Kennst du das auch, dass du dir wünschst, dass es leichter wird in deinem Leben? Ich erzähle dir heute von einem Menschen, dem es auch so ging. Und wie sich sein Leben veränderte, indem er neue Wege ging.

Ein Jurist kam zu mir ins Coaching (1). Er ist seit seiner Kindheit sehr sportlich und zugleich beruflich sehr erfolgreich. Was immer er anpackte und als Ziel hatte, das klappte. Sportlich gehörte er als junger Mann lange zu den besten in Deutschland in seinem Bereich. Und als er dann nebenbei seine juristischen Staatsexamina machte, war er gut genug organisiert, um den Sport zusätzlich zu dem enormen Lernumfang zu meistern. Er spezialisierte sich beruflich auf ein Thema, das nicht viele beherrschten. So bekam er bald eine tolle Stelle in einer großen Kanzlei und es öffneten sich weitere Karrieretüren bis er seine eigene Kanzlei führte, die mittlerweile sehr renommiert ist. Er fand eine wundervolle Frau, mit der er tolle Kinder bekam. Diese Geschichte ist der Klassiker, ich habe sie einige Male beobachtet. Es funktioniert lange Zeit alles sehr gut. Klar war es manchmal hart, klar brauchte er Biss, aber er schaffte es. Und er wollte es auch gar nicht anders. Bis er Mitte vierzig wurde – plötzlich war das, was er im Spezialgebiet erlernt hatte durch drohende politische Rahmenbedingungen im Umbruch. Doch seine Auftraggeber wollten mit dem Wandel noch nichts zu tun haben. Er verlor Kunden, die noch am bisherigen Status Quo festhielten. Er hatte überzeugende Argumente und doch hörten sie ihm nicht zu. Als ob es nicht schon hart genug gewesen wäre, verließ ihn seine Frau für einen anderen, noch erfolgreicheren Mann. 

Er brauchte einen Neuanfang. Doch die Leichtigkeit wollte sich nicht einstellen. Er suchte sie in neuen Frauen, in härteren Sporteinheiten, begann mit verbissenem Marathon- Training und er kämpfte um seine verbliebenen Klienten. Und so kämpfte er Tag für Tag. Denn er wusste, das war relevant, damit seine Klienten wirtschaftlich überlebten. Und damit auch er selbst. Er hatte Angst davor, seine Familie zu verlieren und er mochte sich selbst nicht so richtig manchmal. Irgendwann landete er bei mir im Coaching. Er wollte einen Geheimtrick von mir, wie sein Leben leichter wird, irgend so eine Technik... Und so saß er bei mir und fragte mich: „Wo finde ich die Leichtigkeit wieder?“ - Ich antwortete: "Bei dir selbst.“ Mein Klient suchte sie im Außen, statt bei sich zu beginnen. Also begann er die mentale Leichtigkeit zu trainieren.

6 Wege zu mehr mentaler Leichtigkeit

  1. Steuere deinen Atem.
  2. Setze rechtzeitig Grenzen.
  3. Wie du (wieder) klarsehen und wahrnehmen kannst.
  4. Erkenne deine inneren Hürden.
  5. Die Welt ist, was du von ihr denkst.
  6. Schenke dir Auszeiten für Bewegung.

1. Steuere deinen Atem. Ich bekam einige Business Gespräche meines Klienten mit, da er ja auch im Coaching anfangs sein Smartphone nicht ausschalten konnte. Bei anstrengenden Gesprächen beobachtete ich, wie er immer schneller redete, sein gegenüber offensichtlich auch. Die Sprechpausen wurden immer kürzer, die Stimme lauter. Er atmete schnell und flach. Das passiert uns allen, wenn wir gestresst sind. Das Zuhören war eher ein Vor-Formulieren im Kopf der Gegenargumente. Ich fühlte den Stress schon beim Zuhören in mir selbst hochkriechen! Wir fanden für ihn eine Atemtechnik, die ihm mehr Ruhe beim Zuhören und Sprechen brachte und damit mehr Wirkung in seine Aussagen kam. Das heißt, obwohl er jetzt weniger redete, wurden seine Aussagen prägnanter, denn er hatte wieder gelernt zuzuhören und zu atmen. Klappt das immer? Nein. Und auch hier ist das Ziel, nicht perfekt zu sein, das klappt eh nicht, sondern es geht darum, ein Bewusstsein für das eigene Verhalten und die eigene Atmung zu entwickeln. Wir haben oft die Wahl! Mehr als wir denken in schweren Momenten.

Tipp: Atme in den Bauch und verlängere deine Ausatmung, das aktiviert dein parasympathisches Nervensystem und beruhigt also deine Nerven.

Auch Tiere entspannen uns.

