Laufkadenz â was ist das?
March 22, 2025
Kam es dir beim Laufen schon einmal so vor, als hĂ€ttest du ein Plateau erreicht? Es kann frustrierend sein, wenn deine Laufzeiten einfach nicht besser zu werden scheinen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass du mit vielen kleinen Ănderungen deine Performance verbessern kannst. Und eine davon ist, sich die eigene Laufkadenz genauer anzusehen.
Die âLaufkadenzâ bezieht sich auf die Anzahl der Schritte pro Minute (SPM), die du beim Laufen machst. Viele LĂ€ufer*innen und Trainer*innen sind der Meinung, dass eine höhere durchschnittliche Laufkadenz zu einer besseren Performance fĂŒhrt â und es gibt einige Belege, die diese Idee stĂŒtzen. Andere Forscher haben jedoch Zweifel, wie wichtig die Schrittfrequenz beim Laufen ist.
In diesem Blog werden wir uns ansehen, was die Laufkadenz eigentlich ist und wie du deine SPM erhöhen kannst. AuĂerdem werden wir aktuelle Forschungsergebnisse zu diesem Thema bewerten.
Was bedeutet Kadenz beim Laufen?
Die Laufkadenz bezieht sich einfach auf die Anzahl der Schritte, die LĂ€ufer*innen pro Minute machen. Deine Laufkadenz kann dabei je nach folgenden Faktoren stark variieren:
- Tempo: Beim Sprinten ist deine Schrittfrequenz höher als beim lockeren Joggen.
- Untergrund: Auf einer rutschigen oder nassen OberflĂ€che kann deine Schrittfrequenz höher sein, da du normalerweise kĂŒrzere Schritte machst.
- Steigung/GefĂ€lle: Du erhöhst automatisch deine Schrittfrequenz, wenn du bergauf lĂ€ufst, indem du kĂŒrzere Schritte machst, und verringerst die Schrittfrequenz beim Laufen bergab.
- GröĂe: GröĂere Menschen haben in der Regel eine niedrigere Schrittfrequenz. Da sie lĂ€ngere Beine haben, können sie pro Schritt eine gröĂere Strecke zurĂŒcklegen.
Beim Laufen auf einer ebenen FlĂ€che mit ânormalemâ Tempo tendieren die meisten Menschen jedoch dazu, eine ziemlich konstante Laufkadenz zu haben.Â
Wie wird die Laufkadenz gemessen?
Um deine Laufkadenz herauszufinden, musst du einfach zĂ€hlen, wie oft du mit jedem deiner FĂŒĂe bei normalem Tempo auf den Boden auftrittst. Du hast hierfĂŒr verschiedene Möglichkeiten:
- ZĂ€hle deine Schritte selbst: Benutze eine Stoppuhr und zĂ€hle, wie oft dein rechter FuĂ in einer Minute den Boden berĂŒhrt. Verdopple dann die Zahl â es kann einfacher sein, nur einen FuĂ zu zĂ€hlen als beide. Der Nachteil, wenn du dich selbst zĂ€hlst, ist, dass du deine natĂŒrliche Laufbewegung unbewusst verĂ€ndern könntest.
- Laufe auf einem Laufband und bitte einen Freund/filme dich: Laufe in deinem gewohnten Tempo auf einem Laufband. Bitte dann entweder einen Freund, deine Schritte zu zÀhlen, oder filme dich und zÀhle dann selbst, wie viele Schritte du gemacht hast.
- Laufuhren: Einige spezielle Laufuhren und andere Wearables können deine Schrittfrequenz schÀtzen.
- Lauf-Apps: Auch Fitness-Apps auf deinem Smartphone können möglicherweise die Kadenz auf Basis deines Tempos und der Bewegungen deiner Beine messen.
Welche Bedeutung könnte die Laufkadenz haben?
In der Laufsport-Community wird viel ĂŒber die Bedeutung der Schrittfrequenz beim Laufen diskutiert. WĂ€hrend einige sie fĂŒr sehr hilfreich halten, sind andere nicht ganz so ĂŒberzeugt. Wir werden uns im Folgenden mit beiden Seiten befassen. Doch zunĂ€chst wollen wir uns ansehen, warum eine höhere Schrittfrequenz von Vorteil sein könnte.
Eine höhere Kadenz kann dein Verletzungsrisiko verringern
Der vielleicht gröĂte Vorteil einer höheren Laufkadenz ist, dass sie dein Verletzungsrisiko senken könnte. LĂ€ufer*innen mit einer höheren Schrittfrequenz bewegen sich mit kurzen, leichten Schritten, wĂ€hrend LĂ€ufer*innen mit einer niedrigeren Schrittfrequenz lĂ€ngere und schwerere Schritte machen. Eine niedrigere Schrittfrequenz könnte daher bei jedem Schritt eine gröĂere Belastung fĂŒr deine Gelenke darstellen. Dadurch könnte sich dein Verletzungsrisiko erhöhen.
