
Wie du beim Joggen KrÀmpfe vermeidest
February 22, 2018
Find out how to avoid cramps when running so you have your best race. Learn why cramps happen and how to avoid and treat them.
Bekommst du beim Laufen manchmal KrĂ€mpfe? KrĂ€mpfe können extrem schmerzhaft sein und fĂŒhlen sich an, als wĂŒrden sich deine Beinmuskeln versteifen. KrĂ€mpfe können dich bewegungsunfĂ€hig machen und sind sehr frustrierend â besonders, wenn du an einem Lauf teilnimmst oder versuchst, deine persönliche Bestzeit zu schlagen.
Zum GlĂŒck gibt es einige Dinge, die du tun kannst, um KrĂ€mpfe beim Auftreten zu stoppen. Und es gibt auch Techniken, mit denen du das Risiko eines Krampfes von vornherein reduzieren kannst, auch wenn sich KrĂ€mpfe nicht völlig ausschlieĂen lassen.
Bevor wir uns ansehen, wie du WadenkrÀmpfe beim Joggen vermeiden kannst, ist es zunÀchst hilfreich, genau zu verstehen, was ein Krampf eigentlich ist.
Was ist ein Krampf?
Die AOK definiert einen Wadenkrampf folgendermaĂen: âDer Schmerz entsteht, wenn sich die Muskulatur plötzlich zusammenzieht, ohne sich wieder zu entspannen.â
Am hĂ€ufigsten treten WadenkrĂ€mpfe beim Laufen auf, aber auch die hintere Oberschenkelmuskulatur, die FuĂmuskulatur und die Innenseite der Oberschenkel können verkrampfen. KrĂ€mpfe dauern in der Regel nur wenige Sekunden und betreffen nur einen Muskel. Sie können aber auch mehrere Minuten oder sogar Stunden andauern. Nach einem Krampf kann der Muskel auch noch bis zu einem Tag lang schmerzen.
KrĂ€mpfe beim Sport treten sehr hĂ€ufig auf. Studien zufolge haben bis zu 95 % von uns schon einmal wĂ€hrend des Trainings einen Krampf gehabt. Noch dazu leiden bis zu zwei FĂŒnftel der LangstreckenlĂ€ufer hĂ€ufig unter KrĂ€mpfen.
Warum kommt es zu KrĂ€mpfen? Die groĂe Debatte
Seit vielen Jahren wird unter LĂ€uferinnen, Trainerinnen und Sportwissenschaftlern darĂŒber diskutiert, warum KrĂ€mpfe auftreten.
TatsÀchlich ist die Ursache von KrÀmpfen immer noch ein RÀtsel. Das liegt auch daran, dass KrÀmpfe spontan und unvorhersehbar auftreten und in der Regel nur wenige Sekunden andauern. Dadurch lassen sie sich nur schwer testen, um herauszufinden, warum sie auftreten.
Es gibt zwei konkurrierende Ansichten darĂŒber, warum wir beim Sport KrĂ€mpfe bekommen. Diese Debatte ist wichtig, denn je nachdem, auf welcher Seite du bist, hat das möglicherweise Auswirkungen auf die Art und Weise, wie du KrĂ€mpfen vorbeugen willst.
Die Elektrolyt-Theorie
Lange Zeit lautete die gĂ€ngige Theorie, dass KrĂ€mpfe durch den Elektrolytverlust verursacht werden. Um es etwas zu vereinfachen: Elektrolyte sind Mineralien, mit denen unser Nervensystem Signale an unsere Muskeln sendet, um ihnen mitzuteilen, wie sie sich ausdehnen und zusammenziehen sollen. Beim Langstreckenlauf kommt es zu starkem Schwitzen, und SchweiĂ enthĂ€lt Elektrolyte wie Natrium, also Salz. Der Gedanke ist also, dass das Nervensystem nicht mehr so gut elektrische Signale an die Muskeln senden kann, wenn man durch das Schwitzen zu viele Elektrolyte verliert. Dadurch ziehen sie sich möglicherweise zu stark zusammen, was zu KrĂ€mpfen fĂŒhrt.