2. Setze rechtzeitig Grenzen

„Papa, kannst du mich schnell zu meiner Freundin fahren, Mama kann nicht…?“, „Gibst du für mich das Auto zur Werkstatt – ich habe gerade keine Zeit?“. Die Familie meines Klienten hatte sich durch die Trennung verändert. Da er ein ständiges schlechtes Gewissen hatte, übernahm er sehr viele spontane Wünsche als Vaterpflicht, statt hier im Miteinander klare Spielregeln für alle zu definieren. Die Aufgabenteilung zwischen ihm und seiner Frau funktionierte nicht. Es gab keine klaren Absprachen. Jeder machte sein Ding und erwartete vom anderen, spontan einzuspringen. Dabei überschritten sie beieinander ständig unbewusst Grenzen. Eine Familie braucht Verantwortungsbereiche, die auch nach der Trennung klar kommuniziert sind. Ungewöhnliche Bitten und Ausnahmen sind dann wieder Ausnahmen, nicht alltägliche Freischeine im Miteinander. Familiäre Aufgaben sind in Gesprächen zu klären mit klaren Grenzen für beide Seiten. Bevor er ins Coaching kam, ließ er sich zum Spielball machen und durch diese Unplanbarkeit machte er wiederum unbewusst andere zum Spielball in seinem Leben. Das schaffte auf allen Seiten Unzufriedenheit. Dabei war das Wort „Grenzen“ zunächst unbehaglich für ihn.

Tipp: Rechtzeitig Grenzen setzen ist das, was den meisten von uns am schwersten fällt. Übrigens auch im beruflichen Kontext. Doch rechtzeitig formulierte Grenzen können wir (noch) freundlich und souverän formulieren –sie ermöglichen uns künftig mehr Leichtigkeit.

3. Wie du (wieder) klarsehen und wahrnehmen kannst

Wer zu eng an einem Wunschbild festhält, hat als großes Problem, dass dies ein Ideal ist, dass es so meistens gar nicht geben kann. Wer Ziele erreichen will braucht also Flexibilität im Umgang mit Hürden, einen Massnahmen-Plan: wenn das eintritt, dann mache ich das...

Es geht nicht darum etwas als gut oder schlecht einzustufen, sondern darum darauf zu vertrauen, dass wir damit umgehen können indem wir uns damit auseinandersetzen. Doch wer in die Zukunft gerichtet, kein gutes Gefühl hat, der hat Angst und mag nicht „hin“ gucken. Und diese Angst führt zu negativen Urteilen über sich, über andere Menschen und lässt uns nur in sehr begrenzten Perspektiven denken. Angst lähmt uns, nimmt uns die Leichtigkeit, führt zu noch mehr Wunsch nach Kontrolle und macht unseren Handlungsspielraum immer kleiner, statt ihn zu vergrößern. Wir vertrauen anderen nicht mehr, urteilen schnell über sie und sie urteilen über uns. Und so ging es auch dem Juristen. Er interpretierte die Verhaltensweisen von seinem Umfeld, statt mit ihnen zu reden. Er steuerte aus Angst vor seiner Zukunft immer mehr in ein negatives Bild seiner Welt, das er verkrampft in seine alte, gewohnte Welt umbiegen wollte.

Tipp: Der erste Schritt ist es, dir deiner inneren Mauern bewusst zu werden: wenn wir das Verhalten der anderen interpretieren, statt über unsere Perspektiven in Austausch gehen, ist die Gefahr sehr hoch, dass es beiderseits zu vielen Missverständnissen kommt. Lerne deine Gedanken als Interpretationen wahrzunehmen: was von deinen Gedanken sind erwiesene Fakten? Was kannst du gar nicht genau wissen? Wo gilt es Erfahrungen zu sammeln? Wie kannst du dein eigenes Verhalten, deine Gedanken dazu ändern? Wo gilt es den Perfektionismus abzulegen? Vielleicht hast du Lust, das täglich ca. 5 Minuten zu notieren, das bezeichnet man als Journaling.

4. Erkenne deine inneren Hürden

Der ambitionierte Sportler und Jurist fragte mich: „Was kann ich tun, wenn ich mein Hindernis nicht beeinflussen kann, da es außerhalb meiner Kontrolle liegt?“

Meist ist es schwer, die Umwelt zu verändern – unseren Umgang mit der Umwelt können wir aber verändern. Wenn du dabei einen inneren Widerstand fühlst, dich mit deinen eigenen Verhaltensmustern auseinanderzusetzen, dann denke daran, dass du im Widerstand die inneren Themen vergrößerst. Je mehr Widerstand wir gegen ein Gefühl leisten, umso stärker wird es. Wer sich also dagegen wehrt, erschöpft, müde, traurig oder wütend zu sein, der verstärkt diese Zustände nur noch. Also akzeptiere dein Gefühl und überlege dir, wie du mit diesem Gefühl umgehen willst, ohne dich zum Opfer zu machen und andere dauerhaft dein Gefühl bestimmen zu lassen. Nimm die Verantwortung für dein Gefühl in die Hand.

