„Warum läufst du eigentlich nicht mit?“ – über den Umgang mit Verletzungen und Worte Jan Frodenos

Ich sitze gerade nach einem Wochenende voller Emotionen im Zug auf dem Weg zurück nach Hause. Ich bin so froh, beim ASICS FrontRunner Teammeating zum Frankfurt-Marathon dabei gewesen zu sein – wenn auch nur als Zuschauer- bzw. Cheerleaderin für unsere ASICS Family. Ich weiß gar nicht, wie oft ich an diesem Wochenende die Frage beantwortet habe, warum ich nicht mitlaufe.. Weil meine Achillessehne es eben einfach nicht mehr mitmacht und ich erfahrungsgemäß nach ca. 2 km mit Schmerzen und tagelangen Problemen danach zu kämpfen habe. Nachdem mir daraufhin in den meisten Fällen Mitleid entgegen gebracht wurde, habe ich mich nun entschlossen, diesen Artikel hier zu schreiben. Denn Mitleid brauche ich ganz bestimmt nicht! Und auch jede/r andere nicht, der bzw. die mit Verletzungen oder chronischen Schmerzen leben muss.

Vor meiner Achillessehnen-OP war ich Ausdauersportlerin mit größter Leidenschaft – am liebsten Step-Aerobic und 10-Kilometer-Läufe mit einer persönlichen Bestzeit von 47 min. Ich habe es sogar so weit gebracht, an der Friedrich-Schiller-Universität als Ausbilderin für Aerobic und Step-Aerobic tätig zu sein – denn da muss auch jede/r Sportstudent/in durch. Ein dreiviertel Jahr nach dem operativen Eingriff wurde mir dann so langsam klar, dass die Probleme mich evtl. dauerhaft einschränken könnten, was sich dann auch bestätigte. Ich bin ehrlich: Die ersten zwei Jahre ohne Laufen und Springen (bzw. mit vielen deprimierenden Erfahrungen, es zu versuchen) waren hart, von viel Selbstmitleid und Verzweiflung begleitet und zeitweise eine echte mentale Grenzerfahrung. Irgendwann habe ich dann jedoch begriffen, dass es so nicht weitergehen kann. So wagte ich dann also den Blick über den Ausdauer-Tellerrand und habe so mein Glück mit anderen Sportarten versucht und gefunden. 

Wie es der Zufall will, hat Ironman-Star Jan Frodeno in seinem Interview zum ASICS FrontRunner Teammeating genau über das Thema gesprochen, wie man mit Verletzungen und sportlichen Zwangspausen umgehen sollte. Oft sieht der Mensch nämlich nur das, was er nicht kann und gerade nicht leisten und erreichen kann – eben „hätte, wäre, wenn“. Frodeno appellierte an uns alle, den Blick vor allem in schwierigen Situationen darauf zu wenden, was wir alles haben und für was wir dankbar sein können. Klingt nach einem abgedroschenen Spruch, aber mit dieser Einstellung gelingt es, sein Glück und seine Freude im Leben wieder zu finden. Er meint damit nicht nur bewusste Dankbarkeit unseren Familien, Freunden, bisherigen Erfolgen und erlebten Highlights gegenüber, sondern auch sportlich gesehen, womit wir wieder bei mir wären. In den vergangenen Jahren habe ich den Weg zum Kraftsport, Bodyweight-Fitnesstraining und Pilates gefunden, fahre regelmäßig indoor und am liebsten outdoor Fahrrad, gehe schwimmen und arbeite als Sportlehrerin an einem Gymnasium und bin Fitness- und Personal Trainerin. Der Sport spielt in meinem Leben nach wie vor eine wahnsinnig große Rolle – eben im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Was das Laufen angeht, so konnte ich mich natürlich nicht ganz von dieser außergewöhnlichen Welt verabschieden. Aber ich habe einen anderen Platz mit einer neuen Rolle gefunden, die mich hautnah dabei sein lässt. Seit 2016 moderiere ich regelmäßig regionale, kleine und große Volksläufe, zu denen ich auch eine Erwärmung mit den Läufern und Läuferinnen mache. Ich liebe dieses Gefühl, vor diesen vielen Leuten zu stehen, die in diesem Moment durch den Sport zu einem Team werden. SPORT VERBINDET! Ein echtes Highlight ist für mich jedes Jahr der Jenaer Teamlauf mit 1500 Startern im Jahr 2018. Und auch der Frankfurt-Marathon mit über 25.000 Läufern und Läuferinnen hat mich dieses Wochenende wirklich umgehauen – auch als Zuschauerin. Mit anderen ASICS FrontRunnern an der Seite zu stehen und anzufeuern, in schmerzverzerrte, aber auch über beide Ohren strahlende Gesichter zu schauen und Welt- und Streckenrekorde zu feiern, ist doch Grund genug zur Freude.

Es liegt also an einem selbst, ob man in Selbstmitleid versinkt und „alten Zeiten“ nachtrauert, oder ob man sich öffnet für neue Möglichkeiten und sich auch mit anderen freuen und an ihren Erfolgen teilhaben kann. Das gilt übrigens nicht nur für chronische Probleme, sondern auch für Verletzungen, die einen zeitweise einschränken. Insgesamt betrachtet ist es doch wirklich nicht wichtig, ob das Training für einige Wochen schlecht oder auch gar nicht läuft, ob man ein bisschen Muskelmasse verliert oder ob man an einem bestimmten Wettkampf teilnimmt oder nicht. Im schlimmsten Fall hat man mehr Zeit für andere Dinge. Bleib positiv, glaub an die Selbstheilungskräfte deines Körpers, habe Geduld und halte Ausschau nach anderen (sportlichen) Möglichkeiten. Ich habe mich entschieden – und du?

Unter dem folgenden Link berichte ich von meinen Erfahrungen mit Achillessehnen-Problemen und gebe wertvolle Ratschläge zur Schmerzlinderung, Entlastung und (Selbst-)Therapie: Hier geht´s zum Blogbeitrag.

*Photo by Jörg Schüler

#imoveme

erstellt von
portrait

Elisa Dambeck

Gymnasiallehrerin (Sport, Deutsch), Fitness- und Personal Trainerin von Zwickauer Land, Erfurt

Altersklasse: 30

Meine Disziplinen
Funktionelles Training Kraft-Training Yoga / Pilates Fitness

Weitere Blogbeiträge