In einer Studie stellten Forscher*innen fest, dass bei einer gröĂeren SchrittlĂ€nge â und damit einer geringeren Schrittfrequenz â mehr Energie vom Kniegelenk absorbiert wird. Das könnte bedeuten, dass kĂŒrzere Schritte das Verletzungsrisiko verringern. Auch eine andere Auswertung mehrerer Studien zu diesem Thema kam zu dem Schluss, dass âeine erhöhte Schrittfrequenz (reduzierte SchrittlĂ€nge) das AusmaĂ mehrerer wichtiger biomechanischer Faktoren im Zusammenhang mit Laufverletzungen zu verringern scheintâ.
Verletzungen: Erfahre mehr ĂŒber Laufverletzungen und deren Vorbeugung
Bessere Laufökonomie
Die Laufökonomie gibt an, wie effizient dein Körper beim Laufen arbeitet. In einer Studie wurde eine Gruppe von LÀufer*innen gebeten, ihre Schrittfrequenz zu erhöhen, wÀhrend eine andere Gruppe mit ihrer normalen Schrittfrequenz lief. Nach 10 Tagen zeigte sich, dass die Gruppe mit der höheren Schrittfrequenz einen geringeren Sauerstoffverbrauch hatte, was darauf hindeutet, dass sie effizienter liefen.
Die groĂe Frage: Gibt es eine optimale Schrittfrequenz beim Laufen?
Viele Jahre lang galten 180 Schritte pro Minute als ideale Lauffrequenz. Diese Zahl geht auf eine Beobachtung des Lauftrainers Jack Daniels zurĂŒck, der bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles feststellte, dass die meisten Elite-LangstreckenlĂ€ufer*innen 180 Schritte pro Minute machten. Infolgedessen konzentrierten sich viele LĂ€ufer*innen und Trainer*innen darauf, eine höhere Schrittfrequenz zu erreichen.
Die Bedeutung dieser Zahl wird jedoch angezweifelt.
In einer Studie aus dem Jahr 2019, an der UltramarathonlĂ€ufer*innen eines 100-km-StraĂenlaufs teilnahmen, stellten die Forscher*innen beispielsweise fest, dass die SPM bei diesen Eliteathlet*innen stark variierte. Bei den MĂ€nnern lag der SPM-Wert im Durchschnitt bei 177,6, wĂ€hrend er bei den Frauen bei 188,5 lag. Dieser Durchschnittswert war jedoch mit groĂen Schwankungen verbunden. Zum Beispiel erreichten einige der mĂ€nnlichen LĂ€ufer nie mehr als 160 SPM, wĂ€hrend andere fast 210 SPM liefen. Trotzdem beendeten alle LĂ€ufer*innen das Rennen unter den ersten 25. Dies lĂ€sst Zweifel an der Theorie einer ârichtigenâ Kadenz aufkommen.
Sollte man die Schrittfrequenz beim Laufen einfach ignorieren?
Die beschriebenen Studienergebnisse deuten darauf hin, dass es nicht unbedingt so etwas wie eine âoptimaleâ Laufkadenz gibt und dass Menschen trotz sehr unterschiedlicher SPM eine gute Performance erzielen können. HeiĂt das also, dass man die Kadenz einfach vergessen kann? Letztendlich hĂ€ngt das von verschiedenen Faktoren ab:
- Verletzungen: Hast du in der Vergangenheit bereits Laufverletzungen erlitten oder treten beim Laufen Schmerzen auf? Manche Verletzungen können durch eine zu weite SchrittlĂ€nge verursacht werden. Eine Erhöhung der Laufkadenz könnte also ein Weg sein, dieses Problem in den Griff zu bekommen. NatĂŒrlich ist es am besten, bei Verletzungen zuerst einen Physiotherapeuten zu Rate zu ziehen fĂŒr den Fall, dass es eine andere Ursache gibt.
- Wohlbefinden: Kommst du mit deiner aktuellen Laufkadenz zurecht? Dann besteht vielleicht gar kein Grund, irgendetwas zu Àndern.
- Körper: Wie bereits erwĂ€hnt, haben gröĂere Menschen von Natur aus eine niedrigere Laufkadenz als kleinere Menschen, da lĂ€ngere Beine auch lĂ€ngere Schritte bedeuten. Dies wurde durch Untersuchungen bestĂ€tigt. Wenn du also etwas gröĂer bist, wird es deutlich schwieriger, beim Laufen eine höhere Schrittfrequenz zu erreichen.
Tipps zur Erhöhung deiner Laufkadenz
Manche Menschen können durch eine Erhöhung ihrer Laufkadenz das Verletzungsrisiko senken und ihre Laufökonomie verbessern. Wir haben einige allgemeine Tipps und Ideen zusammengestellt, mit denen du deine SPM steigern kannst.
Hinweis: Vor einer wesentlichen Ănderung deiner Laufgewohnheiten ist es immer sinnvoll, sich von einem Physiotherapeuten oder einer Trainerin persönlich und fachkundig beraten zu lassen.
