TEILEN
Das Kernstück des Pilates-Trainings lässt sich mit den einfachen Worten „Rumpf ist Trumpf“ zusammenfassen, denn hier steht vor allem die Kräftigung des Cores im Mittelpunkt. Auch für Läufer ist das Zusammenspiel der Rumpfmuskulatur von enormer Bedeutung – gerade, wenn das Tempo angezogen wird. Offiziell zählt Pilates zu den Entspannungsverfahren, also zur gleichen Kategorie wie Yoga oder PMR, kann aber auch ganz schön anstrengend sein. Im Folgenden erkläre ich dir, wo Pilates eigentlich her kom
Wo kommt Pilates eigentlich her?

Pilates hat tatsächlich keine fernöstliche und jahrhundertalte Tradition, sondern wurde vor rund 100 Jahren von Joseph Hubertus Pilates entwickelt, der 1880 in der Nähe von Düsseldorf geboren wurde. Joseph Pilates litt an Asthma und galt als schwächliches, häufig krankes Kind. Dennoch begann er schon früh, sich aktiv mit seinem Körper und seinen Schwächen auseinanderzusetzen. Er versuchte sich in verschiedenen Sportarten wie Turnen, Boxen, Schwimmen und Skifahren, dem Krafttraining und Gymnastik, um seinen schlechten Gesundheitszustand zu verbessern und seinen Körper zu kräftigen. Aus dem kränklichen Kind war so schließlich ein starker, junger Mann geworden, der sich in seinem Streben nach körperlicher Perfektion auch mit fernöstlichen Trainingsmethoden beschäftigte. An Sportarten wie Tai Chi oder Yoga faszinierte ihn vor allem der Aspekt der mentalen Konzentration sowie die immense Bedeutung der Atmung. Unter all diesen Einflüssen entwickelte er basierend auf präzisen und kontrollierten Bewegungen seine eigene Trainingstechnik, die er „Contrology“ nannte. Mit Anfang 30 ging er schließlich nach England, wo er die Kriegsverletzten aus dem ersten Weltkrieg mit seiner Trainingsmethode aus Kraft- und Dehnübungen wieder aufbaute. Schließlich verschlug es den sportbegeisterten Pilates nach New York, wo er auch seine Frau Clara, eine Krankenschwester und Physiotherapeutin, kennenlernte. Die beiden gründeten mithilfe des Profiboxers Max Schmeling 1926 ein Studio im Haus des New York City Ballet am Broadway. Das neuartige Training stieß auf regen Anklang bei Schauspielerinnen und Tänzerinnen, was auch den Einfluss von Tanz und Ballett im Pilates erklärt. Pilates unterrichtete bis zu seinem Lebensende (1967) und bildete während seiner Trainertätigkeit auch seine Schüler aus, die sein Trainingsprogramm weiterführten und vor allem weitergaben, sodass der Übungskatalog heute rund 500 Übungen umfasst. Dabei ist nicht nur das WAS entscheidend, sondern auch das WIE und WARUM, was Körper und Geist als eine Einheit verbindet.

Nur durch die Kontrolle und Verantwortung über den eigenen Körper kann Freiheit des Geistes erreicht werden.

Was mich persönlich an der Historie des Pilates fasziniert, sind die vielseitigen Einflüsse, aus denen sich das Pilatestraining schließlich entwickeln konnte. Außerdem rührt es mich, dass es gerade Pilates war, das Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg half, die Verbindung zwischen dem eigenen Körper und Geist wieder aufzubauen und zu stärken. Auch ich fand meinen Weg zum Pilatestraining, als es mir sowohl körperlich als auch geistig nicht besonders gut ging. Sowohl im Studium als auch in meinen Fitnesskursen und eigenem Training habe ich immer 110% Power gegeben, mich unter Druck gesetzt und nach und nach das Gefühl für den eigenen Körper verloren: zu wenig Schlaf, zu wenig Essen, zu viel Sport und Leistung. Als dann immer mehr Verletzungen, Panikattacken und Schlafstörungen dazu kamen, wusste ich, dass ich etwas ändern muss! Nachdem ich mich auch Meditation und Yoga ausprobiert hatte, habe ich mich schließlich ins Pilates verliebt. Das Tollste an diesem Training war und ist für mich, dass man sich aktiv erholen kann und während der Einheit gar keine Zeit hat, an etwas anderes zu denken, da man sich ständig auf die bewusste Ansteuerung der Muskulatur konzentrieren muss. Der Gedanke hat mir gefallen, dass aus einer starken Körpermitte auch ein starker Mensch wird und so bin ich bis heute ein großer Fan des Pilates.

Hier erfährst du etwas über die sechs Trainingsprinzipien:

Die sechs Trainingsprinzipien nach Pilates

Pilates formulierte für sein Trainingsprogramm sechs Prinzipien bzw. Grundsätze, die gleichermaßen von Bedeutung sind, um die Übungen korrekt und zweckmäßig durchzuführen und die bis heute Gültigkeit beanspruchen. Zu diesen zählen:

Atmung: Durch die bewusste Brust-Flanken-Atmung werden nicht nur die Muskeln des Körpers, sondern auch die Lungen in einem Workout trainiert. Das tiefe Einatmen durch die Nase fördert die Sauerstoffaufnahme des Bluts, das feste Ausatmen durch den Mund aktiviert die Tiefenmuskulatur. Gleichzeitig entspannt das bewusste Atmen und rhythmisiert die Übungen, die so im Einklang mit dem eigenen Körper durchgeführt werden können.