Diese althergebrachte Auffassung von KrĂ€mpfen geht auf Untersuchungen zurĂŒck, die in den 1920er- und 1930er-Jahren an Arbeitern in Schwerindustrieanlagen durchgefĂŒhrt wurden. Sie verrichteten schwere Arbeit unter heiĂen Bedingungen und schwitzten dabei viel, wobei einige von ihnen unter KrĂ€mpfen litten. Die Forscher stellten fest, dass bei der Einnahme von salzhaltigen GetrĂ€nken weniger KrĂ€mpfe auftraten.
Das Problem bei dieser Theorie ist, dass sie nicht erklÀrt, warum nur manche Menschen beim Sport KrÀmpfe bekommen. Mehr noch: Studien mit Triathleten haben ergeben, dass diejenigen, die unter KrÀmpfen litten, keine niedrigeren Elektrolytwerte im Blut hatten als Athleten, die keine KrÀmpfe hatten.
Die neuromuskulÀre Theorie
Eine neuere ErklĂ€rung fĂŒr KrĂ€mpfe ist die neuromuskulĂ€re Theorie. Die Idee dahinter ist, dass es bei lĂ€ngerem Training zu einer Fehlfunktion in der Kommunikation zwischen deinen Muskeln und dem RĂŒckenmark kommt. Dabei wird ein Motoneuron ĂŒbermĂ€Ăig erregt und sendet kontinuierlich Signale an einen Muskel, sich zusammenzuziehen, was zu einem Krampf fĂŒhrt. Diese Theorie wird teilweise durch verschiedene Laborstudien gestĂŒtzt, bei denen durch elektrische Stimulation der Motoneuronen KrĂ€mpfe induziert, also ausgelöst, werden konnten.
KrÀmpfe sind komplex
In einer umfassenden wissenschaftlichen Studie zu sportbedingten KrĂ€mpfen wurde festgestellt, dass KrĂ€mpfe auf verschiedene Arten entstehen können und es möglicherweise nicht nur eine ErklĂ€rung dafĂŒr gibt.
Auf jeden Fall ist uns bekannt, dass KrĂ€mpfe in bestimmten Situationen wahrscheinlicher sind â auch wenn die Wissenschaft manchmal widersprĂŒchlich zu sein scheint:
- Sie treten hÀufiger bei Ausdauersportarten auf, insbesondere in den Endphasen eines Rennens
- Sie treten eher bei warmem Wetter auf
- Das Risiko, einen Krampf zu bekommen, ist höher, wenn du schon einmal einen Krampf hattest
- Die Wahrscheinlichkeit ist bei fehlender Ăbung höher
- Die Wahrscheinlichkeit, einen Krampf zu bekommen, ist bei einer höheren BelastungsintensitĂ€t als ĂŒblich höher
- Wer sich weniger dehnt, bekommt offenbar hÀufiger KrÀmpfe
- Menschen mit einem höheren BMI neigen eher zu KrÀmpfen
- Aber auch Menschen mit einem unterdurchschnittlichen BMI bekommen hÀufiger KrÀmpfe
- Wer in der Vergangenheit eine Laufverletzung hatte, ist anfĂ€lliger fĂŒr KrĂ€mpfe
- Menschen mit einer Vorgeschichte von Nieren-, Blasen- oder Darmerkrankungen sind anfĂ€lliger fĂŒr KrĂ€mpfe
- Personen ĂŒber 40 sind stĂ€rker gefĂ€hrdet
- MÀnner bekommen hÀufiger KrÀmpfe als Frauen
RegelmĂ€Ăige KrĂ€mpfe sollten nicht ignoriert werden
Auch wenn die meisten LĂ€ufer gelegentlich KrĂ€mpfe bekommen, solltest du sie nicht ignorieren, wenn sie regelmĂ€Ăig auftreten. KrĂ€mpfe werden mit bestimmten Erkrankungen in Verbindung gebracht, weshalb es sinnvoll ist, sich beim Arzt untersuchen zu lassen. Da sie auch ein Zeichen fĂŒr eine Verletzung oder schlechte AusfĂŒhrung sein können, kann es helfen, mit einem Experten zu sprechen.
