Im zweiten Teil meines Berichtes habe ich Euch erzählt, wie ich meinen ersten Wettkampf gelaufen bin. Direkt 18 km. Danach war ich extrem kaputt und mindestens genauso stolz. War ich deshalb direkt eine Läuferin geworden?

Warum habe ich angefangen zu laufen?

Interessanterweise habe ich das Laufen angefangen, um meinen Kopf frei zu bekommen. Dass sich durch das Laufen mein Körper verändern würde, habe ich ehrlich nicht erwartet. Nachdem ich regelmäßig lief, wurde ich tatsächlich angesprochen, ob ich abgenommen habe. Anfänglich habe ich das für einen Scherz gehalten. Aber es passierte häufiger und ich habe mich dann mal gewogen. Tatsächlich habe ich durchs Laufen ca. 8 kg abgenommen. Meine Kleidergröße hat sich um ein bis zwei Größen verringert. Aber das war nur ein schöner Nebeneffekt, der wirkliche Grund, warum ich laufe, ist auch heute noch mein Geist, nicht mein Körper. Ich möchte nach einem stressigen Arbeitstag meinen Kopf frei bekommen. Wenn ich laufen war, bin ich entspannt, friedlich und auf wundersame Weise sind meine Gedanken wieder frei und klar. Dieser Effekt ist einfach wunderbar. Für mich wäre es eine Katastrophe, wenn ich nicht mehr laufen könnte.

Es hat bei mir sehr lange gedauert, bis ich mich als eine echte Läuferin fühlte. Ich machte nur sehr langsam Fortschritte. Lange Zeit fühlte ich mich wie jemand, der „versucht zu laufen“. Der aber nicht wirklich dazu gehört. Ich bewundere noch heute Menschen, die das Laufen beginnen und innerhalb kürzester Zeit richtig gut und schnell laufen. Ich habe Jahre gebraucht, um mich als eine Läuferin zu fühlen. Sportlich, ich? Auch das dauerte viele Jahre bis ich ohne zu stocken von mir behaupten konnte, dass ich sportlich bin. 100 % schaffe ich das eigentlich bis heute nicht.

Was wäre wenn....

Ich glaube, dass die Ursachen hierfür in der Kindheit und vor allem in der Schule gelegt werden. Im Sportunterricht wurde mir das Gefühl gegeben, dass ich unsportlich bin. Bei Ballsportarten war ich oft die letzte, die ausgewählt wurde. Ich war Brillenträgerin, das verunsicherte mich zusätzlich. Ich hatte Angst, vom Schwebebalken zu fallen oder einen Ball ins Gesicht zu bekommen.

Natürlich habe ich darüber nachgedacht, was wohl gewesen wäre, wenn mir jemand das Laufen als Kind oder Jugendliche näher gebracht hätte. Das passierte leider weder im Elternhaus noch beim Sportunterricht in der Schule. Ich beneide Menschen, die von früher Jugend an im Laufen gefördert wurden. In dieser Zeit wird der Grundstein für die Ausdauerfähigkeit gelegt. Wahrscheinlich hätte ich sportlich durchaus etwas erreichen können. Das hätte mir auch Selbstbewusstsein gegeben. Wer mich heute kennt vermutet es wahrscheinlich nicht, aber ich war ein schüchternes Mädchen. Ich habe mir nicht viel zugetraut und war unsicher. Ausdauersport hätte dies vielleicht verändert. Möglicherweise wäre mein Leben anders verlaufen.

Aber es ist nun einmal so. Ich bin dankbar, dass ich das Laufen als erwachsene Frau noch selbst entdecken konnte. Dass ich damals in der Laufgruppe meines Arbeitgebers meine Abmeldung nicht abgegeben habe. Ich habe weiter trainiert, habe viel Spaß beim Laufen, viele Freunde kennen gelernt und bin seit dem viele Wettkämpfe gelaufen. Trotzdem war das Thema Marathon für mich lange Zeit unvorstellbar. 42 km? Ich? Niemals! Wie kam ich dann zu meinem ersten Marathon?

Das lest Ihr im vierten Teil meines Berichtes. Ich hoffe Ihr freut Euch drauf.
erstellt von
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Sandra Ritter

Personaler am Airport von Hannover


Verein: Hannover Runners

Meine Disziplinen
10 Kilometer Traillaufen Halbmarathon Marathon Yoga / Pilates

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