Tipp: Forsche nach Hindernissen in dir selbst: was hält dich davon ab, leicht zu sein? Und lasse auch deine unguten Gefühle in diesen Momenten zu. Such dir offene Menschen, die mit dir darüber sprechen ohne dich zu verurteilen. Denn jeder Mensch hat innere Hürden. Wenn du deine inneren Hürden erkennst, Maßnahmen und neue Routinen dafür überlegst, dann hast du mehr Kontrolle als du annimmst. Wenn es dir nicht möglich sein sollte, ein Hindernis aus eigener Kraft zu überwinden, dann löse dich von diesem unerreichbaren Wunsch und wende dich kleineren, erreichbareren Wünschen zu. (2)

5. Die Welt ist, was du von ihr denkst.

Gedanken erzeugen eine Resonanz. Denn wenn ich mich sorge, habe ich meistens auch ein sorgenvolles Gesicht, damit kann ich andere sogar unbewusst anstecken. Wenn ich mich nicht mag, suche im Handeln des anderen nach Indizien, die für oder gegen mein Denken sprechen. Wenn ich lächle, lächelt mich recht wahrscheinlich mein Gegenüber an. Wenn ich es vom anderen erwarte, dass er den Anfang beim Lächeln macht, sinkt meine Chance angelächelt zu werden, weil ich selbst unbewusst wohl eher kritisch lauernd gucke. Ergo: Was wir denken, kommt zu uns zurück.

Das ist so einfach gesagt, ich weiss. Auch ich bin darin nicht perfekt. Und darum geht es auch hier wieder nicht. Wir alle tragen das in uns, dass wir manchmal nicht an uns glauben, an uns zweifeln oder auch anderen nicht vertrauen. Etwa weil wir sehr enttäuscht wurden. Dann suchen wir unbewusst auch in neuen Situationen nach Hinweisen darauf, ob womöglich wieder ein Haken an der Sache ist. Wenn wir von etwas überzeugt sind, übersehen wir dagegen kleinere Hinweise auf Risiken. Während also der Kritiker jede kleine Situation negativ wertet, sieht der Optimist manchmal zu rosa in die Zukunft und übersieht etwas. Die Kunst liegt darin pessimistische und optimistische Gefühle auszubalancieren: wenn es mal nicht so läuft, gilt es eben mit den Hürden umzugehen und wenn ich von etwas selbst total überzeugt bin (zB von der Idee als Anfänger einen Marathon in 10 Wochen zu laufen) dann hilft es, einen Skeptiker hinzuzuziehen, der mir hilft, mögliche Hürden und Risiken zu bedenken. Denn wenn ich gewappnet bin, wie ich mit Hürden umgehen will, dann finde ich neue gute Wege für mich.

Viele von uns haben leider gelernt, dass man nicht immer Zuversicht haben kann. Auch wir selbst haben schon versehentlich Vertrauen bei anderen kaputt gemacht, oder? Wir sind dabei oft nicht ganz ehrlich zu uns selbst. Auch wir haben schon enttäuscht. Und Hand aufs Herz, liebe Leserin, lieber Leser, eigentlich sind wir ganz nette Menschen, oder? Also, lasst uns auch anderen eine faire Chance geben.

Tipp: Zuversicht ist dein Vertrauen darauf, dass die Dinge gut laufen werden. Je besser du lernst Zuversicht aufzubauen, desto eher wirst du Leichtigkeit in deinem Leben spüren können. Misstrauen dagegen lässt die gleiche Situation zu einem anstrengenden Kampf werden. Das gilt für Partnerschaften wie Freundschaften, im Arbeitsleben, für die Entwicklung und Stärkung eigener Fähigkeiten, für das Erreichen von Zielen usw.

6. Schenke dir Auszeiten für Bewegung


In der Bewegung liegt oft eine unglaubliche Kraft, uns neue Perspektiven finden zu lassen. Und wenn wir es zulassen, dann können wir ganz im Moment sein und die Sorgen vergessen…

Und wenn du gerade deinen geliebten Laufsport nicht ausüben kannst? Dann bleib neugierig, was wolltest du schon immer mal tun, und hattest bisher keine Zeit dafür? Jetzt ist der Moment gekommen! Probiere neue Sportarten aus, schreibe dein erstes Buch, bewirb dich endlich. Lass zu, dass dein Leben vielfältig bleibt. Du wirst davon auch in deinem Lieblingssport profitieren. Davon erzähle ich dir gerne mehr in einem nächsten Blogbeitrag.

Tipp: Beweg dich genug, aber auch bewusst und nicht nur im Kampf gegen dich selbst, sondern auch mit Dankbarkeit für deinen Körper, für die Natur, für das Wetter usw.

Hat dir dieser Beitrag gefallen oder neugierig gemacht? Ich freue ich mich über deine Kommentare oder Fragen dazu.

(1) Diese Person ist ausgedacht und steht stellvertretend für KlientInnen, die ich begleiten durfte. 

(2) Quelle: https://woopmylife.org/de/practice; vgl. Gabriele Oettingen, Die Psychologie des Gelingens, DROEMER, 2017

erstellt von
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Daniela Dihsmaier

Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Mentaltraining von München

Altersklasse: W40
Verein: TRITIME WOMEN Team
Trainer: Susanne Buckenlei

Meine Disziplinen
Triathlon Olympische Distanz Triathlon Langdistanz

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