- Nimm schrittweise Anpassungen vor: Erhöhe deine Schrittfrequenz nur sehr allmĂ€hlich. Ermittle zunĂ€chst deine aktuelle Schrittfrequenz und erhöhe sie dann in Schritten von jeweils maximal 5 %. Bei einer Schrittzahl von 160 SPM sollte das Ziel beispielsweise bei maximal 168 SPM liegen. Die Umstellung auf diese höhere Frequenz wird einige Wochen dauern. Warte also, bis es sich ganz natĂŒrlich anfĂŒhlt, bevor du die Frequenz wieder erhöhst.
- Verwende ein Metronom oder Musik: Es gibt Metronom-Apps und spezielle Playlists fĂŒr das Laufen, die nur Titel mit einer bestimmten BPM-Zahl enthalten. Dann kannst du im Takt der Musik laufen, ohne deine Schritte zĂ€hlen zu mĂŒssen.
- Mache kĂŒrzere Schritte: Durch die Anpassung deiner Laufkadenz trainierst du deinen Körper und seine BewegungsablĂ€ufe neu. Konzentriere dich auf eine kĂŒrzere SchrittlĂ€nge und vermeide es, in deine alten Muster zurĂŒckzufallen.
- Leichte Schuhe: Laufschuhe mit geringem Gewicht können die Energie, die fĂŒr die erhöhte Anzahl an Schritten pro Minute benötigt wird, geringfĂŒgig reduzieren. NatĂŒrlich sollten die Schuhe immer noch ausreichend gedĂ€mpft sein und guten Halt bieten, aber ein paar Gramm weniger könnten den entscheidenden Unterschied ausmachen.
- Festere Schuhe: Auch durch Laufschuhe mit einer etwas festeren DĂ€mpfung kannst du dich möglicherweise schneller nach vorne abstoĂen als mit Schuhen, die mehr âfedernâ.
LĂ€ufer*innenberichte ĂŒber die Steigerung ihrer SPM
Zahlreiche LĂ€ufer*innen haben auf Fitness-Websites, in Foren und Blogs ĂŒber ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Erhöhung ihrer Laufkadenz berichtet. Hier findest du einige der wichtigsten Einblicke aus diesen Erfahrungsberichten:
Auf der Lifestyle-Website SELF beschrieb die LĂ€uferin Alexa Tucker ihre Erfahrungen mit der Steigerung ihrer Laufkadenz:
âVor ein paar Wochen gelang mir der beste Lauf meines Lebens. Ich lief meine wöchentlichen drei Meilen von meiner Wohnung in New York zum Washington Square Park und zurĂŒck. Doch an diesem Mittwochmorgen war meine Zeit um 45 Sekunden pro Meile schneller und ich legte keine einzige Gehpause ein. Ich fĂŒhlte mich fit â und agil â und die einzige VerĂ€nderung war, dass ich kleinere Schritte machte statt der langen, ausladenden Schritte wie sonst.â
Und auf der Online-Diskussionsplattform Disqus beschrieb ein LÀufer, wie sich die Erhöhung seiner Laufkadenz auf seine Marathon-Performance auswirkte:
âMeine Schrittfrequenz liegt jetzt bei etwa 178 Schritten/min. Vor drei Jahren lag sie bei etwa 160 bpm ... Damals brauchte ich fĂŒr einen Marathon knapp unter 3 Stunden, jetzt laufe ich ihn in 2:40 Stunden. Zugegeben, es war ein langer Prozess, und die Umstellung hat ĂŒber ein Jahr gedauert, aber dank dieser kĂŒrzeren und schnelleren Schritte fĂ€llt es mir jetzt viel leichter, das Rennen zu beenden. Es fĂŒhlt sich einfach richtig an.â
Aber auf Reddit waren einige LĂ€ufer*innen, die das Thema diskutierten, etwas weniger ĂŒberzeugt. Einer argumentierte:
âMeiner Ansicht nach sollte man sich keine Gedanken ĂŒber die Schrittfrequenz machen. Der Körper wird das tun, was fĂŒr seine Zusammensetzung und Biomechanik optimal ist.â
Die Laufkadenz: Nur ein Teil des Puzzles
Wenn du deine Laufleistung verbessern und gleichzeitig dein Verletzungsrisiko senken möchtest, gibt es viele kleine und auch gröĂere Dinge, die du Ă€ndern kannst. Sich die eigene Laufkadenz bewusst zu machen, kann sicherlich zu diesen Verbesserungen beitragen â sie macht aber nur einen Teil des Gesamtbildes aus.
Weitere Ideen, wie du mehr aus deinem Lauftraining herausholen kannst, findest du in unserem Blog. Dort erhÀltst du Tipps zur Steigerung deiner Laufgeschwindigkeit, zur Verbesserung deiner Lauftechnik, zur richtigen ErnÀhrung und vieles mehr.