Zentrierung: Jede einzelne Bewegung entspringt aus dem Körperzentrum durch die Aktivierung des Powerhouses. So werden die unterschiedlichen Muskelschichten von innen nach außen trainiert. Das bedeutet, dass vor Übungsbeginn die tiefer liegenden Muskeln (Stabilisatoren) bewusst angespannt und mit dem Einsetzen der Bewegung auch die oberflächlichen (Mobilisatoren) trainiert werden.

Bewegungsfluss: Das Pilatestraining ist als eine Einheit zu verstehen, die sich aus einzelnen Übungen mit weichen Übergängen zusammensetzt. Das Gefühl für die geschmeidigen und fließenden Bewegungen steht über dem Tempo der Bewegungsausführungen.

Konzentration: Alle Gedanken sind weg vom Alltag und auf die korrekte Bewegungsausführung und den eigenen Körper zu lenken, was dazu führen soll, sich nach dem Training geistig frisch und entspannt zu fühlen.

Kontrolle: Die Bewegungen müssen ganz bewusst ausgeführt und geistig gesteuert werden. Durch höchste Körperbeherrschung kann der Körper intensiv trainiert und gleichzeitig vor Verletzungen geschützt werden.

Präzision: Hier gilt das Prinzip: Qualität vor Quantität. Nur die korrekte und präzise Bewegungsausführung führt zu den gewünschten Trainingseffekten.

Ziele und Effekte des Pilatestrainings

Der Charakter des Pilatestrainings zeichnet sich durch langsame, fließende und kontrollierte Bewegungen aus, die graziös, aber auch effektiv sind. Pilates soll den Trainierenden nicht „auspowern“. Es ist vielmehr als ein System von Bewegungen zu verstehen, das Körper und Geist gleichermaßen stärkt. Obwohl zwar die gesamte Muskulatur in einem ausgewogenen Verhältnis gekräftigt und gedehnt wird, wird vorrangig die Rumpfmuskulatur angesprochen, wodurch ein starkes, stabiles Körperzentrum aufgebaut werden soll. Dabei werden sowohl die oberflächlichen als auch die tieferen, wirbelsäulennahen Muskeln gekräftigt und gelenkschonend aufgebaut.

Pilates verfolgt durch sein besonderes Trainingsprinzip eine Vielzahl von Zielen, die sich bei regelmäßigem Training erreichen lassen. Neben der bereits erwähnten Kräftigung und dem Dehnen der Muskulatur führen die Übungen zu einer verbesserten Beweglichkeit. Außerdem wird durch die Komplexität der Übungen und der oft angesprochenen und geforderten Gleichgewichtsfähigkeit die Koordination geschult. Es kommt weiterhin zu einer aufrechteren Haltung durch das Bewusstwerden der verschiedenen Stellungen des Beckens und der Wirbelsäule während der Übungen sowie zur ausgewogenen Kräftigung der entsprechenden Muskulatur, die die Knochen, Bandscheiben und Knorpel entlasten. Dies bewirkt auch eine Verringerung von Haltungsproblemen und Muskelverspannungen. Pilates soll ebenso die eigene Körperwahrnehmung durch die bewusste Bewegungsausführung optimieren und so zu einer anmutigeren Bewegungsweise führen. Ein weiterer wichtiger Aspekt stellt die Entspannung dar, um Abstand vom oft stressigen Alltag zu gewinnen und ganz bei sich selbst zu sein.

Zusammenfassende Worte

Zusammenfassend lässt sich über Pilates sagen, dass es eine einzigartige Form des Trainings ist, das den Menschen ganzheitlich körperlich und geistig stärkt. Pilates ist für jedes Alter und Fitnesslevel geeignet, da Tempo und Intensität von den Übenden selbst bestimmt werden. Das Workout kann sowohl in der Gruppe als auch alleine zu Hause durchgeführt werden, ohne dass es zusätzlicher Trainingsgeräte bedarf.

Gerade für Läufer trägt Pilates dazu bei, eine kräftigere und stabilere Körpermitte aufzubauen, wodurch die Leistung gesteigert und Schmerzen oder gar Verletzungen vorgebeugt werden können. Dabei kommt es nicht darauf an, „Muskelberge“ aufzubauen, sondern die Muskulatur in ihrer Funktionalität zu stärken.

Elisa Dambeck – Fitness Professional

www.elisadambeck.de

www.instagram.com/elisadambeckfitness

erstellt von
portrait

Elisa Dambeck

Gymnasiallehrerin (Sport, Deutsch), Fitness- und Personal Trainerin von Zwickauer Land, Erfurt, Jena

Altersklasse: 26

MEINE DISZIPLINEN
Kraft-Training Fitness Funktionelles Training Yoga / Pilates
MEINE DISZIPLINEN
strength_training fitness functional_training yoga_or_pilates

Willst Du mehr über die ASICS FrontRunner erfahren?