Studien haben ergeben, dass LÀufer, die unter KrÀmpfen leiden, vor dem Start eines Rennens mit höherer Wahrscheinlichkeit erhöhte Kreatinkinase-Werte im Blut aufweisen. Kreatinkinase ist ein Enzym, das hauptsÀchlich in den Muskeln vorkommt. Wenn es also im Blut in erhöhten Mengen nachgewiesen wird, kann dies auf eine Verletzung hindeuten.
Wie du beim Joggen KrÀmpfe vermeidest
Nachdem wir nun ein wenig mehr ĂŒber die Ursachen von KrĂ€mpfen wissen, können wir uns damit befassen, wie wir sie verhindern oder zumindest ihre Wahrscheinlichkeit verringern können.
- Baue Krafttraining in dein Vorbereitungsprogramm ein: Eine Studie zum Thema KrĂ€mpfe und Langstreckenlauf ergab, dass LĂ€ufer, die im Rahmen ihres Trainings auch Krafttraining absolvierten, seltener KrĂ€mpfe bekamen. In unserer EinfĂŒhrung in das Krafttraining fĂŒr LĂ€ufer findest du weitere Tipps.
- Dehne dich und wĂ€rme dich richtig auf: Wenn du zu KrĂ€mpfen neigst, kann die gezielte Dehnung deines Körpers vor dem Rennen â insbesondere deiner Beine â von Vorteil sein. Lies unseren Leitfaden fĂŒr DehnĂŒbungen im Laufsport.
- Versuche, dich an deinen Laufplan zu halten: Vor allem bei einem Rennen kann die Versuchung groà sein, schneller zu laufen als sonst, um seine Zeit zu verbessern. Studien haben jedoch gezeigt, dass AusdauerlÀufer, die bei einem Rennen schneller als sonst laufen, eher KrÀmpfe bekommen. Versuche also, dich an deinen Trainingsplan zu halten und deine Geschwindigkeit nur allmÀhlich zu steigern.
- Stelle dich auf das Klima ein: Wenn du es gewohnt bist, in einem bestimmten Klima zu laufen, dich aber fĂŒr einen Marathon in einem feuchteren Klima angemeldet hast, wirst du aufgrund der verĂ€nderten Bedingungen mehr schwitzen und dich mehr anstrengen mĂŒssen. Dadurch kann das Risiko von KrĂ€mpfen steigen. Nimm dir also etwas Zeit, um dich an die unterschiedliche Luftfeuchtigkeit zu gewöhnen.
- Trinke ausreichend ElektrolytgetrĂ€nke: Wie bereits erwĂ€hnt, bestehen gewisse Zweifel an einem eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Natriumgehalt im Körper und KrĂ€mpfen. Diese Theorie ist jedoch bei weitem nicht endgĂŒltig widerlegt, sodass es nicht schadet, ein SportgetrĂ€nk zu trinken, das Elektrolyte enthĂ€lt.
Mit einem Trinkrucksack oder einem LaufgĂŒrtel fĂ€llt es dir möglicherweise leichter, ausreichend FlĂŒssigkeit zu dir zu nehmen und auf Energy-Gels zuzugreifen. Sieh dir dazu unser Sortiment an Taschen, RucksĂ€cken und FlaschengĂŒrteln an.
Was kann man tun, wenn man wÀhrend eines Rennens einen Krampf bekommt?
