Termine der nächsten Woche so zu überblicken, daß ich weiß, wann welcher Lauf in die Woche passt. Der lange Lauf ist meist nur am Wochenende möglich. Und an manchen Tagen habe ich fast gar keine Zeit. Aber das ist das Gute an Intervallen oder Tempoläufen, diese sind meist weniger zeitaufwendig. Und bevor ich gar nicht laufen kann, laufe ich lieber kurz und schnell. 10 min aufwärmen, 15-20 min Intervalle, 10 min auslaufen. In 40 min kann man viel erreichen. Natürlich passe ich auf, keine Verletzung zu provozieren. An mehreren Tagen hintereinander gehen solche schnellen Einheiten natürlich nicht. Aber etwas kreativ versuche ich da schon zu sein. An Tagen, an denen ich abends definitiv keine Zeit habe, versuche ich dann wenigstens morgens ein wenig zu laufen, auch wenn mir das zugegebenermaßen echt schwer fällt, denn ich bin eher ein Abendläufer.

Auch kleine Lücken im Kalender versuche ich zu nutzen, beispielsweise die Mittagspause oder das halbstündige Zeitfenster zwischen Büro und einem Abendtermin. Das ist manchmal etwas stressig, aber von nichts kommt nichts.

Verabredungen abends zum gemeinsamen Lauf statt ins Restaurant 

Wenn ich im Stress bin, fehlt mir auch die Zeit, mich abends mit Freundinnen zu treffen. Dann versuche ich, meine privaten Verabredungen in Laufverabredungen umzuwandeln. Entweder verabrede ich mich wirklich mit meinen Freundinnen zum gemeinsamen Laufen oder, falls es keine Läufer sind, telefoniere ich beim Laufen mit ihnen. Das geht hervorragend. Ich habe meinen Bluetooth Kopfhörer und verabrede mich zum Telefonieren. Meist mache ich sowas bei gemütlichen langsamen Läufen, auch bei Longruns. Aber sogar bei Intervallen ist das möglich. Man muss nur vorher dem Gesprächspartner deutlich machen, was man vorhat. Und bei den schnellen und anstrengenden Minuten muss der andere dann eben reden. Das ist wirklich ganz witzig, und die meisten Menschen machen das ganz gerne.

Am coolsten ist es natürlich, wenn man nach einem langen langsamen Lauf das Telefonat beendet und der Gesprächspartner gar nicht bemerkt hat, daß man die ganze Zeit während des Telefonates gelaufen ist. Dann war das Tempo genau richtig gewählt.

Am Rande bemerkt mache ich das mit dem Telefonieren auch mal, wenn mir beim Laufen nicht ganz wohl ist, weil es zum Beispiel dunkel ist. Da ist ein gemeinsames Telefonat eine gute Absicherung.

Außerdem bietet das Telefonieren beim Laufen die Möglichkeit, "mit Freunden zu laufen", die ein anderes Tempo als man selbst haben oder die in einer anderen Stadt leben.

Der wichtigste und schwierigste Tipp

Manchmal sind die Wochen arbeitsmäßig sowas von vollgepackt, dass einfach nur sehr wenig an Lauftraining möglich ist. Wie man die Woche auch dreht und wendet, es geht einfach nicht viel. Dann muss man das auch mal akzeptieren und darf sich nicht verrückt machen. Es ist dann nun mal so. Aber man sollte trotzdem immer vorbereitet sein. Auch wenn man auf der Dienstreise definitiv keine Zeit zu laufen hat, ich nehme meine Laufsachen trotzdem mit, denn manchmal fällt doch überraschend ein Termin aus. Und wenn ich tagsüber gar keine Zeit zu laufen habe, liegen meine Laufsachen trotzdem im Auto, vielleicht ergibt sich ja doch eine unerwartete Möglichkeit. Falls das aber nicht eintritt ist es nun mal so. Schließlich ist die Erholung die wichtigste Trainingseinheit!

Den Spass sollte man nie verlieren.

erstellt von
portrait

Sandra Ritter

Personaler am Airport von Hannover

Altersklasse: 50

Verein: Hannover Runners

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