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Auch wenn KrÀmpfe oft schnell, schmerzhaft und ohne Vorwarnung auftreten, gibt es manchmal gewisse Anzeichen im Vorfeld. Der beste Rat ist, den Schmerz nicht zu ignorieren und einfach weiterzulaufen. Letztendlich wird dir das nur noch mehr Unannehmlichkeiten bereiten. Stattdessen solltest du sofort auf eine der folgenden Arten reagieren:
- Dehne den verkrampften Muskel: Dies wird generell als die wirksamste Methode zur Behandlung von KrĂ€mpfen bei einem Rennen betrachtet. Auch wenn es natĂŒrlich Ă€rgerlich ist, wenn du dabei etwas Zeit verlierst, solltest du das Problem direkt angehen:
- Bei WadenkrÀmpfen beim Laufen kannst du versuchen, die Waden im Stehen zu dehnen. Wenn dein linkes Bein einen Krampf hat, tritt mit dem rechten Bein nach vorne und beuge es im Knie. Dadurch wird der linke Wadenmuskel langgezogen und intensiv gedehnt.
- Bei KrÀmpfen in der hinteren Oberschenkelmuskulatur kannst du versuchen, diese im Sitzen zu dehnen. Setze dich auf den Gehweg und strecke die Beine vor dir aus. Greife dann mit den HÀnden nach deinen Zehen, um die hintere Oberschenkelmuskulatur zu dehnen.
- Eine gĂ€ngige Ăbung zur Dehnung der inneren Oberschenkelmuskulatur ist die seitliche Kniebeuge. Stelle dich mit den FĂŒĂen schulterbreit auseinander hin und verlagere dann dein Gewicht auf die Seite, die nicht verkrampft ist. Dadurch wird der Krampf auf der Innenseite des Oberschenkels gelockert.
- Mach langsam: Auch wenn es verlockend ist, die verlorene Zeit nach einem Krampf wieder aufzuholen, ist es am besten, das Tempo fĂŒr eine Weile zu drosseln und auf den Körper zu hören. So kannst du schlieĂlich wieder zu deinem ursprĂŒnglichen Tempo zurĂŒckkehren. Wenn du nach einem Krampf sofort wieder los sprintest, kann der Krampf schnell zurĂŒckkehren und dich nur noch weiter ausbremsen.
- Trinke ein SportgetrĂ€nk mit Elektrolyten: Wie bereits erwĂ€hnt, ist die Beweislage zwar unsicher, aber es schadet definitiv nicht, den Natriumspiegel wĂ€hrend eines Rennens wieder aufzufĂŒllen.
NĂ€chster Artikel: Wie du Seitenstechen verhinderst
Hausmittel gegen KrÀmpfe
Es gibt verschiedene Hausmittel gegen KrÀmpfe, auf die einige LÀufer schwören. Dabei solltest du jedoch beachten, dass sie nicht wissenschaftlich bewiesen sind und du bei wiederholten KrÀmpfen unbedingt einen Arzt aufsuchen solltest. Abgesehen davon ist es unwahrscheinlich, dass diese Methoden schÀdlich sind, es sei denn, du bist gegen einen dieser Inhaltsstoffe allergisch:
- Essig
- Essiggurkensaft
- Senf
- Chilis
- Wasabi oder Meerrettich
- Ingwer
Eine mögliche ErklĂ€rung ist, dass all diese âHausmittelchenâ einen intensiven, bitteren oder scharfen Geschmack haben. Die Theorie dahinter ist, dass unser Gehirn bei stark gewĂŒrzten Speisen auf bestimmte Weise reagiert und dadurch bestimmte elektrische AktivitĂ€ten im Gehirn ausgelöst werden. Das könnte vielleicht Auswirkungen auf die Funktionsweise des Nervensystems haben.
Wie du KrÀmpfe loswirst
Ăberraschenderweise gibt es noch immer keinen wissenschaftlichen Konsens darĂŒber, warum KrĂ€mpfe auftreten oder wie man einen Wadenkrampf beim Laufen stoppen kann. BerĂŒcksichtigt man jedoch einige der GrĂŒnde, warum Menschen KrĂ€mpfe bekommen, und ergreift MaĂnahmen zur Risikominderung, kann man KrĂ€mpfen beim nĂ€chsten Rennen oder beim nĂ€chsten Training möglicherweise besser vorbeugen.